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Beantwortet
Autor David Erhardt am 23. Juni 2010
3431 Leser · 25 Stimmen (-6 / +19)

Planen und Bauen

Modernisierung von Hafen, Hawerkamp, Stubengasse etc. gerecht?

Sehr geehrter Herr Lewe,

vielen Dank für die Möglichkeit, Ihnen Fragen stellen zu können.

Ich möchte gerne eine Frage zum Thema Umfeldgestaltung und deren soziale Ausgewogenheit stellen.

Viele Bereiche Münsters werden neu bebaut und modernisiert. Als Beispiele lassen sich der Hafen mit seinen aneinandergereihten Restaurants nennen, die Stubengasse, auf deren Platz statt eines Stadtparks ein weiteres Einkaufszentrum entstanden ist oder der Aasee mit seinem Hotel/Restaurant.
Dabei ähnelt sich das Erscheinungsbild der neuen Bauten ungemein. Architektonisch interessant und modern mit klaren Linien und wenig Platz für Unordnung oder Natur. Zielgruppe scheint vor allem die bürgerliche Mitte Münsters mit gehobenem Einkommen, sowie Gastronomie und Wirtschaft zu sein.
Immer wieder hört man von Gerüchten, dass auch die stadtferne Seite des Hafens, der Hawerkamp, ja eigentlich alle „heruntergekommenen“ Plätze sarniert und/oder privatisiert werden sollen.
Hinzu kommt, dass der Kanal erweitert und somit weitere Freifläche verschwinden wird.

Wo bleibt in Zukunft Platz für die Menschen mit alternativen Lebensweisen; wo treffen sich junge Menschen und Studenten, ohne gezwungen zu sein, ihr Geld in einem der vielen überteuerten Restaurants auszugeben; wo bleibt das Flair von nicht-kommerzialisierten Bereichen in denen sich jeder frei bewegen kann; wo wird die Privatisierung und Kommerzialisierung begrenzt.
Modernisierung ist wichtig und notwendig aber ist es wirklich Notwendig alles zu Geld zu machen, was die Stadt besitzt?

Meine konkrete Frage: Wie gewährleistet die Stadt in Zukunft eine soziale Ausgewogenheit im öffentlichen Raum und welche „Naherholungsorte“ können Sie nennen, die der obigen Beschreibung entsprechen, die Sie erhalten/erweitern/neu schaffen werden?

Mit freundlichen Grüßen,

David Erhardt (32 Jahre alt, Selbstständig)

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Antwort
von Markus Lewe am 22. Juli 2010
Markus Lewe

Sehr geehrter Herr Erhardt,

der Freizeit- und Erholungswert von Münster ist hoch: Das belegt nicht zuletzt eine Umfrage, bei der sich 2008 die Bürgerinnen und Bürger zufrieden mit dem „Ausbau und Zustand der Park- und Grünanlagen“, den „Freizeitmöglichkeiten“ oder dem „Angebot an Sportanlagen“ zeigten.

Damit diese Zufriedenheit weiter anhält, stehen im Stadtgebiet zahlreiche Erholungsflächen zur freien Verfügung. Das sind zum einen die Grünflächen: An Promenade, im Aaseepark, Wienburgpark oder Südpark haben Sie die Möglichkeit, sich zum Spazierengehen, Sonnenbaden oder Grillen zu treffen. Und wer Wurst und Kartoffelsalat gleich wieder abtrainieren möchte, kann zum Beispiel die Speckbrettplätze nutzen.

Zum anderen gibt es auch auf den Straßen und Plätzen in der Innenstadt Sitzgelegenheiten, die nicht an ein Café oder Restaurant gebunden sind und zum zwanglosen Verweilen einladen. Denken Sie etwa an den Adolf-Kolping- und den Picasso-Platz. Letzterer wurde vor Kurzem mit den sogenannten „pixel chairs“ ausgestattet – farbigen Betonwürfeln, auf denen sich jeder niederlassen kann.

Das Gleiche gilt für die Sitzbänke, die im Rahmen des Sponsorenprojekts „Bürger-Bänke“ aufgestellt wurden. Und auch am Kreativkai gibt es – neben denen von Ihnen bereits genannten gastronomischen Angeboten – ausreichend Sitzgelegenheiten ohne „Verzehr-Zwang“ und das auch noch direkt an der Wasserkante.

Kostenlose Spielmöglichkeiten für Kinder in der Altstadt, wie der Maxi-Sand, runden das nicht-kommerzielle Angebot ab.
Es ist uns wichtig, das bestehende Grünsystem der Stadt in seiner Ausprägung und Funktion dauerhaft zu sichern und dort, wo es möglich oder erforderlich ist, räumlich und funktional weiter zu entwickeln. Diese Entwicklungen orientieren sich an der städtischen Grünordnung, die auch Grundlage für die bedarfsgerechte Versorgung der Münsteranerinnen und Münsteraner mit Grünflächen wie Parkanlagen, Spiel- und Sportplätzen, Kleingärten oder Friedhöfen ist.

Mit der Grünordnung hat der Rat der Stadt Münster am 26.02.1997 auch das Zielkonzept „Flächen für Freizeit und Erholung“ beschlossen. Durch die Einarbeitung der Grünordnung in den fortgeschriebenen Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Münster im Jahr 2004 erhielten die Entwicklungsziele der Grünordnung bauleitplanerische Wirksamkeit.

Weitere Informationen zur Grünordnung finden Sie unter http://www.muenster.de/stadt/umwelt/gruenordnung_ms.html

Ebenso sind wir uns einig, dass auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt selbstverständlich auch nicht-kommerzielle Angebote zur Verfügung stehen. Flächen für die freie Bewegung der Passanten sowie Flächen für Straßencafes sollen insgesamt in einem ausgewogenen und verträglichen Verhältnis zueinander bestehen. Denn nur so kommen in Münster weiterhin beide Lager auf ihre Kosten: Die Einheimischen und Touristen, die sich ihren Kaffee und Kuchen gerne servieren lassen möchten, und die Selbstversorger, die sich mit Thermoskanne und Zeitung auf der Picknickdecke oder Parkbank niederlassen.

Mit freundlichen Grüßen