Beantwortet
Autor Martin Reiche am 03. Oktober 2007
9711 Leser · 90 Stimmen (-4 / +86) · 4 Kommentare

Arbeitsmarkt

Michael Glos

Sehr geehrte Frau Merkel,

können Sie mir als Verantwortliche für Ihren Bundeswirtschaftsminister mal sagen was die Aufforderung zu strengerem Umgang mit Erwerbslosen von Seitens der Jobcenter soll?

Er fordert das Arbeitssuchende 100 Kilometer Weg zur Arbeit hinnehmen müssen, kennt der Herr Glos überhaupt die Bruttoeinkommen der Leute über die er redet?
Ich hab im letzten Jahr nur Jobs mit einem Bruttoverdienst von 5,11 € angeboten bekommen!
Und angenommen!!!
Können Sie sich überhaupt vorstellen wie wenig das ist, und davon sollen dann noch 100 Kilometer Eisenbahn bezahlt werden,pro Richtung,und das bei den Preisen - die Sie auch über den Herren Tiefensee zu verantworten haben, denn ein Auto ist bei diesen Löhnen nicht drin.
Und denken Sie nicht im ach so vorbildlichen Staate Bayern ist das eine Ausnahme, zumindest in Würzburg und Umgebung ist das Methode, und der Staat unterstützt das auch noch indem er diese Niedrichstlohnjobs über das Arbeitsamt vermittelt, und dann kommt da einer wie der Herr Glos und behauptet wir würden nur mit Samthandschuhen angefasst.
Also das ist das schlimmste was ich je gehört hab, da nimmt man ständig jeden Job an den man angeboten bekommt oder sucht sich selber einen, egal wie schlecht er bezahlt ist und wie die Leute dort mit einem umgehen (und das ist mitunter ziemlich heftig),und dann kommt Ihr Minister und lässt sowas raus,
also das ist ne Frechheit und das Sie da nix sagen finde ich schon traurig.

Mit freundlichen Grüßen,
M.Reiche

Hintergrundinformationen:

PS. Ein Herr Glos würde mit meinem Monatslohn (Vollzeit) von 640,-€ keine 2 Tage seinen Standart halten können, geschweige denn selber dafür arbeiten gehen!!!

+82

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Antwort
im Auftrag der Bundeskanzlerin am 16. Oktober 2007
Angela Merkel

Sehr geehrter Herr Reiche,

vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir im Namen der Bundeskanzlerin beantworten.

Bei ihren Vorwürfen lassen Sie einige wichtige Dinge unberücksichtigt: Wer Mobilität zeigt und zum Beispiel bereit ist, einen Arbeitsplatz in größerer Entfernung von seinem Wohnsitz anzunehmen, denjenigen unterstützt der Staat steuerlich. Etwa über die Pendlerpauschale oder die Förderung einer beruflich notwendigen Zweitwohnung. Attraktiver wird berufliche Mobilität zudem durch die Aussicht auf einen besseren Job und/oder ein höheres Einkommen. Bei heute über einer Million offener Stellen sind die Chancen für Arbeitsuchende dafür erheblich größer als in den vergangenen Jahren. Es geht darum, die offenen Stellen zu besetzen. Dafür muss es für Arbeitslose auch zumutbar sein, gewisse Entfernungen auf sich zu nehmen. Zugleich bleiben die Unternehmen in der Pflicht, gute Arbeit auch fair zu entlohnen.

Sie schreiben, dass Sie im Niedriglohnbereich arbeiten. Für die Bundesregierung ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen Arbeit haben und sie zugleich fair bezahlt werden. Sittenwidrige Löhne lehnen wir entschieden ab. Erwerbstätige, die voll beschäftigt sind oder nahe daran, aber mit ihrem Arbeitseinkommen nicht das Existenzminimum erreichen, sollen möglichst vor Hilfebedürftigkeit geschützt werden. Unser Ziel ist es, dass diese Menschen nicht auf eine Aufstockung ihres Einkommens durch Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Dazu wird gegenwärtig in der Bundesregierung ein Gesamtkonzept für einen Erwerbstätigenzuschuss für Geringverdiener inklusive einer Kinderkomponente entwickelt. Die Eckpunkte werden noch in diesem Jahr vorgelegt.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Kommentare (4)Schließen

  1. Autor Friedrich Dr. Wörndle
    am 18. Oktober 2007
    1.

    Die Antwort ist an Zynismus nicht zu überbieten. Was glauben die Leute kann von einem Monatlohn von ca 640.- durch die Ansetzung der Pendlerpauschale bei 100 km einfachem Arbeitsweg an Steuerersparnis herauskommen? Und dann och "Eckpunkte werden noch in diesem Jahr vorliegen". Was glauben denn die Leute wieviel Zeit jemand im Niedrichlohnbereich denn hat? In anderen Bereichen wird in solchen Zeiträumen ein halbes Verkehrsflugzeug umkonstruiert. Hier geht es darum, auf ca. 2 Din A4 Seiten einige naheliegende Gedanken aufzuschreiben (und zu kommunizieren) und das dauert genauso lang. Einfach erbärmlich.

  2. Autor Waltraud Tüllmann
    am 23. Oktober 2007
    2.

    Man merkt das die die hier für Frau Merkel antworten kein Ahnung haben, was wirklich in unseren Land passiert. Ich möchte eigentlich mal wissen wie lange wir uns noch hinhalten lassen müssen. Bei einen 5,00 € Job kann man froh sein das er verlängert wird an sonsten heißt es auch nur du darfst mal ein viertel Jahr arbeiten und machst du es nicht kommt man gleich mit einer Kürzung. Von der Sache her wartet keiner auf einen 1,- € Job oder einen 5,- € Job.

  3. Autor Stephan R.
    am 26. Oktober 2007
    3.

    ist wieder einmal typisch, es ist ein Standarttext von irgendsoeinem Center der im Autrag vom Bundestag Briefe beantwortet. Ich bezweifel das Frau Merkel überhaupt hier vorbeischaut.
    Die haben doch ihre 10.000,00€ mind.!!! monatlich. Das ist für mich eine Unverschämtheit wen man dagegen das Geld sieht was man selber bekommen darf.

    Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel!

    Danke Frau Merkel &Co.

  4. Autor Sabine Schwenk
    am 01. November 2007
    4.

    Irrtum, Ahnung haben diese Leute und wissen genau was sie schreiben MÜSSEN.

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