Beantwortet
Autor D. Weidenbruch am 12. Januar 2016
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Sonstige Themengebiete

Geplanter Konverter

Sehr geehrtes Amprion-Team,

ich habe kürzlich gehört dass Amprion plant in der Nähe von Düsseldorf den größten Konverter Europas zu bauen. Ich kenne mich mit Energiegewinnung nicht besonders gut aus. Ich frage mich dennoch, ob es notwendig ist ein laut Wikipedia rund 100.000 m2 großen Konverter zu errichten, obwohl die Stromversorgung auch heute schon stabil funktioniert.

Könnten Sie mir erklären, warum ein derart großer Konverter erbaut werden muss? Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der geplante Konverter in erster Linie aus Kohlekraft erzeugten Strom umwandeln soll. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Kohlekraft langfristig weniger genutzt werden soll.

Vielen Dank für Ihre Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

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Antwort
von Thomas Wiede am 23. März 2016
Thomas Wiede

Sehr geehrte Frau Dr. Weidenbruch,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage.

Im europäischen Vergleich befinden sich die Ultranet-Konverter, auf die Sie ansprechen, bezüglich Leistung und Spannung im Mittelfeld. Auch in Frankreich und Spanien wurde im vergangenen Jahr eine Gleichstrom-Verbindung (Projektname INELFE) in Betrieb genommen, die Konverter von vergleichbarer Grüße und Leistungsfähigkeit benötigt. Die Anlage, die wir für die Gleichstromverbindung Ultranet im Rheinkreis Neuss planen, braucht mit ca. 100.000 qm eine große Fläche, wovon jedoch nur ein Fünftel bebaut ist. Darunter sind vier Hallen, in denen die Leistungselektronik der sogenannten Umrichter untergebracht wird. Der Rest der Anlage ist vergleichbar einer Umspannanlage mit Transformatoren.

Um die von Ihnen angesprochene Versorgungssicherheit mit der Energiewende zu gewährleisten, ist der Ausbau des Stromnetzes sehr wichtig. Bis zum Jahr 2022 werden die heute noch in Deutschland betriebenen Kernkraftwerke abgeschaltet. Dann müssen Windenergie, Sonne aber auch Strom aus konventionellen Kraftwerken einspringen. Mit Ultranet können wir Windstrom aus Norddeutschland in den Süden bringen, aber auch Solarstrom aus dem Süden in die Verbrauchszentren von NRW leiten. Je nach Bedarf. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint verfügen wir aber auch noch über Strom aus den konventionellen Kraftwerken an Rhein und Ruhr, den wir dorthin bringen können, wo er gebraucht wird.

Für die Übertragung größerer Strommengen über weite Strecken fehlen uns bislang aber die Kapazitäten. Bereits heute sind die Höchstspannungsverbindungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg überlastet. Ultranet beseitigt diesen Engpass. Mit der geplanten Verlängerung an die Nordsee-Küste (Korridor A Nord) verbindet Ultranet dieses Windenergiezentrum mit den Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands. Um die Gleichstromverbindung Ultranet in das bestehende Wechselstromnetz zu integrieren, sind an den Endpunkten der Leitung Konverter notwendig.

Im Einzugsgebiet des Startpunktes von Ultranet wird aktuell bereits Windenergie wie auch Strom aus Kohlekraftwerken eingespeist. Diese stellen hierbei eine wichtige Brücke dar, um den schwankenden Erzeugungsanteil der Erneuerbaren Energien auszugleichen. Mit Voranschreiten der Energiewende wird der Anteil des Kohlestroms jedoch schrittweise sinken.

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Wiede