Das Projekt direktzu® Markus Lewe ist abgeschlossen; auf dieser Seite sind die direktzu®-Antworten dokumentiert. Sie erreichen OB Lewe weiterhin per E-Mail. Alternativ zu direktzu® hat die Stadt Münster verschiedene Online-Kommunikations- kanäle und E-Government-Dienste aufgebaut.

Beantwortet
Autor G. Müller-Glunz am 06. Dezember 2012
5925 Leser · 3 Stimmen (-0 / +3)

Wirtschaft und Finanzen

Provinzial NordWest

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Lewe,

derzeit überlegen die Anteilseigner der Provinzial NordWest Holding AG, die Anteile an einen privaten Investor zu veräußern. Wie stehen Sie dazu und werden Sie Einfluss auf die Sparkasse Münsterland-Ost als Mitglied des Sparkassenverbands nehmen sowie Ihren Einfluss im LWL geltend machen?

Als Bürger in Westfalen weiß ich die Vorteile eines regionalen Anbieters und Förderers der Region zu schätzen.

Freundliche Grüße

Georg Müller-Glunz

+3

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Markus Lewe am 18. Dezember 2012
Markus Lewe

Sehr geehrter Herr Müller-Glunz,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Thema „Provinzial NordWest“ hat in den letzten Wochen viele Menschen bewegt. Das ist nicht verwunderlich: Die Provinzial ist für die Stadt Münster, aber auch für die Region, ein bedeutendes, erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen, ein großer Arbeitgeber sowie ein Förderer und Unterstützer vielfältiger Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Soziales und Sport.

Für mich als Oberbürgermeister steht es außer Frage, dass ich mich für die Interessen der Beschäftigten, der Kundinnen und Kunden sowie der Stadt Münster einsetze. Ich habe mich deshalb mit Nachdruck für den Erhalt der Provinzial Versicherung und gegen einen Verkauf ausgesprochen. Die Stadt Münster ist nicht Miteigentümerin des Unternehmens – ich habe mich aber mit einem Schreiben an die Anteilseigner der Provinzial NordWest Holding, den Sparkassenverband Westfalen-Lippe, den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, den Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein sowie den Ostdeutschen Sparkassenverband gewandt. In diesem Schreiben habe ich gefordert, dass sich die Verantwortlichen bei ihren Überlegungen weitere Dimensionen ihrer Entscheidungsfindung im Blick behalten: Da wären zu allererst die Menschen, die die Provinzial zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Zudem geht es um die Kunden der Provinzial und nicht zuletzt um die Bedeutung des Unternehmens als gesellschaftlich engagiertes Unter- nehmen. Tausende Arbeitnehmer aus der Region sorgen sich um ihre berufliche Existenz und sehen ein Unternehmen in Gefahr, mit dem sie sich identifizieren und zu dessen Erfolg sie beigetragen haben. Das angesprochene Interesse aus der Versicherungswirtschaft ist dabei durchaus ein zusätzliches Signal in Richtung der Werthaltigkeit der Provinzial.
Ebenso verunsichert dürften zahlreiche Provinzialkunden sein, die sich bewusst für einen regionalen Versicherer aus der Sparkassenorganisation entschieden haben. Kurze Wege zum Unternehmen, über Jahre gewachsenes Vertrauen gegenüber den „Schutzengeln“ der Region – es stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Weg geben kann, in neuen Konstellationen diese wertvollen Assets zu erhalten.

Des weiteren habe ich auch den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes angeschrieben und ihn gebeten, sich – vor dem Hintergrund der Diskussion über einen Verkauf der Provinzial an ein privates Versicher- ungsunternehmen – für die Weiterentwicklung der öffentlichen Versicherer in der S-Finanzgruppe einzusetzen und diesen Weg zu unterstützen.

Außerdem habe ich Kontakt zum Vorsitzenden des Vorstandes der Westfälischen Provinzial-Versicherungs AG und zum Vorsitzenden des Betriebsrates aufgenommen und sie über diese Schreiben informiert.

Was mich besonders gefreut hat, ist, dass auch der Rat der Stadt Münster sich mit den Geschehnissen rund um die Provinzial beschäftigt hat. In seiner Sitzung vom 12. Dezember hat er einstimmig eine Resolution gegen einen möglichen Verkauf der Provinzial beschlossen. Ein ganz klares Signal an die Eigentümer, wie ich finde – und das ist auch angekommen: Der Verbands- vorstand des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein hat einen Verkauf abgelehnt, ebenso hat sich der Landschaftsausschuss des Land- schaftsverbandes Westfalen-Lippe einstimmig gegen einen Verkauf an private Interessenten ausgesprochen.

Mit freundlichen Grüßen