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Beantwortet
Autor Max Moll am 08. November 2011
8966 Leser · 213 Stimmen (-22 / +191)

Glauben und Leben

Kann ich denn glücklich sein, wenn meine Freunde in der Hölle gelandet sind?

Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner,

ich würde Ihnen gern eine Frage stellen.

In einer Runde, wo sich Jugendliche über den Youcat austauschen, sind wir zur folgenden Überlegung gekommen. Wenn es im Sinne der Freiheit des Menschen eine Hölle gibt, und sich beispielsweise meine Freunde dazu entscheiden "dort" hinzu"gehen", wie kann ich dann im Himmel glücklich sein, wo doch im Himmel "alle Tränen getrocknet" werden sollen"?

Also: Kann ich im Himmel denn vollständig glücklich sein, wenn meine Freunde in der Hölle gelandet sind?

Ich freue mich über Ihre Antwort und verbleibe mit

freundlichen Grüßen
Max Moll

+169

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 05. Dezember 2011
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Moll,

Ihre Frage nach Himmel und Hölle bewegt viele Menschen, weil sie der Gegenwart ein Gewicht gibt, das sich in der Ewigkeit auswirkt. Dazu kommt dann noch die Überlegung: Wenn Gott die Liebe ist, kann er doch nicht Menschen verdammen. Als Gott den Menschen ins Dasein rief, ist er ein großes Risiko eingegangen. Gott ist die Liebe. Und mit der Liebe im Bereich des Irdischen ist immer die Freiheit verbunden.

Wenn ich gezwungen werde, einen Menschen zu bejahen, dann ist das Zwang, aber keine Liebe. Zur Liebe gehört immer die Freiheit und darum auch die Wahlmöglichkeit, entweder „Ja“ zu sagen oder „Nein“ zu sagen. Und Gott nimmt sich in uns Menschen und damit uns Menschen so ernst, dass er unsere Entscheidung akzeptiert, koste es, was es wolle. Um den Menschen von einer negativen Entscheidung zu befreien, hat es ihn am Kreuz das Leben gekostet. Gott aber verdammt den Menschen nicht, sondern der Mensch verdammt sich selbst. Und dann kann Gott das nur schmerzlich hinnehmen.

Ich kann mich noch sehr gut an meine Kindheit erinnern. Wir sind zu Hause vier Brüder, und bei unseren Geburtstagsfeiern ging es eigentlich immer hoch her. Es kamen so viele Freunde, und da gab es auch Streitigkeiten. Es ist mir noch sehr präsent, dass mich meine Mutter bei einer solchen turbulenten Geburtstagsfeier in die Ecke des Gästezimmers stellen ließ, weil ich besonders zänkerisch war. Ich war in meiner Ecke todunglücklich. Und die Mutter hatte nach einigen Sekunden wieder gesagt: „So, jetzt kannst du wieder zu uns kommen“. Ich hätte mich nur ein paar Grad umwenden können und wäre wieder inmitten der Feiernden gewesen. Aber ich hatte mir gesagt: „Und wenn ich vor Wut und Ärger platze. Jetzt gerade nicht! Jetzt bleibe ich in meiner Ecke stehen und wenn die Welt untergeht!“. Und da meine Mutter mich nicht gezwungen hat, blieb ich in der Ecke.

So wird es auch Gott tun. Er wird denen in der Ecke sagen: „Euer Wille geschehe!“ – Das ist die Hölle. Und denen am gemeinsamen Tisch wird er sagen: „Euer Wille geschehe auch!“ – Und das ist der Himmel. Und echte Liebe spielt nicht, sondern sie sucht die Verendgültigung. Darum gibt es keine Liebe auf Probe, keine Ehe auf Probe, kein Priestertum auf Probe, sondern stets „für immer“. Deshalb ist das Leben eine großartige Chance, aber mit Konsequenzen bis in die Ewigkeit. Gottes Liebe spielt nicht mit uns. Gott nimmt uns ernst. Und der Mensch will ja ernst genommen werden, weil er Ebenbild Gottes ist.

Mit freundlichen Grüßen