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Beantwortet
Autor M. Welling am 31. August 2010
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Mobilität und Verkehr

Fahrradstrasse

Sehr geehrter Herr Lewe,
leider geraten ich und andere Radfahrer auf der Fahrradstrasse zwischen Ring und Bahnhof immer wieder in Bedrängnis durch rücksichtslose Autofahrer.
Könnte diese Strasse zum Ring hin gesperrt werden (und dadurch uninteressant für Durchgangsverkehr) oder in eine Einbahnstrasse (wie in Gremmendorf geschehen!) umgewandelt werden?! Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie über diese Frage nachdenken würden.

Mit freundlichen Grüssen
Mechthild Welling

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Antwort
von Markus Lewe am 16. September 2010
Markus Lewe

Sehr geehrte Frau Welling,

zu Ihrem Anliegen zum Thema „Fahrradstraße“ lag der Stadtverwaltung eine Anregung gemäß Paragraph 24 der Gemeindeordnung NRW vor, die sich ebenfalls auf die Schillerstraße bezog. Ihre Anfrage wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls geprüft. Da diese Prüfung einem festen Verfahrensschema folgt, verschiedene Ämter und Stellen eingeschaltet und mehrere Untersuchungen durchgeführt wurden, dauert die Auswertung entsprechend länger. Jetzt liegt das Ergebnis aber vor. Ich möchte mich an dieser Stelle für Ihre Geduld bedanken.

Die Fahrradstraße Schillerstraße ist 1990 als erste von inzwischen 16 Fahrradstraßen eingerichtet worden. Die Fahrradstraßen sollen für Radfahrer sichere und attraktive Verbindungen sein – der hier zugelassene Kfz-Verkehr muss sich dem Radverkehr unterordnen. Im Rahmen der uns vorliegenden Anregung sowie Ihrer Anfrage wurden zum Jahresende 2010 verschiedene Untersuchungen für die Schillerstraße durchgeführt. Auch die Polizei wurde um eine Stellungnahme gebeten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des zuständigen Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung kamen so zu den folgenden Ergebnissen:

• Zur Ermittlung des Durchgangs- bzw. Schleichverkehrs wurden die Kennzeichen der Kraftfahrzeuge erfasst. Nur so kann festgestellt werden, welche Fahrzeuge im Wohngebiet verbleiben und welche die Schillerstraße nur durchfahren – zum Beispiel um vom Bremer Platz bis zum Ring durchzufahren. Nennenswerter Durchgangsverkehr fließt in der Morgenspitzenstunde und in der Nachmittagsspitzenstunde. Zu diesen Zeiten müssen jeweils 27 von 80 Kraftfahrzeugen dem Durchgangsverkehr zugerechnet werden. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Anteil von jeweils rund 33 Prozent. Damit bewegt sich der Anteil am Durchgangsverkehr durchaus im Rahmen der für eine solche Straße innerhalb einer Tempo-30-Zone üblichen Verkehrsbelastung. Wenn man die besondere Lage im Stadtgebiet berücksichtigt, lässt sich schlussfolgern, dass die Schillerstraße für den Kfz-Verkehr eher wenig attraktiv ist.

• Diesen Eindruck bestätigt das Ergebnis der Querschnittszählungen auf der Schillerstraße 32 und 88. An zwei Tagen wurde an den beiden Standorten in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr und 16 und 17 Uhr gezählt. Im Gesamtquerschnitt lag die Kfz-Belastung pro Stunde immer deutlich unter 100 Kraftfahrzeugen (49 bis 86 Kraftfahrzeuge). Parallel dazu wurde auch der Radverkehr erfasst – hier wurden in den Spitzenstunden zwischen 148 und 245 Radfahrer gezählt. Der Radverkehr ist auf der Schillerstraße somit eindeutig die vorherrschende Verkehrsart.

• Als dritte Zählung wurde eine Dauerzählung über 24 Stunden über einen Zeitraum von einer Woche durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung war insbesondere die Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeiten. Auch wenn die zulässige Geschwindigkeit 30 Stundenkilometer beträgt, muss sich der Kfz-Verkehr in einer Fahrradstraße dem Geschwindigkeitsverhalten der Radfahrer anpassen und mitunter auch entsprechend langsamer fahren. Mit den Ergebnissen der Messung waren die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden: Die überwiegende Mehrheit der Verkehrsteilnehmenden fährt deutlich unter der erlaubten Geschwindigkeitsobergrenze – Ausreißer bei einigen wenigen Fahrzeugen fanden sich nur vereinzelt in den Nachtstunden.

• Ergänzend zu den Verkehrsuntersuchungen ist die Polizei gebeten worden, die Unfallsituation in der Schillerstraße zu beurteilen. Es wurden dazu die Unfalldaten aus den Jahren 2007 bis 2010 unter die Lupe genommen. Unfälle waren in diesem Zeitraum überwiegend reine Sachschadenunfälle, häufig sogenannte Parkunfälle oder Unfälle beim Wenden oder Rückwärtsfahren, hervorgerufen durch zu geringen Sicherheitsabstand. Insgesamt gab es im Untersuchungszeitraum elf Unfälle. Nur an einem Unfall, bei dem eine Person leicht verletzt wurde, war ein Radfahrer beteiligt.

Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse sieht die Stadtverwaltung keine Veranlassung, die Straße – wie von Ihnen vorgeschlagen – zum Ring zu sperren oder in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Die Erreichbarkeit im Gebiet soll erhalten bleiben; für viele Bewohnerinnen und Bewohner würde eine weitere Einbahnstraßenregelung Umwege und längere Fahrtzeiten bedeuten. Auch die Anwohnerinnen und Anwohner der Dortmunder Straße (im Abschnitt zwischen Wolbecker Straße und Schillerstraße) müssten Nachteile befürchten, weil sie vermehrt durch die Kraftfahrzeuge der Anlieger der Schillerstraße belastet würden. Darüber hinaus hat die Einrichtung von Einbahnstraßen nach unseren Erfahrungen einen negativen Einfluss auf das Geschwindigkeitsverhalten des Kfz-Verkehrs. Da nicht mit Gegenverkehr gerechnet werden muss, werden die Fahrerinnen und Fahrer nicht selten verleitet, schneller zu fahren.

Mit freundlichen Grüßen