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Beantwortet
Autor Maria Ruhl am 31. Oktober 2011
3683 Leser · 126 Stimmen (-3 / +123)

Gesellschaft und Soziales

An den Heilpädagogische Tagesgruppen soll nicht gespart werden

Guten Tag,

im Namen aller Eltern der Heilpädagogischen Tagesgruppen Münster St. Mauritz und Coerde möchten wir Sie in folgender Angelegenheit um Ihre Aufmerksamkeit bitten:

Die Ratssitzungen der Stadt Münster haben Entscheidungen ergeben, die für uns nicht nachvollziehbar sind. Konsolidierungsbeitrag hin oder her, jede Durchführung, die bereits stattgefunden hat, hatte Auswirkungen auf das Befinden unserer Kinder und die Gruppen. Die Stadt versicherte, die Erziehungshilfe werde bedarfsgerecht weitergeführt und es werde nicht an den Kindern gespart. Die Frage, wie das mit dem neuen Personalschlüssel 1:4 für Kinder mit Förderbedarf möglich ist, ist bis heute offen. Wenn weniger Betreuer da sind, ist definitiv weniger Zeit für jedes einzelne Kind und seine individuelle Förderung im Gruppenalltag gegeben und Angebote müssen eingekürzt werden. So ist in der HTG Coerde bereits die Werktherapie weggefallen. Es wird auch keine Osterfreizeit für die Kinder und auch keine Familienfreizeit geben. Die mehrtägigen Freizeiten waren für unsere Kinder die einzige Möglichkeit, in den Schulferien mit einer Kindergruppe wegzufahren. Auch für uns Eltern war es eine wichtige Erfahrung, als ganze Familie etwas zu unternehmen und zugleich die Gelegenheit zu haben, sich mit anderen Eltern auszutauschen.
Ebenso wird die Zusammenarbeit zwischen Eltern und der HTG eingekürzt: Die Begleitung von Elternsprechtagen und Schulgespräche mit Klassenlehrern, Eltern und HTG-Mitarbeitern, die die schulische Situation unserer Kinder verbessert haben, fallen künftig weg. Es ist kein Mitarbeiter „über“, solche Gespräche wahrzunehmen. Dasselbe gilt für die Begleitung der Gespräche bei Therapeuten – Ergotherapeuten oder Psychotherapeuten. Es hat uns Sicherheit gegeben, wenn eine vertraute Person dabei war. Gerade den Eltern mit Migrationshintergrund war es sehr wichtig, dass ein vertrauter Betreuer bei externen Gesprächen zugegen war, der die Familie kennt und bei Verständigungsproblemen aufgrund kultureller Unterschiede vermitteln kann. Da wird doch ganz konkret an Hilfe und Unterstützung für Kinder und Familien gespart.
Ein weiterer unverstandener Punkt sind die Gründe für den Umzug der HTG St. Mauritz nach Mecklenbeck. Ist es nicht gerade für unsere Kinder wichtig, Routine und eine vertraute und Umgebung einzurichten und diese zu halten?
Es wird begründet, der Standortwechsel wäre vorteilhafter für eine engere Kooperation mit der Richard von Weizsäcker Schule und der geographische Bereich müsse abgedeckt werden. Auch im Namen der Richard von Weizsäcker Schule, möchte ich mitteilen, dass ein näher gelegener Standort nicht besser für die Kooperation wäre. Im Gegenteil! Die Kinder brauchen den Abstand zur Schule um "abschalten“ zu können.
Außerdem ist der zukünftige Bestand der Richard von Weizsäcker Schule nicht gesichert. Warum sollte die HTG St. Mauritz von der optimalen Infrastruktur weggenommen werden und näher an eine Schule ziehen, die möglicherweise in naher oder ferner Zukunft geschlossen wird? Dadurch wird die „geographische Repräsentation“ definitiv kein Argument für einen Umzug.
Durch einen Umzug werden wir gezwungen, mit unseren Kindern einen Weg von teilweise 5 km und mehr in Kauf nehmen zu müssen und erst um 19:00 Uhr daheim anzukommen. Das kann nicht ernsthaft gewünscht sein!
Zusammenfassend möchten wir festhalten: Unseren Kindern und uns Eltern dürfen die bisher positiven und vor allem präventiven Angebote nicht genommen werden. Wir sind einstimmig der Meinung, dass diese Art von Prävention für uns mehr Wert hat und zukünftig gesehen kosten- und zeitsparender ist, als Kinder im fortgeschrittenen Alter zu fördern, therapieren und integrieren. Wir wünschen uns eine andere Durchsetzung des neuen Konsolidierungsbeitrags. Eine Änderung, die nicht ausschließlich zu Lasten unserer Kinder und Familien geht und eine lange Phase von Unruhe in der Umgewöhnung mit sich bringt.

Im Namen der HTG St. Mauritz und der HTG Coerde hoffen wir auf Ihr Gehör und eine positive Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Maria Ruhl und Sandra Panhans (Elternvertreter der HTG St. Mauritz)
Elena Sukkau und Linda Kusi (Elternvertreter der HTG Coerde)

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Antwort
von Markus Lewe am 25. November 2011
Markus Lewe

Sehr geehrte Frau Ruhl,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ihre Sorgen bezüglich der Veränderungen in den Heilpädagogischen Tagesgruppen Münster St. Mauritz und Coerde kann ich gut nachvollziehen. In den Heilpädagogischen Tagesgruppen in Münster finden Eltern pädagogisch hochwertige, aber auch kostenintensive Hilfe zur Erziehung. Ich kann Ihnen versichern, dass diese Hilfe auch mit dem Ratsbeschluss vom 25. Mai 2011 sowohl in konzeptioneller als auch finanzieller Hinsicht fachlich und bedarfsgerecht weiter entwickelt wird.

Die gesetzliche Grundlage für die Heilpädagogischen Tagesgruppen ist Paragraph 32, 1 SGB (Sozialgesetzbuch) VIII. Dieser Paragraph beinhaltet Folgendes: „Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe soll die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Elternarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib des Kindes oder des Jugendlichen in seiner Familie sichern (…)“.

Mit der im Ratsbeschluss festgelegten Neukonzeption für die Heilpädagogischen Tagesgruppen der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz werden alle vom Gesetzgeber vorgesehenen Hilfsmerkmale erfüllt. Wie im Einzelnen diese Merkmale durch den Jugendhilfeträger ausgeführt werden, ist gesetzlich nicht definiert. Es besteht für die Eltern also kein Rechtsanspruch auf spezielle trägerspezifische Angebote wie Freizeiten oder bestimmte Therapieangebote. Im Konzept der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz finden sich für die Kategorien „Soziales Lernen in der Gruppe“, „Begleitung der schulischen Förderung“ sowie für den Bereich „Elternarbeit“ zahlreiche Angebote, die den geforderten gesetzlichen Rahmen methodisch und didaktisch sehr gut ausfüllen. Die pädagogisch sehr erfahrenen und gut ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz werden wie gewohnt alles unternehmen, um diese Hilfe zur Erziehung weiterhin so zu gestalten, dass eine gute, intensive und gezielte Förderung möglich ist.

Der von Ihnen in Ihrer Anfrage angesprochene Umzug ist nicht nur aufgrund der engeren Vernetzung der Gruppen mit den ausgewählten Schulstandorten notwendig, sondern auch aufgrund einer bedarfsgerechten Veränderung des Standortes: Während der Bereich Innenstadt bereits mit verschiedenen Einrichtungen ausgestattet ist, ist das Aaseeviertel mit Mecklenbeck bislang unterrepräsentiert. Ich kann verstehen, dass es für Sie persönlich ärgerlich ist, wenn sich die Wege und damit auch die Fahrtzeiten verlängern. Ich bitte Sie aber, zu beachten, dass eine Auswertung des Fahrtaufwand vor der Neukonzeption ergeben hat, dass die Fahrtstrecken pro Kind und Tag bei Entfernungen von bis zu 16 km bis zum Elternhaus und bis 13,5 km von der Schule in die Heilpädagogische Tagesgruppen lagen.

Zum Nachlesen finden Sie die entsprechende Beschlussvorlage sowie die Beratungskette in unserem Ratsinformationssystem unter:

http://tinyurl.com/6p65nfk

Mit freundlichen Grüßen