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Von D. Wozniewski
Thema Wirtschaft
Am 05. Februar
In Beantwortung

Was tun Sie/wir gegen den modernen Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Unsere deutsche Wirtschaft ist nicht gerade gesund. Niemand würde das angesichts der vielen Arbeitslosen, der Schwierigkeiten bei den Renten- und Krankenkassen und angesichts der stets wachsenden Staatsverschuldung ernsthaft bestreiten. Doch die “Ärzte” streiten endlos, um welche “Krankheit” es sich handelt und - noch mehr - wie sie zu behandeln ist. Das, was derzeit von der Politik als Lösungen angeboten wird, ist allerdings bestenfalls symptomatische Behandlung (Umverteilung mittels Steuererhebung, Subventionen, Kindergeld, Aufblähung der Geldmenge mittels Konjunkturprogrammen usw.), aber keine Heilung. Hat unsere Wirtschaftsverfassung, also das rechtliche Rahmengebäude unserer Wirtschaft, einen Fehler, ist sie krank? Ja!

Die Krankheit unserer Wirtschaftsverfassung ist eine schleichende Krankheit. Sie vollzieht sich sehr langsam - über Jahrzehnte. Daher fällt es schwer, die Ursachen und Wirkungen zu erkennen. Die Krankheit, an der unsere Wirtschaftsverfassung leidet, ist der "moderne Feudalismus" oder kurz "Meudalismus". Der Meudalismus ist gesellschaftlich und volkswirtschaftlich höchst problematisch.

Volkswirtschaftlich problematisch ist z. B., dass aus dem Geldfluss unserer Volkswirtschaft, an dem ursprünglich (Juni 1948) alle Bürger gut teilhatten, ein tiefer und mächtiger Geldfluss geworden ist, an dem aber nur wenige Menschen partizipieren, ein "Nil in der Wüste". Die meisten Menschen aber sitzen regelrecht auf dem Trockenen in der Wüste. Und die Konjunktur liegt am Boden. Wir haben heute eine "Nilwirtschaft".

Die Unkenntnis hierüber ist leider sehr verbreitet. Die Folgen dieser Unkenntnis sind fehlerhafte Erklärungsansätze und damit auch untaugliche politische Maßnahmen. Vermögens- und Einkommenskonzentrationen bei Wenigen entwickeln sich unbemerkt weiter, während man sich wundert, dass die breite Bevölkerung immer mehr in oder an die Grenze von Armut gerät. Man könnte daher auch von einer “Nilpolitik” sprechen, von einer Politik also, die das Anwachsen des Nils unbeachtet und ungehindert zulässt und die über keine treffende Erklärung für das Ausbreiten der Wüste verfügt.

Seit 40 Jahren oder länger, womöglich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, herrscht die Vorstellung vor, dass jeder Mensch in Deutschland ab seiner Geburt die Chance habe, reich zu werden, - herrscht die Vorstellung, als könne es Reichtum für alle geben; es läge nur bei jedem selbst.

Nilpolitik ist anfangs unproblematisch, da anfangs (1948 bis Mitte der 1960er-Jahre) genügend Geld in der Bevölkerung fließt, um den blinden Fleck schadlos überstehen zu können. Auch wenn allmählich und unbemerkt ein Meudalismus entsteht, kann die Politik schalten und walten, wie sie will. Die Parteien unterscheiden sich diesbezüglich nicht im geringsten. Ihre Maßnahmen z. B. gegen die in den 70er Jahren erkannte “Massenarbeitslosigkeit” können ohnehin nicht auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Man kann nur im Nachhinein feststellen, dass die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung stetig weiter gewachsen sind. Da aber seit Jahrzehnten Nilpolitik betrieben wird, wundert es nicht, dass die auch heute noch fortgesetzt wird.

Wir hatten (seit der Währungsreform 1948) noch nie so viel Geld in der BR Deutschland wie heute. 2009 sind bei M1 17,4% mehr Geld hinzugekommen. Hätten wir keinen "Nil in der Wüste", sondern wäre dieses Geld halbwegs unter den Bürgern verteilt, so hätte in dieser Sekunde jeder Haushalt (das Eigentum an Unternehmen freilich mitgerechnet) 4.760,93€ in bar und 30.114,16€ im Sinne von M1 und 54.683,05€ im Sinne von M3!

Tatsächlich aber haben wir den Meudalismus im Land mit ein paar Tausend "modernen Feudalherren", bei denen sich das Geld sammelt und staut. Millionen Menschen arbeiten täglich für deren Reichtümer und Einkommen. Die Vermögen der beiden reichsten Deutschen, für die rund 200.000 Mitarbeiter arbeiten, betragen 2008 17,55Mrd.€ und 17,05Mrd.€ (manager-magazinSpezial2008). Um so ein Vermögen zu verdienen, braucht man 40 Jahre lang einen Stundenlohn von 491.652€ bzw. 477.645€! Der rheinische Kapitalismus (soziale Marktwirtschaft) nach Ludwig Erhard ist längst passé.

Sind Sie, Frau Bundeskanzlerin, bereit, etwas gegen den Meudalismus zu tun, und wenn ja, was?

MfGdr.wo

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