Liebe Leserinnen und Leser,

auf dieser Website konnten Sie bis Mai 2015 eigene Beiträge zum Thema “Energiepolitik für Brandenburg” einstellen.

Auf seiner Website wird das Ministerium für Wirtschaft und Energie weiterhin über wirtschafts- und energiepolitische Themen informieren. Dort finden Sie auch eine Übersicht von Fragen und Antworten zur Energiestrategie 2030.

Ihre weiteren Fragen und Anregungen nehmen wir gerne über die Adresse energiedialog@mwe.brandenburg.de entgegen.

Beantwortet
Autor Sylvia Hemstedt am 22. Oktober 2014
5064 Leser · 4 Stimmen (-0 / +4) · 0 Kommentare

Stromnetze und Speicher

CO2 Speicherung

Sehr geehrte Damen und Herren,

kürzlich habe ich im Gespräch mit Freunden erfahren dass es eine neue Technik geben soll bei der CO2 aus Kohleverbrennung ausstoßlos eingelagert wird.

Ist das wirklich problemlos möglich? Welche Nachteile hat das Verfahren und wird es in Brandenburg angewandt? Rückt Energiegewinnung aus Kohle durch dieses Verfahren wieder in das Zentrum einer zukünftigen Versorgungsstrategie?

Viele Grüße

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Antwort
von Dr. Carsten Enneper am 17. November 2014
Dr. Carsten Enneper

Sehr geehrte Frau Hemstedt,

die Landesregierung verfolgt mit ihrer Energiepolitik das Ziel, dass den Menschen und Unternehmen im Land Brandenburg zu jedem Zeitpunkt und zu wirtschaftlich sowie sozial verträglichen Preisen Energie zur Verfügung gestellt werden kann. Gleichzeitig setzt sie sich dafür ein, dass neben der Sicherung dieser Versorgung in den nächsten Jahren der Ausstoß von CO2 und der Endenergieverbrauch im Land erheblich gesenkt und Energie insgesamt effizienter eingesetzt werden.

Die von Ihnen angesprochene sogenannte CCS-Technologien (Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2) spielen in den Überlegungen zur Erreichung der oben genannten Ziele eine wichtige Rolle. Zahlreiche Wissenschaftler halten diese Technologien für geeignet, um den Ausstoß von CO2 in die Erdatmosphäre nachhaltig zu verringern, ohne einer Reihe von Wirtschaftszweigen mit erheblichem CO2-Ausstoß, die für die Wirtschaftsstruktur Brandenburgs bedeutend sind, den Boden zu entziehen. Zu diesen Wirtschaftszweigen gehören z.B. die Zement- und Baustoffindustrie, die chemische Industrie, die Papierproduktion und die Metallurgie, aber auch die von Ihnen genannte Braunkohleverstromung.

Die Landesregierung ist sich mit Wissenschaftlern, Energie-, Wasser- und Umweltexperten einig, dass es im Zusammenhang mit einem Einsatz von CCS noch offene Fragen gibt. Diese offenen Fragen gilt es im Rahmen von Forschungs- und Pilotprojekten zu beantworten.

Die Speicherung von CO2 in geologischen Strukturen soll in Teufenbereichen von 800 bis etwa 1.500 Metern erfolgen. Dabei steht derzeit keine Entscheidung an, ob in Brandenburg CO2 aus industriellen Prozessen oder der Energiewirtschaft tatsächlich einmal später gewerblich-industriell gespeichert werden kann und wird. Gegenwärtig geht es lediglich darum, mit wissenschaftlichen Methoden zu erkunden, ob bestimmte geologische Strukturen und Gesteinsformationen für eine solche Speicherung überhaupt geeignet sind.

Hierzu wurde als Forschungsprojekt in Brandenburg die Einspeisung von CO2 in einen Speicherhorizont bei Ketzin durchgeführt. Das Projekt ist nach gut 5 Jahren Betrieb 2013 planmäßig abgeschlossen worden. Das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und seine Projektpartner sind zu dem Zwischenfazit gelangt, dass die geologische Speicherung von CO2 am Pilotstandort Ketzin sicher sei und davon keine Gefährdung von Mensch und Umwelt ausgehe. Im Rahmen des Folgeprojektes COMPLETE mit einer Laufzeit von 2014 bis 2018 sollen neben der weiteren Überwachung des eingespeicherten CO2 dessen Rückholbarkeit sowie der sichere Verschluss der Bohrungen geplant bzw. erforscht werden.

Die Planungen des Braunkohleunternehmens Vattenfall Europe GmbH zur Errichtung eines CCS-Demonstrationskraftwerkes mit einer Leistung von etwa 250 MW am Standort Jänschwalde wurden eingestellt. Die hierzu durch das Unternehmen entwickelte Oxyfuel-Technologie zur CO2-Abscheidung aus dem Rauchgas hat im Pilotmaßstab seine Funktionsfähigkeit bewiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Carsten Enneper

Abteilungsleiter Wirtschafts- und Energiepolitik
Ministerium für Wirtschaft und Energie
des Landes Brandenburg