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Autor Andreas Werner am 03. Dezember 2007
6219 Leser · 490 Stimmen (-42 / +447) · 3 Kommentare

Kultur, Gesellschaft und Medien

UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal in Gefahr

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

das UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal ist gefährdet. Der Vertragspartner der UNESCO ist die Bundesrepublik Deutschland. In Sachsen hingegen wird seit Jahren von der CDU und FDP eine Brücke forciert, die an der sensibelsten Stelle des Welterbes gebaut werden soll und die Aberkennung des Welterbes zur Folge haben wird. Ein neues Gutachten vom November 2007, welches im Auftrag der Bundesregierung erstellt worden ist, stellt fest, daß die Länder der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sind, das Weltkulturerbe zu erhalten und in kritischen Fällen aktiv einen Kompromiss zu suchen. In Sachsen sieht es allerdings so aus, daß eine mögliche Tunnelvariante, die das Welterbe nicht gefährden würde, von den verantwortlichen Befürwortern des Brückenbaus ignoriert und eine ernsthafte Suche nach einen Kompromiss beharrlich verhindert worden ist. Der Brückenbau wurde vor kurzem begonnen, obgleich noch 21 Klagen im Hauptsacheverfahren nicht eröffnet worden sind und grundsätzliche Fragen zu klären sind (z.B. die Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsverfahrens zur Brücke und die des Bürgerentscheids).

Sehen Sie eine Möglichkeit seitens der Bundesregierung, hier vermittelnd einzugreifen? Gilt Ihre Aussage noch, daß es sich bei diesem Brückenbau um ein „regionales Thema“ handelt?

Mit freundlichem Gruß,
Andreas Werner

+405

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  1. Autor Friedrich Darge
    am 04. Dezember 2007
    1.

    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
    ich wohne seit sieben Jahren in Dresden. Das Elbtal ist als Natur-  
    und Kulturerbe in dieser Zeit angemeldet und von der UNESCO anerkannt  
    worden. Zu Recht, der überwältigende Blick vom Aussichtspavillon war  
    für mich persönlich der entscheidende Moment, in dem ich mich zum  
    Bleiben entschloss.
    Es geht aber nicht nur um einen Blick, sondern um einen großen  
    Landschaftsraum, der in beide Richtungen je 2-3 Kilometer ausmacht,  
    und der einer Welterbegemeinschaft unwiederbringlich verloren ginge.  
    Titel hin oder her. Es geht um ein derzeit einmaliges  
    Naherholungsgebiet, das z.B. der Präsident der japanischen Daiwa  
    Securities Group, Herr Suzuki, anlässlich der Japan-Tournee der  
    Semperoper als eine “ World Heritage Site“ und als deutsches „asset“  
    hervorhob.
    Ich möchte mich deshalb erst einmal ausdrücklich dem Anliegen von  
    Andreas Werner anschließen. Es wäre eine Schande diese Brücke zu bauen.
    Beifügen möchte ich noch die Bemerkung, dass die verkehrliche  
    Notwendigkeit dieses gesamten Verkehrszuges keineswegs erwiesen ist.
    Seit nunmehr fast sechs Jahren engagiere ich mich in Dresden für  
    Kultur und nachhaltige Stadtentwicklung. Ersteres als aktiver  
    Künstler und Mitglied des Staatsopernchores, letzteres als  
    regelmäßiger Fahrradfahrer und aktives Mitglied des Allgemeinen  
    Deutschen Fahrradclubs. Dort bekommt man teilweise tiefe Einblicke in  
    Belange der Verkehrs- und Stadtplanung.
    Die Notwendigkeit einer "Entlastung für die benachbarten Brücken“ wurde  
    aus überhöhten Verkehrsprognosezahlen hergeleitet, die inzwischen  
    korrigiert sind. Eine nochmalige Planfeststellung wäre demnach das  
    Aus für diese Brücke.

  2. Autor Friedrich Darge
    am 04. Dezember 2007
    2.

    Die Eigenschaft der "Waldschlösschenbrücke" überregionalen Verkehr  
    anzuziehen wird inzwischen nicht mehr unterschlagen. Sie würde zum  
    einen als zusätzlicher Autobahnzubringer, zum zweiten als  
    Durchfahrungsmöglichkeit Dresdens und zum dritten als Umgehungsstraße  
    für den Bereich der inneren Ringstraße (alter Befestigungsring)  
    dienen. EINE UMGEHUNGSSTRAßE IM HERZEN DER STADT!
    1. würde sie somit viele zusätzliche Autofahrten im unmittelbaren  
    Wohnbereich der Stadt "induzieren". Prognostiziert wurde ein Anstieg  
    von sieben Prozent. Als Radfahrer kann ich gegen eine solche  
    Stadtpolitik nur vehement protestieren, zumal der Zustand der  
    Dresdner Straßen für "weiche" Verkehrsteilnehmer (Fußgänger und  
    Radfahrer) mehr als mangelhaft ist. Die erheblichen Geldsummen wären  
    anders besser zu verwenden, in vielfacher Hinsicht.
    2. würde die entstehende Querstrecke viele (Radverkehrs-)Routen längs  
    der Elbe schneiden und an besonders empfindlicher Stelle wohnlich-
    urbane Gebiete zu Hauptverkehrsstrecken des überregional  
    motorisierten Individualverkehrs machen.
    Betroffen wären nicht nur tausende Bürger, die trotz verheerender  
    Straßenverhältnisse derzeit 15% aller Wege per Rad erledigen,  
    betroffen wären auch schätzungsweise 10.000 Dresdner Haushalte, die  
    fortan Lärm und Abgase ertragen müssten.
    Gerade anlässlich der Klimadebatte scheint mir dies alles sehr negativ.
    3. wurde von der Stadt Dresden und dem Regierungspräsidium gerade ein  
    Luftreinhalteplan erarbeitet, der angeblich nicht ohne diese  
    Umgehungsstraße funktioniert. Es existiert aber keine  
    Alternativplanung. Maßgebliche konservative Politiker haben seither durch die frühzeitige Festlegung (1996) auf dieses Straßenbauprojekt, das im  
    Grunde auf die 30er Jahre zurückgeht, alle fortschrittlichen  
    Bemühungen unterbunden, deren Verfechter diffamiert und  
    immense Steuermittel verschwendet.

  3. Autor Friedrich Darge
    am 04. Dezember 2007
    3.

    Den Grund in dieser Festlegung kann ich, außer in planungstechnischer  
    Ignoranz, nur in der Hoffnung auf reichliche EU- und Bundesmittel  
    sehen, die nun auch erwartungsgemäß an ausschließlich sächsische  
    Firmen fließen sollen. Die Folgekosten werden die Bürger teuer zu  
    stehen kommen, befürchte ich.
    Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel, wer Ohren hat zu hören,  
    Augen hat zu sehen, der bemerkt die unterschwellige Gewalt, die hier  
    in diesem Bauvorhaben zutage tritt. Kritische Plakate werden  
    zerstört, Informationsveranstaltungen werden von der Presse  
    ignoriert, in der Stadtverwaltung rollen seit Jahren Köpfe und in der  
    Landesregierung werden ebenfalls die Messer immer schärfer. Seit  
    Jahren gleicht das Schauspiel den beiden Riesen im Grimm'schen  
    Märchen, die gleichstark sind und von denen deshalb keiner den  
    anderen überwinden kann. Schlimmer noch, die streitenden Dresdner  
    gleichen den Söhnen des Oedipus, die um das Königreich stritten, ohne  
    einig zu werden. Selbst als beide sich im Kampf getötet haben, endet  
    der Streit nicht.
    So ist es hier in Sachsen. Die Opfer werden stetig größer. Die Kosten  
    für Bau und Unterhalt sind unverhältnismäßig. Wieder geht ein Stück  
    Natur für bedrohte Tierarten verloren, diesmal an prominentester  
    Stelle. Die selbsternannten Hüter von Kunst und Kultur treten beides  
    offensichtlich mit Füßen. Sie tun dies unter den immer wacheren Augen  
    der Weltöffentlichkeit. Schon werden sächsische Politiker mit Taliban  
    verglichen.
    Nicht der Welterbe-Titel ist „verzichtbar“, diese  Autostraße ist es.

    Bitte erklären Sie mir, erklären Sie uns deshalb, welche positiven  
    Auswirkungen von diesem Bauwerk, jenseits eines sinnentleerten  
    „Wachstums“, ausgehen sollen.
    Wie können Sie bei einer derartigen Landesregierung weiterhin als Bundeschefin die Zügel schleifen lassen?

    MfG,
    Friedrich Darge

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