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Autor Constanze Riel am 03. Oktober 2007
10550 Leser · 57 Stimmen (-14 / +43) · 10 Kommentare

Innenpolitik

Unmenschliche Asylpraxis

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich bin empört über die unmenschlichen Züge der deutschen Asylpolitik, wie sie in Einzelfällen immer wieder von den Medien dokumentiert werden. Wie kann ein aufgeklärtes Land, das für demokratische Werte eintritt, über 90% der gestellten Asylanträge ablehnen?!? in vollem Bewusstsein der weltweiten verworrenen Krisenherde? Und wie kann man es verantworten, dass traumatisierte Flüchtlinge mehrere Jahre auf eine Entscheidung warten müssen, ist dies ein Symptom mangelnder Personalausstattung? Wenn ein Bleiberecht auf gesetzlicher Ebene nicht ermöglicht werden kann, das offensichtlich viele persönliche Dramen verhindern könnte, muss wenigstens eine rasche Bearbeitung der Anträge gewährleistet werden. Und ein Land, das für multikulturelle Toleranz und internationale Menschenrechte eintreten will, sollte den Menschen, die durch widrige Umstände ihre Heimat verlieren, mehr Achtung entgegenbringen!

Mit freundlichen Grüssen
Constanze Riel

Hintergrundinformationen:

Libanesische Kurden, die bereits seit vielen Jahren in Deutschland leben, ohne dass über ihren Status endgültig entschieden wurde, sehen sich zunehmend von Abschiebung bedroht. Zugrundegelegt wird von den Behörden offensichtlich die Erwähnung in Bevölkerungsregistern der Türkei, die von Sachverständigen als fehlerhaft und veraltet bezeichnet werden. Den Flüchtlingen wird vorgeworfen, ihre türkische Staatszugehörigkeit verschwiegen zu haben. Manche erhofften sich von der Meldung in der Türkei zu Zeiten des Bürgerkriegs Hilfe, die aber nicht geleistet wurde. Die meisten haben nie in der Türkei gelebt. Jetzt werden sogar ihre Kinder abgeschoben, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und die nichts mit der Türkei verbindet. Die deutschen Behörden schlagen zurück, als wären sie jahrelang betrogen worden, und ignorieren, dass die türkischen "Register" die Verhältnisse in der kurdischen Herkunftsregion in einem falschen Licht darstellen.

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Kommentare (10)Schließen

  1. Autor Willi Mayer
    am 09. Oktober 2007
    1.

    Das Asylrecht im Grundgesetz wurde vor vielen Jahren, noch vor der Wiedervereinigung, drastisch verschärft, nicht, weil objektiv zu viele unberechtigt Asylsuchende zu uns kamen, sondern, weil die damalige Bundesregierung befürchtete, wegen der hier lebenden Ausländer würden zu viele Bürger bei Wahlen rechtsextreme Parteien wählen. Um dem entgegenzuwirken, so hatte ich damals den Eindruck, hatte man einen Teil der Forderungen dieser Parteien übernommen.
    Ich habe auch ein gewisses Bauchgrimmen angesichts der Abschottungspolitik der EU. Die Außengrenzen werden so gesichert, dass sie immer mehr an die Grenzanlagen der DDR erinnern. Es darf halt niemand mehr reinkommen. Lieber lassen wir sie vor der Grenze verrecken.
    Eines der schlimmsten Vergehen heutzutage, so scheint mir, ist, aus wirtschaftlichen Gründen sein Heimatland verlassen zu wollen und zu uns zu kommen. Wer seinen Kindern ermöglichen will, sich einmal am Tag satt zu essen, ein Dach über dem Kopf zu haben, eine anständige Schulbildung zu bekommen, der begeht wohl ein Verbrechen, gegen das wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen müssen.
    Aber solche Verbrecher haben mitgeholfen, die USA, Kanada, Australien und noch viele andere Länder aufzubauen.
    Was macht Deutschland, was macht Europa, wenn sich das Klima in Afrika einmal so weit verschlechtert, das plötzlich zehntausende, hundertausende von Booten von Afrika aus nach Europa übersetzen mit Millionen Menschen an Bord, die zu Hause nichts mehr zu Essen haben? Mit Kanonen auf sie schießen?
    Wir brauchen eine gerechtere Welt. Aber es ist falsch, darüber zu diskutieren. Wir müssen sie schaffen.

  2. Autor Jürgen Hartwig-Hoffmann
    am 21. Oktober 2007
    2.

    Deutschland ist keine Torte,wo mann sich beliebig ein Stück abschneiden kann.

  3. Autor Michael R
    am 27. Oktober 2007
    3.

    Teil 1:
    Ist schlimm, unvorstellbar schlimm für mich vielleicht, da ich kaum im Ausland war und noch nie außerhalb Europas, wie ich mich erinnere.
    Aber vielleicht ist das Problem einfach, wenn die Leute hier bleiben oder zu lange hierbleiben und letztlich eingebürgert werden. Und dann kommt noch folgendes:
    Wenn Ausländer, die hier wohnen, ihre Sprache in der Öffentlichkeit weiter sprechen und nicht an unserer Kultur teilnehmen, sondern unter sich bleiben.
    ->>

  4. Autor Michael R
    am 27. Oktober 2007
    4.

    Teil 2:
    Das find ich miserabel. Ok, ist vielleicht schwierig, an deutscher Kultur teilzuhaben und sich wie ein Deutscher zu verhalten. Ich habe aber den Eindruck, dass das in der heutigen Zeit nicht mehr so problematisch ist. Man muss ja nicht alles aus der deutschen Kultur übernehmen. Wenn man als Ausländer hier eingebürgert wurde und hier für den rest seinens lebens wohnen will, dann muss man versuchen, sich dieser Kultur anzupassen, finde ich.

    Stellen Sie sich vor, man würde z.B. in England als Deutscher mit Frau und Kindern in einer Siedlung wohnen, wo nur Deutschstämmige wohnen. Und man würde sich dann in der Stadt, im Bus, in Arbeits-/Schul-pausen, in der U-Bahn usw. in der deutschen Sprache unterhalten? Ich bezweifle, dass die Engländer das hinnehmen würden. Das würden die vermutlich nicht deswegen nicht hinnehmen, weil die Deutschen bis vor ca. 60 Jahren Krieg gegen die Engländer führten, sondern, weil man als Deutscher dort Fremder wäre und nicht erwarten kann, dass man denen die eigene Kultur und Sprache aufzwingen dürfe. Drastischer wäre es aus geschichtsgründen z.B. vermutlich in Coventry oder in bestimmten ehemals von Deutschland besetzten französischen Gebieten.
    -->

  5. Autor Michael R
    am 27. Oktober 2007
    5.

    Teil3 (letzter Teil)
    Anderes Beispiel: Wenn man als Touristin meinen würde, man könne in streng islamisch regierten Ländern ohne Kopftuch spazierengehen, muss man sich nicht wundern, wenn man dort deswegen verhaftet werden würde, finde ich. Oder wenn man in bestimmten US-amerikanischen Staaten als Ausländerin meint, man könne einen zu kurzen Rock tragen, obwohl das dort verboten ist, muss man sich nicht wundern, wenn man deswegen ausgewiesen werden würde.
    Ist nunmal so.
    Wenn Sie zu Besuch irgendwo sind, z.B. Sie besuchen mit ihrer Familie eine Ihnen gerade erst bekannte andere Familie bei denen zuhause. Dann dürfen Sie sich dort nicht so benehmen, wie Sie es zuhause tun würden, wenn es da wichtige Unterschiede gibt. Ich meine, das tut man ja auch nicht. Und so ist es auch, wenn man als Ausländer ein anderes Land besucht. Man besucht ja im Prinzip die Menschen, die dort wohnen, die dort geboren und aufgewachsen sind, deren Ahnen schon dort lebten mit jahrhundertealtem Stammbaum in dem Gebiet, sozusagen.
    Also, man kann nicht einfach in eine Stadt ziehen und meinen, seinen Benimm, die Sprache usw. nicht umstellen zu müssen.

  6. Autor Constanze Riel
    am 29. Oktober 2007
    6.

    Sehr geehrte Herren Michael R und Jürgen Hartwig-Hoffmann,

    es geht mir nicht darum, alle Ausländer aufzunehmen, egal woher sie kommen und welche Absichten sie haben. Mich hat verstört, dass Menschen abgeschoben werden, die schon länger als ein Jahrzehnt in Deutschland gelebt, GEARBEITET haben, und die sich bereits integriert haben! Dagegen ist ihnen ihre angebliche Heimat fremd oder feindselig. Es kann nicht sein, dass wir sie zur Ausreise zwingen müssen, nur um unseren Lebensstandard zu wahren!

  7. Autor Anke Grutkze
    Kommentar zu Kommentar 6 am 03. November 2007
    7.

    Ich finde dein Beitrag super.
    Schade dass er nicht mehr abstimmbar ist.
    Vorkurzem habe ich erstmals mit einem Asylbewerber geredet.
    Es Grüßt Anke Grutkze

  8. Autor Friedrich Jost
    am 16. März 2016
    8.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle, die wollen, zu uns kommen können. Irgendwo gibt es eine Grenze. Auch bitte ich darum, zu unterscheiden zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen, denn da gilt nicht dasselbe Recht. Es kommen so viele Wirtschaftsflüchtlinge zu uns, wie Kriegsflüchtlinge. Letztere werden zudem nach dem Krieg für den Wiederaufbau in ihrem Land benötigt. Die Kriegstreiber sollten zur Verantwortung gezogen werden. Das Schlamassel im Nahen Osten haben wir den Amerikanern (Präsident Bush) zu verdanken. Hat die Kanzlerin die Amerikaner schon einmal darauf hin angesprochen? Ich habe davon bisher nicht gehört, leider.

  9. Autor Erhard Jakob
    am 16. März 2016
    9.

    Friedrich,
    hier geht es doch gar nicht um die berechtigten
    Asylbewerber! Sondern nur um die, welche
    unberechtigt einen Asyl-Antrag stellen.
    .
    Dazu gehören vorallem "Asyl-Bewerber" aus sicheren
    Herkunftsländern, und Leute, welche keinen
    oder einen falschen Pass vorlegen.
    .
    Und nach GG Art. 16a Abs 2 gehören
    auch Wirtschaftsflüchtlinge dazu.

  10. Autor Petra Lippmann
    am 17. Mai 2016
    10.

    Wenn Deutschland alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen soll, geht das Land sehr schnell in die Knie. Wie sollen wir mit den vielen Millionen Menschen umgehen? In den USA, der Türkei, im Libanon, Jordanien etc. bekommen die Menschen keinerlei finanzielle Unterstützung im Gegensatz zu hier. Wer soll das bezahlen? Tut man mit einem Massenexodus den Herkunftsländern wirklich einen Gefallen? Die Bevölkerungsexplosion in den arabischen Ländern ist ein weiterer Grund für die Flucht. Es gibt keine oder wenig Chance auf Arbeit in den Herkunftsländern. Aber auch bei uns gibt es wenig Arbeit für niedrig qualifizierte Menschen. Menschlichkeit hin oder her, ein wenig Vernunft sollte man sich bewahren. Warum kritisiert niemand Australien? Ein reiches Land, das keinen einzigen Flüchtling aufnimmt. Was ist mit Japan, den USA? Dort gibt es keinen Cent für Flüchtlinge.

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