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Beantwortet
Autor Martina Sornek am 11. April 2013
6105 Leser · 15 Stimmen (-5 / +10)

Persönliche Fragen

meine Erfahrung im Bistum Aachen

Sehr geehrter Herr Kardinal Meissner,
ich war mit meiner Familie in der Osternachtsfeier unserer Gemeinde St. Johannes in Willich Anrath, in der Sie vor ca. 1 Jahr eine sehr feierliche Messe anlässlich der 1000 Jahr Feier gefeiert haben.

Ich schreibe Ihnen, weil ich in großer Sorge bin um die geistliche Entwicklung der Gemeinden hier im Bistum Aachen.
Ich möchte Ihnen meinen Eindruck während der Osternachtsfeier mit ein paar Beispielen verdeutlichen.

1. In dieser Osternacht wurde während des Entzündens der Osterkerze kein einziges Mal "Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden" gerufen, sondern statt dessen Metapher gesprochen wie "aus Knospen werden Blüten, aus Stein wird Brot .."usw.
2. Von den Lesungen wurde nur eine ganz kleine Auswahl genommen, und bei diesen Lesungen wurden zum großen Teil nicht Originaltexte aus der Bibel genommen, sondern veränderte Texte. So las die Lektorin bei der Lesung über den Auszug der Israeliten durch das Rote Meer der Gemeinde einen Text vor, in dem von einer "grünen Welle" des roten Meeres die Rede war. Es wurde also nicht aus dem kirchlich anerkannten Lesungsbuch gelesen, sondern von Kopien, da ja selbst verfasste Texte gelesen wurden.
3. Vor der Eucharistiefeier sprach der Priester dann davon, dass wir uns jetzt an "Jesus erinnern" würden. Es wurde gar nicht mehr deutlich, dass die Passion Christi in dieser Messfeier gegenwärtig wird, d.h. die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie wurde nicht deutlich.
4. Auch die Texte des Hochgebetes wurden verändert, der Priester sprach eigene Worte.

Jesus war nicht mehr zu fühlen in dieser Messe.

Wie sollen wir uns verhalten? Können wie als katholische Christen in so eine Gemeinde noch zur Messe gehen? Ist diese Messe gültig?

Ganz herzliche Grüße mit dem Versprechen für Sie wie auch für den Bischof von Aachen zu beten!

In Christus

Martina Sornek

+5

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 24. Juni 2013
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrte Frau Sornek,

die Gestaltung der Liturgie ist aus gutem Grund nie in das Belieben des Zelebranten gestellt, denn es geht immer um die Liturgie der Kirche, die nicht der persönlichen Befindlichkeit eines Zelebranten untergeordnet werden darf. Darum handelt es sich bei den vorgeschriebenen liturgischen Texten nicht um eine Ordnung um der Ordnung willen, sondern vielmehr gewährleisten diese liturgischen Vorschriften, dass die hl. Eucharistie einen adäquaten Ausdruck findet und darüber hinaus, dass die Gläubigen überall eine authentische Liturgie mitfeiern können. Gleichzeitig werden Sie verstehen, dass ich zu den konkreten, von Ihnen geschilderten Erlebnissen, keine Stellung nehmen kann, ohne den Zelebranten zu hören. Hier gilt der Grundsatz aus dem römischen Recht „audiatur et altera pars“, gehört werde auch der andere Teil.

Zudem würde ich empfehlen, zuallererst das Gespräch mit dem Priester zu suchen, der diese Osternacht zelebriert hat. Oft kann ein solches Gespräch ja schon manches Missverständnis ausräumen. Es kann darüber hinaus auch dazu führen, dass dem Zelebranten bewusst wird, welche Wirkung bei den Mitfeiernden entstanden ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein solches Gespräch oft zur Erklärung beitragen kann. Sollte dies nicht gelingen, steht Ihnen natürlich frei, sich an den Bischof von Aachen zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Kardinal Meisner