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Beantwortet
Autor J. Schmoldt am 03. Januar 2012
7627 Leser · 167 Stimmen (-9 / +158)

Erzbistum Köln

Die Familie - unsere Zukunft?

Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner,

warum liegt für Sie in der Familie die Zukunft unserer Gesellschaft?

Hochachtungsvoll
Johannes Schmoldt

+149

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 09. Februar 2012
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Schmoldt,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die mir Gelegenheit gibt, ein wenig zu verdeutlichen, weshalb die Familie Grundlage von Kirche und Gesellschaft ist. Die erste und ursprünglichste aller Gemeinschaften ist die Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kind. Gott, der Schöpfer hat es so angelegt, dass Kinder aus der Liebe von Mann und Frau hervorgehen und in dieser Gemeinschaft wachsen und heranreifen. Die unschätzbare Bedeutung einer stabilen Familie für das Heranwachsen der Kinder ist unbestritten. Hier erfahren die Kinder ganz unmittelbar Geborgenheit und Liebe. Gewissermaßen erlernen die Kinder in der Familie das „Menschsein“, indem sie hier ganz selbstverständlich auch die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens erlernen. Wir sind als Menschen keine Einzelwesen, sondern aufeinander verwiesen. Das „Ich“ kann ohne ein „Du“ nicht existieren. Füreinander einzustehen lernen Kinder in der Familie ebenso wie einander zu verzeihen. Zu Recht kann man die Familie in diesem Sinne als Schule des Lebens und der Liebe bezeichnen. Sie ahnen, welche „Hypothek“ ein Kind durchs Leben tragen muss, wenn diese Erfahrungen fehlen.

Die Familie ist aber auch Keimzelle und Grundlage der Kirche. Chris-tus selbst hat die meiste Zeit seines irdischen Lebens, nämlich ca. 30 Jahre, in einer Familie gelebt. Er galt als der Sohn des Zimmermanns, berichtet uns das Evangelium. Er lebte mit Maria und Josef in Naza-reth. Christus verzichtete in seinem Leben auf vieles und am Ende auf alles, doch nicht auf seine Familie. In einer gläubigen Familie lernen Kinder ganz selbstverständlich Gott kennen und lieben. Der Glaube fällt ja nicht vom Himmel. Wenn ich frage, woher ich meinen Glauben habe, muss ich auf andere Menschen zeigen, und hier insbesondere auf meine Eltern. So ist eine christliche Familie auch ganz natürlich der Ort, an dem Kinder in die Gottesbeziehung hineinwachsen und mit ihr aufwachsen.

Vor langer Zeit habe ich einmal eine Ikone gesehen, die mir bis heute unvergesslich bleibt. Sie zeigte Christus und darüber eine Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert und darüber Gottvater. Darunter stand „Sanctissima trinitas increata“ – „Ungeschaffene Heiligste Dreifaltigkeit“. Links und rechts neben Christus sind Maria und Josef dargestellt. Daneben steht der Satz geschrieben: „Sanctissima trinitas creata“ – „Geschaffene Heiligste Dreifaltigkeit“. Die Würde des Menschen wurzelt darin, dass wir Ebenbilder Gottes sind. Das können wir ausdehnen auf die Familie. Denn auch sie ist in gewissem Sinne Abbild des Dreifaltigen Gottes.

Sehr geehrter Herr Schmoldt, ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig verdeutlichen, weshalb ich die Familie für unsere Kirche, aber auch für die Gesellschaft unersetzlich halte. Ich möchte an dieser Stelle allen Müttern und Vätern danken, die durch ihre Liebe und Treue zueinander und zu ihren Kindern unschätzbaren Dienst an der Menschheit leisten. Wieviel Großartiges wird hier gerade von Eltern mit vielen Kindern geleistet. Mein Dank richtet sich aber auch an die zunehmende Zahl von alleinerziehenden Müttern und Vätern. Oft genug haben sie allein das zu tragen, was in einer intakten Familie Mutter und Vater zu tragen haben. Allen Eltern will ich auf diesem Wege meine von Herzen kommende Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Gerne verspreche ich, für sie alle täglich zu beten.

Mit allen Segenswünschen
Ihr