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Beantwortet
Autor Bernhard Doser am 26. Januar 2011
6011 Leser · 102 Stimmen (-0 / +102)

Landwirtschaft

Regulierungen für die Warenterminbörsen

Sehr geehrte Frau Aigner,

die Vorstöße zu Regulierungsmaßnahmen an den Börsen bezüglich Terminkontrakten sind nach meiner Auffassung nicht zielführend.

Grundsätze wie z. B. "teure Ware wird nie knapp" verlieren bei übermäßiger Regulierung ihre Bedeutung. In einem Jahr wie diesem, wo die Lebensmittel scheinbar knapp zu werden scheinen, wird der Grundstein für eine neue gute Ernte gelegt. Der Anbau wird ausgedehnt und intensiviert.
Der Markt funktioniert und bringt den erhofften Ausgleich.

Auch in den armen Ländern steigt der Anreiz, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Lebensmittel wurden lange Zeit so günstig produziert, dass in einigen Ländern der Erde die Produktion reduziert oder eingestellt wurde. Die Preisausschläge führen nach meiner Auffassung zu einer Belebung der Landwirtschaft in solchen Ländern. Dies sollte nicht gleich im Keim erstickt werden.

Die Chancen für den Landwirt, auch bei solch schwankenden Marktpreisen Geld zu verdienen, sind nach meiner Auffassung größer, als bei einer stärkeren Regulierung. Lediglich die starken Ausschläge nach oben würden abgemildert. Die Durststrecke im Preistal würde somit deutlich schmerzhafter, da in den guten Jahren keine Rücklagen gebildet werden konnten.

Was halten Sie von diesem Thema?

Über eine Stellungnahme zu meinen Ausführungen würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Doser

+102

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Antwort
von Ilse Aigner am 09. Mai 2011
Ilse Aigner

Sehr geehrter Herr Doser,

ich stimme Ihnen zu, dass eine unverzerrte Preisbildung auf den Agrarmärkten und auch an den Warenterminbörsen unverzichtbar ist.

Eine knappe Versorgungslage führt zu höheren Preisen. Dies ist dann das Signal an die Erzeuger, auch in Entwicklungsländern zu investieren und die Produktion auszudehnen.

Deshalb ist eines der wichtigsten Ziele meines Hauses, die Funktionsfähigkeit der Warenterminmärkte als eines der zentralen Instrumente zur Risikoabsicherung für die Agrar- und Ernährungswirtschaft zu stärken.

Auch stimme ich Ihnen zu, dass die Landwirtschaft mit Preisschwankungen, die zur Agrarproduktion nun mal dazu gehören, umgehen kann. Damit meine ich zum Beispiel saisonale Milchpreisschwankungen oder auch Preisreaktionen auf Missernten.

Aber: Extreme Preisvolatilität kann für die Agrarwirtschaft zu Problemen führen: Die Risikoabsicherung wird kostenaufwändiger, Investitionen können gehemmt werden, z.B. nach dem Preiseinbruch 2008.

Experten gehen davon aus, dass die Preisvolatilität zukünftig zunehmen kann, weil die Agrarmärkte stärker mit den Energie- und Finanzmärkten verbunden sind. Dadurch wirken sich Schwankungen auf diesen Märkten auch auf die Agrarpreise aus, selbst wenn sich an den Fundamentaldaten im Agrarbereich wenig ändert.

Seit einigen Jahren gibt es einen starken Kapitalzufluss von Finanzinvestoren an die Agrarrohstoffmärkte. Die Studien zu den längerfristigen Auswirkungen sind widersprüchlich, aber kurzfristige Preisausschläge werden für möglich gehalten.

Um die Auswirkungen konkreter zu fassen, benötigen wir meiner Ansicht nach zunächst mehr Transparenz an den europäischen Terminmärkten. Orientieren können wir uns dabei an den USA, wo die handelnden Akteure registriert werden und die Börsen regelmäßige Berichte zum Handelsverlauf, den gehaltenen Positionen und den Akteuren veröffentlichen.

Auf der Basis können Fehlentwicklungen erkannt werden und bei Bedarf können die Aufsichtsbehörden reagieren.

Wir müssen übermäßige Spekulationen, die die Preisbildung für Agrarrohstoffe stören, begrenzen. Dies kann natürlich nur international gelingen, um gleiche Rahmenbedingungen auf den weitgehend liberalisierten Agrar- und Finanzmärkten zu gewährleisten. Außerdem müssen wir Entwicklungsländer durch geeignete Maßnahmen unterstützen, denn sie leiden besonders unter extremen Preisschwankungen.

Hierbei muss die Agrarpolitik zusammen mit anderen Politikbereichen bewirken, dass die Landwirte besser an die Märkte angebunden werden und die Produktivität in der Landwirtschaft gesteigert wird. Mein Ziel ist es, nicht nur das Angebot an Nahrungsmitteln weltweit zu steigern, sondern auch den Zugang dazu zu verbessern, indem den Menschen ermöglicht wird, ein Einkommen zu erwirtschaften.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bundesministerin