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mit dem Datum vom 28.02.2014 hat Papst Franziskus der Bitte von Joachim Kardinal Meisner entsprochen, ihn vom Amt des Erzbischofs von Köln zu entpflichten. Aus diesem Grund wurde diese Dialogplattform geschlossen. Kardinal Meisner wird ab sofort keine Fragen mehr annehmen und beantworten, auch die Abstimmungsfunktion wurde eingestellt. Selbstverständlich können Sie aber weiterhin die Fragen und Antworten aus der Vergangenheit nachlesen. Die Plattform bleibt bis auf Weiteres erreichbar. Vielen Dank für Ihr Interesse an direktzumkardinal.de und Ihr Mitwirken!

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Beantwortet
Autor Tobias Bergmann am 30. April 2012
7685 Leser · 117 Stimmen (-41 / +76)

Glauben und Leben

Wandlungsworte

Sehr geehrter Herr Kardinal Meisner,

zu den Wandlungsworten habe ich eine Frage: Wieso wird vom deutschen Episkopat erst jetzt reagiert, was die Übersetzung angeht? Seit 2006 ist doch bekannt, dass Papst Benedikt XVI. eine Änderung wünscht bzw. sie fordert. Sind die deutschen Bischöfe ungehorsam? Oder sind sie es nur dann, wenn es ihnen angenehm ist. Der Unterschied zwischen "für viele" und "für alle" ist ja sehr groß. Dann muss der Priester eben mehr über die Beichte sprechen. Und wieder häufiger im Beichtstuhl sein.
Tut mir leid, wenn ich Ihnen gegenüber vielleicht zu unhöflich oder respektlos war. Dies ist nicht meine Absicht und bitte um Nachsicht. Aber die Themen "Gehorsam" und Hl. Messe sind Themen, welche mich sehr interessieren. Und ich kann die Bischöfe nicht unterstützen, wenn sie z.B. der Piusbruderschaft Ungehorsam dem Papst gegenüber vorhalten, aber beim Zentrum der Hl.Messe, der Wandlung, dem Papst selber ungehorsam sind.
Ich wünsche Ihne Gottes reichsten Segen und verbleibe mit herzlichen Grüßen
Ihr
Tobias Bergmann

+35

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Antwort
von Joachim Kardinal Meisner am 08. Juni 2012
Joachim Kardinal Meisner

Sehr geehrter Herr Bergmann,

wenige Tage, nachdem der Brief des Heiligen Vaters an die deutschsprachigen Bischöfe zur Übersetzung des Kelchwortes veröffentlicht wurde, haben Sie Ihre Frage nach dem vermeintlichen Ungehorsam der Bischöfe gestellt. Zur Beantwortung verweise ich auf den veröffentlichten Wortlaut des Briefes von Papst Benedikt XVI., denn der Heilige Vater geht darin sehr ausführlich auf die verschiedenen Bedenken zu einer Änderung der deutschen Übersetzung des Kelchwortes ein und zeigt damit, dass er die Diskussion über die Übersetzung „für viele“ sehr ernst nimmt.

In seinem Brief heißt es: „Wenn diese Entscheidung von der grundsätzlichen Zuordnung von Übersetzung und Auslegung her, wie ich hoffe, durchaus verständlich ist, so bin ich mir doch bewusst, dass sie eine ungeheure Herausforderung an alle bedeutet, denen die Auslegung des Gotteswortes in der Kirche aufgetragen ist. Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen.“

Es geht also nicht um Ungehorsam, sondern um eine sehr ernsthaft geführte Diskussion, in der nun eine Entscheidung notwendig war, damit im neuen „Gotteslob“ eine einheitliche Übersetzung genutzt wird. Der Brief des Heiligen Vaters ist dazu eine erste Katechese. Wir dürfen dankbar sein, dass er darin diese Entscheidung so ausführlich und überzeugend begründet hat. Wir werden dies aber noch vor Einführung der Übersetzung „für viele“ weiter vertiefen, so wie der Heilige Vater das von uns auch erwartet.

Wir Bischöfe sind dankbar, dass der Heilige Vater hier Klarheit geschaffen hat. Seine Entscheidung wird von allen nicht nur akzeptiert, sondern auch mitgetragen. Gleichwohl wird es eine große Aufgabe sein, den Gläubigen diese Entscheidung zu vermitteln und sie in ihrer Tragweite einzuordnen. Insofern ist eine Parallele zu den Auseinandersetzungen der Kirche mit der Piusbruderschaft nicht zu erkennen.

Mit freundlichen Grüßen