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Beantwortet
Autor Heinrich Schnabel am 04. Mai 2012
6319 Leser · 106 Stimmen (-16 / +90)

Gesellschaftliche Fragen

Krankenkasse mit freiwilligem Verzicht auf Abtreibung

Sehr geehrter Herr Kardinal,

Sie zeigen immer wieder den Mut, das Unrecht der Abtreibung öffentlich anzuklagen.

Die Betriebskrankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen in Wiesbaden bietet Ihren Versicherten nun seit einiger Zeit in Zusammenarbeit mit der Lebensschutzorganisation ProLife die Möglichkeit, freiwillig auf Abtreibung zu verzichten.

Für eine staatliche Behörde wie eine Betriebskrankenkasse ist es zweifellos ein ganz bemerkenswerter Schritt, sich gemeinsam mit einer christlich geprägten Vereinigung wie ProLife gegen Abtreibung auszusprechen.

In der Schweiz, dem Herkunftsland dieser inzwischen schon seit zwei Jahrzehnten bewährten Idee, haben dank ProLife schon über 50.000 Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen bei der Wahl ihrer Krankenversicherung den Verzicht auf Abtreibung erklärt.

Allerdings muss man ebenso sehen, dass die Betriebskrankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen auch nur eine Dienststelle unseres staatlichen Gesundheitssystems und damit im selben Umfang wie jede andere deutsche Krankenkasse gezwungen ist, den gesetzlichen Abtreibungswahnsinn mitzuinfrastrukturieren. Eine Sonderstellung hat sie nicht.

Die Strategie besteht vielmehr darin, durch eine hohe Konzentration an lebensbejahenden Versicherten unserer Gesellschaft und der Politik zu demonstrieren, dass zahllose Menschen in unserem Land mehr denn je entschlossen sind, an dem heute geltenden Abtreibungsunrecht etwas zu ändern.

Würden Sie, Eminenz, wenn Sie vor der Wahl stünden, sich auch für diese Krankenkasse entscheiden?

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Schnabel

+74

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 24. Mai 2012
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Schnabel,

grundsätzlich halte ich es für geboten, dass alle Christinnen und Christen für den Schutz ungeborenen Lebens eintreten. Darum unterstütze ich die Arbeit vieler Lebensschutzgruppen und melde mich auch im öffentlichen Diskurs immer wieder in diesem wichtigen Themenfeld zu Wort. Zweifellos ist es auch unverzichtbar, immer wieder darauf hinzuweisen, dass pro Jahr 110.000 Abtreibungen in Deutschland von den Krankenkassen finanziert werden. Sie machen jedoch zu Recht darauf aufmerksam, dass auch die genannte BKK verpflichtet ist, Abtreibungen zu finanzieren, so denn ihre Versicherten diese „Leistung“ in Anspruch nehmen. Auch wenn die Zusammenarbeit einer Krankenkasse mit einer Lebensschutzorganisation zu begrüßen ist, entsteht (siehe den Titel Ihrer Anfrage) leicht der Eindruck, die Krankenkasse würde keine Abtreibungen finanzieren. Zudem ist die derzeitige Prägung der Kasse in besonderer Weise durch die zurzeit handelnden Personen (Vorstandsmitglieder) gewährleistet. Vor diesem Hintergrund halte ich es ehrlich gesagt für noch erfolgversprechender, direkt einer entsprechenden Lebensschutzorganisation beizutreten bzw. entsprechende Initiativen von Gläubigen zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen