Liebe Leserinnen und Leser,

auf dieser Website konnten Sie bis Mai 2015 eigene Beiträge zum Thema “Energiepolitik für Brandenburg” einstellen.

Auf seiner Website wird das Ministerium für Wirtschaft und Energie weiterhin über wirtschafts- und energiepolitische Themen informieren. Dort finden Sie auch eine Übersicht von Fragen und Antworten zur Energiestrategie 2030.

Ihre weiteren Fragen und Anregungen nehmen wir gerne über die Adresse energiedialog@mwe.brandenburg.de entgegen.

Beantwortet
Autor Philipp Lübeck am 26. Juni 2012
4503 Leser · 7 Stimmen (-0 / +7) · 0 Kommentare

Stromnetze und Speicher

Fortschritte bei Untersuchung von Tagebauseen

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. einem Jahr schrieb Herr Dr. Enneper in dem Beitrag
http://direktzu.de/energiepolitik-brandenburg/messages/zu..., dass das Land Brandenburg gemeinsam mit der LMBV GmbH prüft, ob vereinzelte Tagebauseen für den Betrieb von Pumpspeicheranlagen genutzt werden könnten. Gibt es diesbezüglich schon neue Erkenntnisse?

Mit freundlichen Grüßen,
Philipp Lübeck

+7

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Dr. Carsten Enneper am 02. August 2012
Dr. Carsten Enneper

Sehr geehrter Herr Lübeck,

eine Prüfung, inwieweit vereinzelte Tagebauseen für den Betrieb von Pumpspeicheranlagen genutzt werden können, kam zu folgenden Ergebnissen:

(1) Die im Sanierungsplan definierten Ziele Tourismus, Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft sind nicht mit der Nutzung für Ober- und Unterbecken eines Pumpspeicherkraftwerkes vereinbar. So hätten das vor ca. 20 Jahren erarbeitete Sanierungskonzept bereits die Errichtung von Pumpspeicherkraftwerken berücksichtigen müssen, um mit einer effizienten Kippengestaltung die erforderlichen Höhenunterschiede herzustellen.

(2) Der Betrieb eines Pumpspeicherkraftwerks bringt zudem Nutzungskonflikte mit sich, die den definierten Zielen entgegenstehen. Beispielweise bedeutet das Absenken der Wasseroberfläche um 5 m in den im Steigungsverhältnis 1 : 15 bis 1 : 20 abgeflachten Böschungsbereichen eine Verbreiterung des Uferbereiches von 75 m bis 100 m. Durch Wasserspiegelschwankungen bei Betrieb eines Pumpspeicherkraftwerks würden daher bereits jetzt schon hergestellte Infrastrukturen (z.B. Bootsanleger, Badenstellen etc.) periodisch gewässerfern liegen.

(3) Neben der zu erwartenden zusätzlichen Erosionen durch die im Betrieb eines Pumpspeicherkraftwerkes hervorgerufenen Wasserspiegelschwankungen stellt insbesondere die gentechnische Sicherheit ein Problem dar. Im Rahmen der Sanierung und des Ausbaus der Restlöcher wurde ein minimaler und ein maximaler Wasserstand definiert. Die Trittsicherheit wurde und wird bis 2 m unter den minimalen Wasserstand hergestellt. Wird der Wasserstand abgesenkt, sind sämtliche Sicherungsmaßnahmen, z.B. die Rütteldruckverdichtung und Herstellung versteckter Dämme entsprechend dem neuen Nutzungsziel „Pumpspeicherkraftwerk“ nochmals auszuführen.

(4) Weiterhin ist zu bedenken, dass bei der Absenkung des Wasserspiegels in den Seen der Gegendruck gegen das anströmende Wasser aus den angrenzenden Kippen entfällt und damit der Zustrom sauren Wassers verstärkt wird. Damit werden die Anstrengungen zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Erreichung des festgelegten pH-Wertes der Seen vor weitere Schwierigkeiten gestellt.

(5) Zudem wird auch ein in schneller zeitlicher Folge wechselnder Wasserstand auf die anstehenden Grundwasserleiter und auf den Grundwasserpegel im angrenzenden Siedlungsgebiet (z.B. Gebäudevernässungen) einen maßgeblichen Einfluss haben.

Auch wenn diese Auflistung sicherlich nicht vollständig ist, so zeigt sich jedoch bereits an diesen wenigen Beispielen, dass unter den jetzigen Gegebenheiten (definierte Ziele) eine Nutzung von Tagebauseen für Pumpspeichenkraftwerke nicht möglich ist. Insbesondere die sandigen Böden könnten nur mit erheblichem finanziellem Aufwand gesichert werden. Die Böden sind in Verbindung mit Wasser sehr locker und weisen nicht die notwendige Standsicherheit auf. Aus heutiger Sicht sind Pumpspeicherkraftwerke unter diesen Rahmenbedingen auch wirtschaftlich nicht umsetzbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Carsten Enneper Abteilungsleiter Wirtschafts- und Energiepolitik Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg