Liebe Leserinnen und Leser,

auf dieser Website konnten Sie bis Mai 2015 eigene Beiträge zum Thema “Energiepolitik für Brandenburg” einstellen.

Auf seiner Website wird das Ministerium für Wirtschaft und Energie weiterhin über wirtschafts- und energiepolitische Themen informieren. Dort finden Sie auch eine Übersicht von Fragen und Antworten zur Energiestrategie 2030.

Ihre weiteren Fragen und Anregungen nehmen wir gerne über die Adresse energiedialog@mwe.brandenburg.de entgegen.

Beantwortet
Autor Xavier Ludewig am 14. Oktober 2011
4371 Leser · 2 Stimmen (-0 / +2) · 0 Kommentare

Solarenergie

Mit Sonnenschein aus der Krise?

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie steht es um die Pläne des Umwelt- und Energieminister Giorgos Papakonstantinou aus Griechenland?

Projekt Helios so heißt es wohl. Wir bekommen "Sonnenschein-Energie" aus Griechenland und dafür investieren wir in Netze, Infrastruktur und den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen.

Ist das etwas was das Land Brandenburg ins Auge gefasst hat bzw. könnte?

Die Investitionen sind gewaltig aber auch (in meinen Augen) nachhaltig.

Griechenland hat die Sonne, den Platz, braucht Investitionen und im Land Brandenburg würden wir die Klimaziele locker erreichen - Bürgerproteste (bis auf neue Netzleitungen) wären nicht zu erwarten ...

Mit sonnigen Grüßen

+2

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Dr. Carsten Enneper am 31. Oktober 2011
Dr. Carsten Enneper

Sehr geehrter Herr Ludewig,

richtig ist, dass Griechenlands Energieminister, George Papaconstantinou, am 5. September 2011 mit dem "Helios"-Projekt eine Offensive zur Entwicklung der Solarenergie und zur Steigerung der privaten Investitionen bekanntgegeben hat. Der Minister erhofft sich hiervon eine Entwicklung seines Landes hin zu einem Exportland für erneuerbare Energien und gleichzeitig neues Investitionskapital für die dortige Wirtschaft.

Das "Helios"-Projekt soll ein Investitionsvolumen von bis zu 20 Milliarden Euro umfassen, um damit eine Steigerung der Photovoltaikleistung in Griechenland von derzeit rund 270 Megawatt (MW) auf 2.200 MW in 2020 und bis zu 10.000 MW im Jahr 2050 zu erreichen. Hierbei ist die Grundidee des griechischen Energieministers, dass Griechenland und Deutschland für die nötigen Investitionen sorgen und es dabei eine sogenannte "win-win" Situation, also zum gegenseitigen Vorteil, geben soll: In das von der Wirtschaftskrise betroffene Griechenland fließt wieder ausländisches Geld und Deutschland kommt seinem Ziel näher, bis 2020 mindestens zwanzig Prozent des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken. Bekannt ist auch, dass die deutsche Siemens AG bereits Interesse an dem Projekt bekundet hat.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das "Helios" -Projekt aber noch sehr unausgereift. So ist bisher vollkommen ungeklärt, welche Investitionskosten allein bei den Stromnetzen in Griechenland notwendig sein werden, um die geplante Photovoltaik-Leistung "einzusammeln". Auch die Stromtransportkosten und die Übertragungsverluste über mehrere Länder hinweg bis nach Deutschland sind noch ungeprüft. Der für Investoren wichtige Wirtschaftlichkeitsaspekt ist also noch ungeklärt.

Überlegenswert ist darüber hinaus, ob sich Deutschland von einer Abhängigkeit (Gas, Öl, Steinkohle) in die nächste (ausländische Stromlieferungen aus erneuerbaren Energien) begeben sollte. Stromlieferungen über weite Entfernungen widersprechen außerdem dem Grundgedanken, die erzeugte Energie dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird.

Zu guter Letzt ist nicht auszuschließen, dass es gegen die geplanten großen Photovoltaik-Solarparks auch in Griechenland Bürgerproteste geben wird, neben Aspekten des dortigen Umweltschutzes. Dieses von Ihnen angesprochene Problem einfach "auszulagern" wäre zu einfach. Akzeptanzprobleme beim Umgang mit den Erneuerbaren Energien sollten "zu Hause" gelöst werden.

Die brandenburgische Landesregierung wird das "Helios"-Projekt aber weiter mit Interesse verfolgen. Schließlich befinden sich im Land Brandenburg namhafte Produzenten von Photovoltaik-Modulen, die sich Absatzmärkte erschließen wollen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Carsten Enneper

Abteilungsleiter Wirtschafts- und Energiepolitik Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg