Beantwortet
Autor M. Loschelder am 21. März 2013
4716 Leser · 167 Stimmen (-0 / +167) · 4 Kommentare

Die Kanzlerin direkt

Arm und reich

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wann greifen Sie in die Debatte um die wachsende soziale Schieflage ein, in der Rot-Grün inzwischen die Deutungshoheit an sich gerissen hat? Wann findet die CDU -meine Partei- unkonventionelle und neue Antworten - unabhängig von der FDP-, die sog. Schere der Einkommen und Vermögen deutlicher zu schließen, als das rein statistisch zuletzt marginal geschehen ist? Denn steht nicht etwa das Gerechtigkeitsgefühl dieser Gesellschaft und auch die Gerechtigkeitsforderung der sozialen Marktwirtschaft und der katholischen und evangelischen Sozialethik auf dem Spiel? Müßte es nicht um neue Ideen gehen für die CDU in dieser Frage, die bisherigen alt bekannten Vorschläge nach Steuererhöhungen und Vermögensabgabe aber dabei nicht zu unterbieten, sondern zu überholen , indem zB die bürgerschaftliche Verantwortung der Vermögenden in freien Initiativen mit struktureller begrenzter und moderater Vermögensabgabe irgendwie gekoppelt wird? Geht es nicht längst auch um die Ethik der Bürger dem Gemeinwesen gegenüber, nicht auch um unerträgliche Exzesse von Habgier bei Protagonisten der Eliten und Unternehmensführer, also auch um öffentliche Moral?
Gerade die CDU hätte hier sowohl politisch als auch ethisch den größten Wirkungsgrad und nicht rot-grün, weil "Wohlstand für alle" einen unübertroffenen Wertekompass vorgibt, wie Sie selber doch immer betonen...was wenn immer mehr Vermögende dies selbst fordern und die Kanzlerin hinkt dieser Entwicklung hinterher? pardon für dieses Bild...Diese Frage und die Frage wie neben selbstverständlich notwendigem industriellem Wachstum auch neuartige Postwachstumsökonomiesektoren entstehen könnten werden die Bundestagswahl entscheiden...meinen Sie nicht? Welche Lösungen werden Sie als Bundeskanzlerin favorisieren?

mit Hochachtung und freundlichen Grüßen

Michael Loschelder

+167

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 18. April 2013
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Loschelder,

vielen Dank für Ihre Mail.

Da sich Ihre Fragen und Vorschläge auf die inhaltliche Ausrichtung des CDU-Bundestagswahlkampfes beziehen, möchten wir Sie bitten, sie an die Bundesgeschäftsstelle der CDU zu richten. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung kann zu parteipolitischen Fragen nicht Stelllung nehmen. Dafür bitten wir um Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (4)Schließen

  1. Autor Helmut Krüger
    am 27. März 2013
    1.

    Sehr geehrter Herr Loschelder,

    ich finde viele Aspekte Ihres Eintrags als interessant - pardon, das klingt banal - ich finde sie aufschlussreich.

    Vor allem betrifft das m. E. den Appell bzw. das Selbstverständnis von sozialer Verantwortung gleich des Geldbeutels zunächst und dannfolgend mit steigendem Geldbeutel in gewachsener Höhe. Dies nicht als Abverlangtes und Abgefordertes, sondern als pur Selbstverständliches.

    Unsere Städte sind voll von Zeugnissen des Mäzenatentums, von sozialen Einrichtungen auch. Darin haben wir ziemlich nachgelassen. Mein Eindruck: Die soziale Verantwortung endet hermetisch am Gartenzaun und so mancher Straßenzustand in Berlin-Zehlendorf und -Schlachtensee ist Musterbeispiel dafür.

    Andere taten und tun dies anders und deshalb kann Ermunterung nicht genug sein. Die Antwort von Karl Marx und seine zur Behauptung stehende Unvereinbarkeitserklärung, um einmal das gewichtigste Gegen-Werk zu nennen, erscheint mir jedenfalls viel mehr ein Ergebnis der Bockbeinigkeit der seinerzeitigen und auch der heutigen Protagonisten zu sein, als dass da irgendwelche hasserfüllten bösen Buben mit großen Trara von vornherein zu Felde gezogen wären.

    Irgendwie scheint mir das Vollstreckerwesen anonymer Aktionärsversammlungen genauso dem Ende zuzugehen wie die Abteilungsleitermentalität derjenigen, die beauftragt waren, Pläne zu erfüllen.

    Beiden gemeinsam ist der Mangel an Phantasie und an schöpferischen Ideen, die diesen Namen auch verdienen. Die Lösung sehe und empfinde ich in Folgendem: Dass zuallererst eine Idee ist, die Herzen und Sinne bewegt und dann die Rechnung erfolgt, ob sich das dann auch lohne, als dass es umgekehrt wäre, dass die Idee nur der Erfüllungsgehilfe des finanziell Lohnenden wäre und die Zahl (die als solche unbedeutend ist) voransteht.

  2. Autor Hans-Joachim Romoth
    am 28. März 2013
    2.

    Ich sehe nicht das sich diese Regierung mit dem Thema Reichste Nation, die Reichen werden immer reicher und 50% der Bevölkerung besitzen 1% der Vermögen(!!!!!) widmen will. Der Armutsbericht wird geschönt über Reichtum in unserer Gesellschaft wird nur sehr knapp gesprochen. Aber auch in den Medien, wird der Irrglaube verbreitet, das nur der Markt Wohlstand für alle schaft.

    Die Agenda 2010 gibt es schon - zumindest für die Armen - seit vielen Jahren spürbar, deutlich spürbar. Reden und entscheiden tun die Nichtbetroffenen und die spüren ja auch nichts und so kann der Markt es doch noch in 20 oder 30 Jahren richten und wenn nicht, wen triffst?

  3. Autor Erhard Jakob
    am 10. April 2013
    3.

    Hier der Bundeskanzlerin vorzuwerfen, dass sie sich zu wenig
    für eine Schließung der Schere zwischen *Arm und Reich*
    stark gemacht hat, finde ich unfair.

    Wenn sie noch mehr gegen Ackermann bzw. die Geldhabenden
    vorgehen würde, dann würde sie sicher den Weg von
    Dr. Salvadore Allende in Chlle gehen müssen.

    Das würde von den armen CDU - Wählern
    sicher keinen einen Schritt weiter bringen.

  4. Autor Helmut Krüger
    am 14. April 2013
    4.

    Sehr geehrter Herr Jacob,

    was das Letztgenannte angeht: Das glaube ich nun nicht. - Immerhin ist die Nachnachnachfolgerin von Salvador Allende und der Nachnachnachfolger von Richard Nixon, also Michelle Bachalet von den chilenischen Sozialisten und George Bush jr. von den US-Republikanern in einer traditionell thailändischen Kluft gemeinsam auf einem Foto abgelichtet worden.

    Und im östlichen Teil von Berlin-Köpenick am Salvador-Allende-Platz dient nicht etwa ein revolutionäres, sondern ein ganz gewöhnliches, kommerzielles Einkaufszentrum namens Allende-Center den täglichen Einkäufen. "Wir bewegen was" steht im Che-Guevara-Styling auf der Rückseite von Umzugsfahrzeugen und so dürfte die "Militär-Karte" in Berlin, Budapest, Prag, Santiago de Chile, Gdansk und Poznan (Danzig und Posen) wohl der Vergangenheit angehören.

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