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Beantwortet
Autor Andreas Meier am 02. August 2013
6423 Leser · 12 Stimmen (-4 / +8)

Erzbistum Köln

schwarze Hautfarbe

Sehr geehrter Herr Meisner,

ich hätte eine Frage zu einer alten biblischen Geschichte.

Die selige Anna Katharina Emmerick beschrieb Kain als Stammvater der farbigen Menschen, wobei sie die dunkle Hautfarbe als das Kainsmal beschreibt, das auf den ganzen Leib überging (Emmerick: Geheimnisse des Alten und Neuen Bundes, Kapitel 5.).

Wenn ich mich recht erinere, habe ich ähnliche Aussagen auch schon von anderen Seligen/ Heiligen gelesen.

Da mir Anna Katharina Emmerick sehr glaubhaft vorkommt, nehme ich diese Aussage ernst. Jedoch habe ich große Probleme damit. Das würde ja bedeuten, dass die schwarze Hautfarbe eine Folge schwerer Sünde ist, was im gewissen Sinne eine hierarchische Rassenunterscheidung legitimiert.

Wie soll ein Schwarzer nach dieser Aussage stolz auf sein Aussehen/ seine Identität sein?

Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir Ihre Sichtweise dazu kurz erläutern könnten.

Vielen Dank,

Mit freundlichen Grüßen,

Andreas Meier

+4

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 13. September 2013
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Meier,

die katholische Kirche unterscheidet deutlich zwischen der Offenbarung, wie sie durch die Hl. Schrift einerseits und die an das Lehramt gebundene Tradition andererseits weitergegeben wird, und Privatoffenbarungen, zu denen u. a. diejenigen von Anna Katharina Emmerick – aber genau so etwa auch die Visionen einer Teresa von Avila - gehören. Damit ist zur Bewertung von deren Herkunft nichts gesagt, wohl aber zu ihrer Allgemeingültigkeit. Solche Einsichten gehören nicht zum allgemein verbindlichen Glauben der Kirche. Letztlich gilt für sie ebenso, was überhaupt für die Verkündigung dient, dass sie dem Wort Gottes zu dienen haben (vgl. Dogmatische Konstitution über die Offenbarung Dei Verbum 10 des Zweiten Vatikanischen Konzils)

Die Heilige Schrift aber lässt an keiner einzigen Stelle einen Zusammenhang zwischen dunkler Hautfarbe und dem Kainsmal zu. Dieses bleibt in Gen 4,15 völlig unbestimmt, wenn es bei wörtlicher Übersetzung des hebräischen Textes heißt: „Und Gott setzte/machte dem Kain ein Zeichen.“ Weder Ort (Stirn o. Ä.) noch Farbe werden angedeutet, sondern allein die Funktion: Kain soll künftig durch ein offensichtlich erkennbares Zeichen davor bewahrt werden, zum Opfer einer Blutracheaktion zu werden.

Innerbiblisch lag es natürlich nahe, dieses von seinem Aussehen her unbestimmte Zeichen durch andere Textstellen doch zu präzisieren. Dazu bot sich das Zeichen des hebräischen Buchstabens „taw“ in Ez 9,4 an, das in damaliger Schrift einem liegenden Kreuz gleicht. Es soll nach den Worten des Propheten auf die Stirn gezeichnet werden, um die so Bezeichneten vor einem Vernichtungsschlag Gottes zu retten, was wiederum an die Rettung der Hebräer in Ägypten erinnert, die ihre Türpfosten mit Blut bestreichen sollten. Die Funktion des Taw-Zeichens ist also eine ähnliche wie bei Kain, kann aber aufgrund der Form schon auf das christliche Erlösungszeichen des Kreuzes bezogen werden.

Dieser Bezug wird schließlich noch verstärkt, wenn die Offenbarung des Johannes wohl im Rückgriff auf Ez 9,4 die Schar der Erlösten mit dem Namen des Lammes (d. i. Christus) und des Vaters auf der Stirn bezeichnet sieht (vgl. Offb 14,1). Hier geht es allerdings weniger um das Zeichen der Rettung, als um ein Zeichen der eindeutigen Christuszugehörigkeit im Gegensatz zu den Ritz- oder Brandzeichen, die römische Sklaven als Zugehörigkeitsmerkmal zu ihrem Herrn tragen mussten (vgl. Offb 13,16f.)

Aus all diesen Ausführungen können Sie entnehmen, dass eine Verbindung des Kainszeichens mit einer Hautfarbe keinerlei Anhalt an der Hl. Schrift hat und eher eine gefährliche Nähe zum Rassismus aufweist, der mit dem christlichen Schöpfungsglauben nicht vereinbar ist.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Kardinal Meisner