Der Betrieb der Plattform wurde eingestellt. Es können daher leider keine weiteren Beiträge veröffentlicht oder bewertet werden. Bereits veröffentlichte bzw. beantwortete Beiträge stehen jedoch auch weiterhin zur Information zur Verfügung.

Beantwortet
Autor Alexander Hegele am 06. November 2007
3073 Leser · 208 Stimmen (-17 / +191)

Aktuelles

Gefolterte, mißhandelte und ausgebeutete ehemalige Heimkinder in der alten BRD

Sehr geerter H. Bundestagspräsident.

Ich bin ein ehemaliges Heimkind das von 1969 -1972 in einem ev. Kinderheim und von 1972 bis 1977 in einem privat geführtem Kinderheim aufwuchs.

Wir wurden in beiden Heimen gefoltert (die ganze Nach in einer kleinen Besenkammer, ca. 50x50cm stehen, Ohrfeigen bis man eine schuld zugab, ohne sie begangen zu haben, 28 Std. in der Woche Arbeiten, ab dem 8. Lebensjahr, ohne einen finanzielen ausgleich, Faustschläge und Schlüsselbund an den Kopf, sex. Missbrauch usw. ).
Mein Anliegen besteht darin, wann die Regierung endlich die unentgeldliche Arbeit, unsererseit, in der Rente anerkennt. Des weiteren eine Aufarbeitung dieser katastrophalen Zustände, mit wissen des Jugendamtes, stattfindet. Ein Entschädigungsfonds wäre auch angebracht. Ich leide unter den folgen dieser Art von " EHRZIEHUNG" noch heute, nach über 30 Jahren. Seit Febr. 2007 konnte ich mich endlich in Phsych. Behandlung begeben.

Ich würde mich freuen, wenn ich eine mir aussagekräftige Antwort von Ihnen bekommen würde.

Mit freundlichem Gruß,

ein Ehem. Heimkind

+174

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
aus dem Bundestag am 22. November 2007
Bundestagspräsident

Sehr geehrter Herr Hegele,

Ihr eigenes Schicksal und auch dasjenige anderer Kinder und Jugendlicher, die in Heimen der früheren Bundesrepublik Deutschland Schläge, Demütigungen, Missbrauch und Zwangsarbeit erdulden mussten, sind sicher schwer zu ertragen. Wir hoffen, dass die psychologische Behandlung Ihnen hilft, die leidvollen Geschehnisse so weit wie möglich zu verarbeiten.

Der Bundestag befasst sich derzeit mit Petitionen von ebenfalls betroffenen ehemaligen Heimkindern. Diese fordern insbesondere eine offizielle Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie Entschädigungen. Auch eine eventuelle Ausweitung ihrer Rentenansprüche auf die Zeit, in der sie gearbeitet haben, aber nicht bezahlt worden sind, ist Gegenstand des laufenden Petitionsverfahrens. Die Abgeordneten des Petitionsausschusses messen der Aufarbeitung dieser Schicksale große Bedeutung bei. Dies zeigt sich u.a. darin, dass die Petenten Ende 2006 den Mitgliedern des Petitionsausschusses persönlich von ihren Erlebnissen berichten konnten, was ein Novum in der Arbeit dieses Ausschusses darstellte. Die Aufarbeitung, Dokumentation sowie rechtliche Beurteilung der beschriebenen Missstände braucht allerdings Zeit. Eine weitere Anhörung soll voraussichtlich Anfang 2008 stattfinden. Die Ergebnisse des Petitionsverfahrens bleiben also abzuwarten.

Aber auch in verschiedenen Bundesländern, in deren Zuständigkeit die erhobenen Forderungen oftmals fallen, wird versucht, das den ehemaligen Heimkindern widerfahrene Unrecht aufzuarbeiten und Möglichkeiten der Entschädigung zu finden. Die jeweiligen Träger der Heime werden dabei miteinbezogen.

Mit freundlichen Grüßen