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Abstimmungszeit beendet
Autor Chris Stamitz am 18. März 2015
3379 Leser · 9 Kommentare

Innenpolitik

Malussystem für Verspätungen bei der Bahn

Sehr geehrte Frau Bundeskanzler,

ich erlebe, dass die wirtschaftlichen Regelungsmechanismen bei den privatisierten Bahnunternehmen versagen, was Pünktlichkeit und Servicequalität angeht. Der Staat ist hier mehrfach am Hebel, als Regulierer, als Eigentümer, als Besteller von Fernverkehr und Betroffener. Wie sehen sie die rechtlichen Möglichkeit, die wirtschaftlichen Verantwortlichen, die Bahnvorstände, wirtschaftlich an der systematischen Unpünktlichkeit ihrer öffentlichen Bahndienste partizipieren zu lassen durch geeignete Malus-Anreizsysteme? Welche Rahmenbedingungen müssen geändert werden, damit die Aktionäre ein solches Malussystem für die Verantwortlichen einführen können? Es erscheint mir unangemessen, dass Vorstände keine persönliche Anreize haben die Ärgernisse für die Öffentlichkeit abzustellen oder die Erfahrungen der auf den Verkehrsträger Schiene angewiesenen Kunden kleinreden.

Vielen Dank!

Kommentare (9)Schließen

  1. Autor Gabriele Klein
    am 21. März 2015
    1.

    .... um Probleme lösen zu können muß man erst die Ursachen finden und die Ursachen eines maroden Unternehmens bei dem nichts mehr funktionniert und gewartet wird sind sehr häufig Mißwirtschaft und Korruption. Träfe dererlei auch in unserem Falle zu wäre es ein Fall für die Staatsanwaltschaft und nicht für finanzielle Anreize....... Allerdings hat man das Strafrecht wie ich las weitestgehend abgeschaft... Hier stand die Barmherzigkeit der Strafverfolger der Faulheit der Bürokratie Pate. Eine Umkehr ist nicht zu erwarten oder haben Sie jemals erlebt, dass sich eine öffentliche Einrichtung freiwillig jene Arbeit wieder an Land zieht die sie zuvor erfolgreich abgeschoben hat?

  2. Autor Chris Stamitz
    am 23. März 2015
    2.

    Ein Malus ist lediglich das Gegenteil eines Bonus, das heisst Einkommensabzüge, wenn bestimmte Zielvorgaben bzgl. Verspätungen von Zügen nicht eingehalten werden. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass Vorstände einen persönlchen Anreuz zur Reduzierung der Verspätungen ihres Verkehrsträgers haben oder andernfalls im gleichen Maße wie die Kunden darunter leiden.

    Ich sehe nicht, inwiefern Strafrecht greifen könnte. In einem wirtschaftlichen Unternehmen ist die zentrale Aufgabe der Führung die Wirtschaftlichkeit, Kundenzufriedenheit ist nur Mittel zum Zweck. Bei Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft könnten die Mehrheitsaktionäre allerdings, unter der Voraussetzung von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, Vergütungsregeln festlegen, die dem Rechnung tragen. Anstelle von Bonus (mehr Geld bei Erfolg) schlage ich ein Maliussystem (weniger Geld bei Versagen) vor.

  3. Autor Helmut Krüger
    am 25. März 2015
    3.

    Ein Malussystem könnte schon ein Mittel sein, die Kalkulation - gemeint im doppeldeutigem Sinne - zu überdenken, die da lautet, dass es billiger kommt, Gerätschaften erst dann zu reparieren, wenn sie schadhaft geworden sind, als sie vorsorglich bei bestimmter Laufleistung auszutauschen. Zweitgenanntes wird "vorsorgliche Instandhaltung" genannt und war Praxis bei der Bahn jahrzehntelang, Erstgenanntes ist die beschönigend so bezeichnete "ereignisorientierte Instandhaltung", wobei das Ereignis, an dem sich die Instandhaltung orientiert, eben der eingetretene Schaden ist.
    -
    "Vorbeugen ist besser als bohren" war griffiges Motto bei Zahnärzten. Zahnriemen nach Laufleistung austauschen ist besser, als mit dem schadhaft gewordenen Teil auf der Landstraße oder Autobahn liegenzubleiben. Die Bahn hält sich am Schaden auf und agiert von Schaden zu Schaden und das mündet dann in den Durchsagen "Wegen Verzögerung im Betriebsablauf hat der ... 10 / 20 / 60 Minuten Verspätung"

  4. Autor Gabriele Klein
    am 27. März 2015
    4.

    Gebe Ihnen Recht und stimmte auch zu weil viel im Argen liegt. Malussystem scheint mir keine so gute Idee. Ich glaube nicht dass da deshalb mehr gewartet wird Bürokratien sind faul und jeder sucht sich dort den allerbequemsten Weg und der könnte so aussehen, dass einfach die Lockführer halt mehr Druck bekommen und je nach Fall schneller fahren um die Chefetage nicht zu verärgern Ich erlebte, wie ein ICE sich mal in ein "Rapsfeld" verfuhr, dann, nach Durchsage, "Wir haben uns verfahren" langsam sehr lange zum Bhf Mannheim rücksetzte , Mir schwante Furchtbares und wollte vorsorglich das Weite suchen... vergeblich. Zug stand mit geschlossenen Türen startklar, zur Höchstleistung am Bahnhof Mannheim bereit und dann gings los: eine Fahrt so rasant wie ich sie noch nie erlebte. hüpfend und schwankend wie auf einer Achterbahn ..... Verspätung fast reingefahren allerdings nicht ganz. Das Vorstellungsgespräch setzte i in den Sand......Denn, mit der Ausrede,..bitte entschuldigen Sie meine Verspätung, der ICE hatte sich verfahren konnte ich nicht plazieren.......

  5. Autor Gabriele Klein
    Kommentar zu Kommentar 2 am 28. März 2015
    5.

    S.g.H.Stamitz, Ein Problem dessen Ursachen verkannt werden ist nicht lösbar. Hat z.B. eine Krankheit Ihre letzte Ursache in der Hysterie machts wenig Sinn die Symptome zu behandeln .... Gleichfals machts keinenSinn über Projektverlauf bzw.auch Richtersprüche zu diskutiere die sich der Korruption bzw Rechtsbeugung verdanken. Ehe das Problem als solches ernst genommen wird, müsste geklärt werden in wieweit Korruption bzw. zB. auch Rechtsbeugung ausgeschlossen werden können ehe man sich ihm im Einzelnen zuwendet.. Beispiel: Wenn z.B. ein Olympiastadion gebaut wird wo keine Olympiade ist und fast keine Sportler braucht man nicht mehr den Schwachsinn an sich zu belegen(ist ja offenkundig) sondern sollte vielleicht fragen, wer sich daran eine goldene Nase verdient...Gleiches gilt f. Flughäfen u.allerlei Bauvorhaben . Mit bloßem Auge ist erkennbar dass auch bei der Bahn einfach vieles keinen Sinn macht. Z.B. das Verhökern von Koffern, Kaffeemaschinen Hotelzimmer Kinogutscheinen über ein Bonussystem das schlußendlich der Fahrgast bezahlt. Ferner machen mir auch die Lobbies keinen Sinn. Es ist nicht Aufgabe der Bahn Getränke, Koffer, Kaffeemaschinen, Freßkörbe, Wein und noch mehr umzusetzen sondern für eine fehlerfreie Infrastruktur zu sorgen. Eine Bahncard 100 kostet 4.090 Euro. Kein schlechtes Deal für einen Geschäftsmann, wenn er mit dieser Bahncard ein Jahr lang ein kostenloses Catering seiner Geschäftsgäste durchziehen kann im Treffpunkt "Lobby" wo mindestens 2 Personen Kaffee und Softdrinks drinken können so oft und so viel sie mögen. Rechnen Sie das ganze mal um, die 4.090 Euro gehen u.U. alleine für den Besuch der Lobby drauf. Macht die Bahn da noch den Gewinn den Sie für die eigentliche Instandhaltung braucht? . Also die erste Frage wäre: wem dient eigentlich was.... Und diese Frage stell ich mir bei den Lobbies ganz genauso wie beim "Weinsortiment" und Fresskorb die mit den Tickets mitgekauft werden....

  6. Autor Chris Stamitz
    am 01. April 2015
    6.

    Liebe Frau Klein, ich erwarte eine funktionierende Infrastruktur, das kriegen die nicht hin. Ich habe auch nichts mit den Details zu tun.

    Bahnvorstände werden derzeit im Ideal danach bezahlt wie wirtschaftlich ihr verkehrsträger ist, d.h. ob er Gewinne einfährt. Pünktlichkeit ist eine Externalität, deren Folgen ich zu tragen habe, nicht der Vorstand. Ob die Bahn pünktlicher als 2015 ist oder nicht, die Vorstände kriegen das gleiche Geld und die Aktionäre interessiert nur der Gewinn.

    Der Hauptaktionär einer großen deutschen Bahn ist der Staat. Also könnten bahnbetreibende Aktiengesellschaft zu nächst einmal die gesetzlichen Rahmen bekommen um Vorstände nach qualitativen Kriterien zu vergüten, sodann der Staat als Hauptaktionär ein solches System einführen oder als Besteller darauf drängen. In dem Moment wo Bahnunternehmensvorstände nach Verspätungen bezahlt werden, gibt es einen persönlichen Anreiz sich des Problemes besser anzunehmen und die Mängel anzugehen. Wie sie das machen ist mir ganz gleich.

    Es geht nicht um die einzelne Verspätung, sondern um das Gesamtbild. Ziel ist eine Verhaltensänderung. Dass Anreizsysteme zu Fehlsteuerung führen können, ist bekannt, das tut aber das Gewinnprinzip derzeit auch.

    Vorstände achten heute auf Gewinne, Fernsehmacher auf Quote. Wir brauchen einen Bahnverkehr, der pünktlicher und zuverlässiger ist. Eine Steuerung rein nach wirtschaftlichen Gewinn hat dieses Ziel nicht befördert.

  7. Autor Erhard Jakob
    am 01. April 2015
    7.

    Die Staatsanwalt ist oft eine Instanz, die dazu
    da ist, die Aufklärung von angezeigten
    Straftaten zu vereiteln.
    .
    Wenn es um die Aufklärung einer Straftat geht,
    muss der Anzeigeerstatter schon den Täter
    mitbringen. Und vorallem das Schuld-
    eingeständnis des Täters.
    .
    Wenn der Täter die Schuld bestreitet,
    passiert meistens sowieso nichts.

    Und, wenn sich der Straftäter in den eigenen Reihen
    (Juristen) befindet, wird besonders viel wert
    darauf gelegt, dass die Straftat
    unaufgeklärt bleibt.

  8. Autor Gabriele Klein
    am 02. April 2015
    8.

    ... also ich erlebte als langjähriges und erfahrenes Mitglied einer WEG folgenden Fall: Nachdem mir von der Verwaltung veranlassten Reparaturen und Neuerungen sehr seltsam schienen rief ich bei einem vergleichbaren Handwerksunternehmen an um völlig neutral eine Meinung zu erlangen unter Ausschluß eines möglichen Geschäfts und ohne Nennung von Namen: Die Frage lautete: könnte es sein und ist grundsätzlich rein theoretisch möglich, dass Reparaturen z.B. in großen Wohnanlagen einfach auch erzeugt werden könnten um Umsatz zu erzielen? Verwaltung, Hausmeister und Beirat hängen oft sehr eng zusammen (da die Verwaltung z.B. selbst Miteigentümer in der Anlage sein kann). und die Antwort der Dame war: Darüber könnte ich ganze Bücher schreiben. Dies ist zwar nur anekdotisch aber könnte vielleicht nicht nur erklären warum Mieten manchmal so hoch sind sondern auch Fahrpreise........Von daher scheint mir die erste Maßnahme eher die Möglichkeit von Mißbräuchen von vornherein auszuschließen und nicht erst dann tätig zu werden wenn sie nachweislich erfolgt sind. Dazu gehören entsprechende Kontrollen u. Mehraugenprinzip, Zumindest sehr leichtfertig und sehr unwirtschaftlich scheinen mir diese Lobbies. Hand aufs Herz, würden Sie, wenn Ihnen die Bundesbahn gehören würde Freigetränke in beliebiger Höhe bereithalten nicht nur für die gestressten Kunden sondern auch Begleitpersonen die gar keine Kunden sind? Ich meine die Aufgabe lautet doch: Transport zu verkaufen und nicht den Umsatz von Fanta und Coka Cola zu steigern....
    Aber der Kaffee schmeckt vorzüglich.... vielleicht auch so manchem Bundestagsabgeordneten der ja laut Presse die Bahncard 100 nutzt.....

  9. Autor Gabriele Klein
    am 10. April 2015
    9.

    ..... PS: Das Malussystem scheint mir eine Möglichkeit eine Führungsriege zu strafen, wenn ein Unternehmen in den Roten zahlen steckt. Ferner scheint es mir durchaus sinnvoll als Strafmaßnahme wenn es zu vermeidbaren Unfällen kommt. Also bei vielen Fällen dieser Art würde ich Ihnen beipflichten, bei Verspätungen allerdings nicht, Ich sehe die Gefahr dass man Verspätungen über einen Kamm schert. Für sehr viele Verspätungen habe ich volles Verständnis, (Höhere Gewalt) nicht jedoch für jene die auf mangelnde technische Überwachung zurückzuführen sind....Dass Autos durch den TÜV müssen es aber bei den Gerätschaften und Fahrzeugender Bahn erst ein "event" geben muß, wie Herr Krüger schrieb, dafür habe ich Null Verständnis, hier fände ich ein Malussystem sehr gut bzw. vielleicht besser eine Strafe für Fahrlässigkeit.

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