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mit dem Datum vom 28.02.2014 hat Papst Franziskus der Bitte von Joachim Kardinal Meisner entsprochen, ihn vom Amt des Erzbischofs von Köln zu entpflichten. Aus diesem Grund wurde diese Dialogplattform geschlossen. Kardinal Meisner wird ab sofort keine Fragen mehr annehmen und beantworten, auch die Abstimmungsfunktion wurde eingestellt. Selbstverständlich können Sie aber weiterhin die Fragen und Antworten aus der Vergangenheit nachlesen. Die Plattform bleibt bis auf Weiteres erreichbar. Vielen Dank für Ihr Interesse an direktzumkardinal.de und Ihr Mitwirken!

Ihr Moderatoren-Team

Beantwortet
Autor Gaby Ernsting am 05. März 2012
10240 Leser · 260 Stimmen (-34 / +226)

Erzbistum Köln

Enzyklika "Ecclesia de eucharistia"

Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner,

dankbar nehme ich die Möglichkeit wahr, auf diesem Wege einige Fragen an Sie zu richten.
In der Enzyklika "Ecclesia de eucharistia" von Johannes Paul II. findet sich folgende Passage:

"31. Wenn die Eucharistie Mitte und Höhepunkt des Lebens der Kirche ist, so ist sie es in gleicher Weise für das priesterliche Dienstamt. .....
Die pastoralen Tätigkeiten des Priesters sind vielfältig. Wenn man an die gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der gegenwärtigen Welt denkt, kann man leicht verstehen, wie groß und bedrohlich für die Priester die Gefahr ist, sich in einer Vielzahl verschiedener Aufgaben zu verlieren. .....Diese Hirtenliebe – so fügt das Konzil hinzu – »erwächst am stärksten aus dem eucharistischen Opfer. Es bildet daher Mitte und Wurzel des ganzen priesterlichen Lebens«.64 Man versteht so, wie wichtig es für sein geistliches Leben und darüber hinaus für das Wohl der Kirche und der Welt ist, daß der Priester die Empfehlung des Konzils, täglich die Eucharistie zu feiern, in die Tat umsetzt. Denn »sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabei sein können, ein Akt Christi und der Kirche«.65 Auf diese Weise kann der Priester jede zerstreuende Spannung in seinem Tagesablauf überwinden, weil er im eucharistischen Opfer, der wahren Mitte seines Lebens und Dienens, die notwendige geistliche Energie findet, um sich den verschiedenen seelsorglichen Aufgaben zu stellen. So werden seine Tage wahrhaft eucharistisch."
Dieser so wichtige "Liebesdienst" wird von vielen Priestern nicht vollzogen. Welche Ursache hat diese Fehlentwicklung? Sehen Sie einen Zusammenhang dieses Phänomens zum zunehmenden Glaubensverlust vieler Katholiken? Welche Folgen ergeben sich daraus für Kirche und Welt , da doch das Tun Gottes, das Fließen der Gnade "eingeschränkt" wird? Wie kann dieser Fehlentwicklung - neben dem Gebet - entgegengetreten werden?

Für eine Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar und wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen in Ihrem Hirtendienst!

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 23. März 2012
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrte Frau Ernsting!

Christliche und nichtchristliche Riten können einander in manchen Punkten ähneln. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Der Christ weiß, dass er durch keine noch so gut gemeinte oder gemachte Praxis sein Heil erlangen kann. Das ist ganz und gar Geschenk Gottes, welches uns der Vater durch den Sohn im Heiligen Geist macht.

Der Brief an die Hebräer führt uns auf die richtige Spur: „Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand errichtetes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor Gottes Angesicht zu erscheinen; auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern, (denn er ist nicht) wie der Hohepriester, der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen. Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen“ (9,24-26). Die Initiative zu unserer Erlösung geht also nicht von Menschen aus, sondern von Gott: Christus hat die Macht der Sünde ein für allemal gebrochen; was wir in der Eucharistiefeier vollziehen, ist keine Wiederholung oder gar Ergänzung seines Opfers, sondern dessen Vergegenwärtigung.

Wenn wir davon sprechen, dass der Priester die Person Christi, des Hauptes der Kirche, repräsentiert, dann nennen wir damit seine Würde, zugleich aber auch seine Grenzen: Nicht der Priester leistet das Entscheidende, mag er ein noch so glänzender Liturge und Prediger sein, sondern alles kommt von Christus. Das hat einerseits zur Konsequenz, dass der Priester jeden Tag die Nähe des Herrn suchen soll, und ganz besonders da, wo dieser leiblich gegenwärtig ist: in der Eucharistie. Zugleich aber setzt hier vermutlich auch das Problem an: Wir leben in einer Gesellschaft von „Machern“, in der das Bewusstsein schwierig zu ertragen sein mag, dass man als Priester nicht der eigentlich Handelnde ist. Da könnte dann auch die Versuchung Oberhand gewinnen, sich statt der Zelebration anderen Tätigkeiten zuzuwenden, wo man eben selbst mehr „machen“ kann.

Wie viele Geistliche dieser Versuchung tatsächlich erliegen, vermag ich nicht zu beurteilen – aber den von Ihnen beklagten Trend gibt es sicherlich. „Wie kann man diesem entgegenwirken?“ fragen Sie. Das ist schwierig, denn welchen Sinn hätte es, Priester zur Messfeier zu zwingen? Es muss sich schon die Einsicht in die genannten Zusammenhänge durchsetzen. Von den frühesten Anfängen der Priesterausbildung an muss ein solches Bewusstsein gebildet und gefördert werden. Ich hoffe, dazu insofern beizutragen, als ich selber als Bischof aus der täglichen Feier der Eucharistie lebe. Dies empfehle ich auch meinen Priestern ohne jegliche Einschränkung. Dass Gläubige wie Sie sich ebenfalls um die lebendige Bindung der Priester an die Eucharistie sorgen, dürfte einen zusätzlichen Anreiz darstellen. Lassen Sie Ihre Seelsorger also Ihr Anliegen wissen!

Mit freundlichen Grüßen