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Beantwortet
Autor Marion Schimannek am 03. Juni 2010
3042 Leser · 117 Stimmen (-53 / +64)

Mobilität und Verkehr

Gestaltung Königstraße

Sehr geehrter Herr Lewe,

ich möchte Ihnen gerne folgende Frage stellen:

Derzeit wird die Königstraße neu gestaltet. Wie ich der Presse entnommen habe, votiert Ihre Partei dafür, die Straße komplett wieder mit Kopfsteinpflaster zu gestalten,während die SPD vorschlägt ein Pflaster zu verwenden, das den Radfahrern entgegen kommt und trotzdem dem Charakter der Straße gerecht wird. Als Argument der CDU wurden in der Presse finanzielle Gründe vermittelt.

Die Königstraße ist eine "Haupteinfallstraße" in die Innenstadt für alle Radfahrer, die aus dem Süden die Stadt anfahren bzw. herausfahren. Für die Einfahrenden gibt es einen Radweg in sehr gutem Zustand. Als Ausfahrender muss man sich voraussichtlich auch in Zukunft erheblich durchschütteln lassen. Eine Alternative zur Nutzung der Königstraße gibt es nur mit erheblichem Umweg.

Für mich ist es nicht nachvollziehbar warum die Stadt knapp 250.000 € für einen Picasso im Ringelpullover ausgibt, den man nur erahnen kann, wenn es aber darum geht, eine Maßnahme zu finanzieren, die direkt den Münsteranern zu Gute kommt, die durch das Radfahren auch noch etwas für den Klimaschutz tun und die Stadt durch den Verzicht auf das Auto entlasten, abgewunken wird.
Radfahrende Münsteraner können da vielfach auch den Argumenten
a) Der Picasso wird zur Hälfte vom Land gefördert und daher "nimmt man das mit".
b) Der Picasso sorgt für zusätzliche Besucher und damit indirekt für Einnahmen
nicht folgen.

Ich möchte hier nicht wieder die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Picasso- Pflasterung an sich eröffnen sondern es geht mir um die Wertigkeit/Abwägung die die CDU und evtl. noch andere Politiker gegen die Vielzahl von Radfahrer vornehmen.

Über eine Stellungnahme und nochmehr über eine Entscheidung für eine fahrradfreundliche Lösung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Marion Schimannek

+11

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Antwort
von Markus Lewe am 20. Juli 2010
Markus Lewe

Sehr geehrte Frau Schimannek,

die Königsstraße und ihre Gestaltung bewegt in Münster die Gemüter – das sehe ich nicht zuletzt daran, dass diese Thematik unter direktzu gleich zweimal den Einzug in die Top 3 der Fragen erreicht hat. Ähnliche Fragen ziehen ähnliche Antworten nach sich: Die eine oder andere Überschneidung zwischen meiner Beantwortung Ihres Anliegens und des von Herrn Müller lässt sich deshalb nicht vermeiden.

Zum Thema: Während die Neugestaltung des Picasso-Platzes selbst bereits 2005 vom Hauptausschuss beschlossen wurde, fiel die Entscheidung für die Bepflasterung der Königsstraße fünf Jahre später und in einem anderen Gremium: Am 9. Juni 2010 hat der Rat der Stadt nach einer lebhaften Diskussion beschlossen, dass in der Königsstraße das vorhandene Pflaster wieder eingebaut wird. In einigen Teilen der Straße werden zusätzlich geschnittene Pflaster als sogenannte Querungshilfen verwendet. So fällt der Wechsel der Straßenseite mit Kinderwagen oder Rollstuhl leichter.

Die Vor- und Nachteile der zur Debatte stehenden Varianten für den Straßenbelag wurden in einer Bürgerversammlung im Mai und in der gemeinsamen Sitzung der Bezirksvertretung Mitte und des Planungsausschusses lange und ausführlich diskutiert. Ausschlaggebend für die Wiederverwendung des alten Pflasters waren letzten Endes neben der Beachtung des städtebaulichen Umfelds und der Funktion der Straße auch die Gestaltung der Straße im historischen Kontext sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

In Zeiten knapper Kassen und der unverzichtbaren Konsolidierung des städtischen Haushaltes standen bei der Entscheidung für das alte Pflaster selbstverständlich die erheblichen Kosten im Vordergrund, die bei der Verwendung des sogenannten „Radler-Pflasters“ entstanden wären. Diese Mehrkosten hätten sich auf rund 640.000 Euro belaufen. Abgesehen davon, dass es einfach nicht sinnvoll ist, neue Pflastersteine zu kaufen, wenn bereits vorhandene einwandfrei sind, kann und will ich zurzeit eine derartige Ausgabe einfach nicht verantworten. Damit würden die Verwaltung und ich nicht mehr glaubwürdig erscheinen.

Hinzu kommt, dass die Königsstraße schon im frühen Mittelalter eine bedeutende Handelsstraße war. Dafür steht das kräftige Kopfsteinpflaster - auch im Bewusstsein der auswärtigen Besucher. Es hat damit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der einmaligen Atmosphäre Münsters. Das Pflaster passt einfach zu der historischen Kulisse mit Gebäuden wie dem Druffelschen Hof, in dem Sie heute das Picasso-Museum finden, oder dem Oerschen Hof, der dem Barockbaumeister Schlaun zugeordnet wird. Um den Charme dieses Straßenzugs zu bewahren, hat unsere Denkmalbehörde sich deutlich für die Verwendung des Altstadtpflasters ausgesprochen. Es verleiht der Königstraße einen individuellen Charakter und ein Alleinstellungsmerkmal. Gerade darum besuchen die Menschen ja so gerne in unsere Stadt.

Die Entscheidung für das Altstadtpflaster ist aber auf keinen Fall eine Entscheidung gegen den Radverkehr. Sie bündelt vielmehr alle zu berücksichtigenden Faktoren bestmöglich in einer Lösung. Als Fahrradhauptstadt fördern wir den Radverkehr kontinuierlich – durch verkehrslenkende, technische und bauliche Maßnahmen. Und auch die Pflasterung der Königsstraße mit den alten Steinen bringt den Radfahrern zumindest deutliche Vorteile gegenüber der heutigen Situation: Denn nach der Wiederherstellung im Altstadtpflaster wird die Straßenoberfläche höher verfugt und ist damit deutlich ebener als heute.

Wir werden als Radfahrer also auch künftig nicht mit einem „Schütteltrauma“ rechnen müssen, wenn wir die Königsstraße entlang fahren. Probe fahren können Sie auf dieser Art von Pflaster zum Beispiel auf der Klemensstraße, die im vergangenen Jahr erneuert wurde. Sie ist erheblich komfortabler zu befahren als die noch nicht erneuerten, mit Altstadtpflaster ausgestatteten Straßenabschnitte in Münster.
Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Fahrt!

Mit freundlichen Grüßen