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Beantwortet
Autor Gerhard Weber am 16. Oktober 2012
6761 Leser · 42 Stimmen (-12 / +30)

Glauben und Leben

Auferstehung

Sehr geehrter Herr Kardinal,

zu den zentralen Glaubensaussagen des christlichen Bekenntnisses gehört sicher diejenige über die leibliche Auferstehung der Toten.(1Kor15,1 ff)

Daher möchte ich Ihnen heute diese (vielleicht etwas persönliche) Frage stellen:

Wie denken Sie sich die Auferstehung von den Toten?

Als individuelle unmittelbar im je eigenen Tod, was der HERR zumindest dem reuigen Schächer am Kreuz zugesagt hat (LK23, 43)? Und ist diese unmittelbare Auferstehung nur Wenigen vorbehalten? Etwa der Gottesmutter Maria, wie die Kirche glaubt?

Oder ist die A. als kollektive zu denken, am Ende der Zeiten, wenn, wie wir glauben, Christus wiederkommt zu richten die Lebenden und die Toten?

Vielen Dank für Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Weber

+18

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 16. Januar 2013
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Weber,

„als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören“ (Apostelgeschichte 17,32). Die in den griechischen Philosophien bewanderten Athener waren skeptisch oder sogar belustigt, als sie die Verkündigung des Apostels Paulus vernahmen. Die Unsterblichkeit der Seele war ihnen ein Begriff – aber eine Auferstehung des Leibes? Und noch heute tun sich viele Menschen – selbst Christen – mit diesem Glaubensartikel schwer.

Wer dagegen seine Hoffnung auf die leibliche Auferstehung setzt, den bewegt geradezu naturgemäß die Frage: „Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“ (1. Korintherbrief 15,35). Der heilige Paulus reagiert recht schroff darauf, wenn er ausruft: „Was für eine törichte Frage!“ (15,36). Diese Heftigkeit resultiert sicherlich vor allem daraus, dass er gegen eine Gruppe angeht, die behauptet: „Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht“ (15,12). Es wäre aber auch ganz grundsätzlich „töricht“ zu meinen, die Wirk- lichkeit der Auferstehung könne angemessen in die Sprache der gegen- wärtigen Welt gefasst werden. Der Apostel bedient sich deshalb des Ver- gleichs mit der Natur. Dabei stellt er heraus, dass der Auferstehungsleib einerseits Leib ist und bleibt, andererseits aber in einer neuen, verwandelten, verklärten Daseinsform existieren wird: „Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere. … Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen“ (15,37-38.44).

Wer hier also nicht unbedacht und töricht urteilen will, muss sich bei der Beschreibung der Auferstehung weitestgehend zurückhalten. Das Neue Testament sagt uns an verschiedenen Stellen fest zu, dass wir eines Tages als vollständige Menschen – also mit Leib und Seele – in der Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes leben werden, wenn wir uns nicht selbst von ihm trennen. Wann das genau sein wird, weiß niemand. Die Kirche war und ist allerdings seit ihren Anfängen der Überzeugung, dass der Tod der einzelnen Menschen und die Auferstehung am Jüngsten Tage zwei verschiedene, zeitlich voneinander getrennte Geschehnisse sind. Erst in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam die Theorie einer „Auferstehung im Tode“ auf, die sich auf verschiedene, teilweise sehr komplizierte Argumente vorwiegend philosophischer Art stützt. Ich könnte mir vorstellen, dass zumindest indirekt damit auch die mittlerweile durchaus verbreitete, aber nicht richtige Sitte zusammenhängt, die Exequien als „Auferstehungsmesse“ mit dem österlichen Weiß als Liturgiefarbe zu feiern.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dieser Theorie würde den ge- gebenen Rahmen sprengen. Darum beschränke ich mich auf den Hinweis, dass die Heilige Schrift die Vorstellung einer Auferstehung im Tode nicht stützt. Auch das Wort Jesu an den reuigen Schächer lässt sich dafür nicht anführen: In der Kreuzigungsszene geht es ja nicht um eine systematische Darlegung der Lehre von der Auferstehung. Vielmehr richtet der reuige Schächer in Todesnot seinen Schrei nach Rettung an Jesus, der ihm daraufhin fest zusagt, nach dem Tod „mit ihm“ zu sein. Welche Gestalt diese Gemeinschaft haben wird, bleibt offen; Christus selbst ist ja erst „am dritten Tage“ auferstanden, sodass das „heute“ nicht einfach wörtlich gemeint sein kann.

Genau dies steht auch der Theorie einer „Auferstehung im Tode“ entgegen: Christus selbst ist „der Erstgeborene der Toten“ (Kolosserbrief 1,18), Vorbild und Maßstab unserer Auferstehung. Er aber ist eben erst nach einer gewissen Dauer auferstanden, „am dritten Tage“: nicht am Karfreitag, sondern am Ostersonntag. Entsprechend lehrt der Katechismus der Katholischen Kirche, der – anders als die unterschiedlichen akademischen Theorien – für unseren Glauben verbindlich ist, auf die Frage „Was heißt ‚auferstehen‘?“: „Im Tod, bei der Trennung der Seele vom Leib, fällt der Leib des Menschen der Verwesung anheim, während seine Seele Gott entgegengeht und darauf wartet, dass sie einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint wird. In seiner Allmacht wird Gott unserem Leib dann endgültig das unvergängliche Leben geben, indem er ihn kraft der Auferstehung Jesu wieder mit unserer Seele vereint“ (n. 997).

Mit der jungfräulichen Gottesmutter Maria verhält es sich aufgrund ihrer einzigartigen Begnadung und Rolle im Heilswerk anders als mit uns übrigen Menschen. Die Glaubenskongregation hat ausdrücklich jede Erklärung ausge- schlossen, „die die Bedeutung der Aufnahme Mariens in den Himmel an jenem Punkt auflösen würde, der ihr allein zukommt: dass nämlich die leibliche Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau die Vorwegnahme jener Verherr- lichung ist, die für alle übrigen Auserwählten bestimmt ist“ (Schreiben der Glaubenskongregation zu einigen Fragen der Eschatologie, 1979, n. 6).

Auf dem Berg der Verklärung mussten die Apostel die Versuchung bestehen, zum Ostersonntag zu gelangen, ohne zuvor den Karfreitag und den Karsamstag zu durchleiden. In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist diese Versuchung womöglich noch größer. Aber gerade in solch schwierigen Fragen bleibt uns nur die eine Möglichkeit, auf das Sterben und die Auferstehung unseres Herrn Jesu Christi zu schauen und ihn zum Vorbild zu nehmen in der hoffnungsfrohen Zuversicht: Er wird uns „auferwecken am Letzten Tag“ (vgl. Johannesevangelium 6,39. 40. 44. 54).

Mit freundlichen Grüßen