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Beantwortet
Autor Claudia Karst am 04. November 2010
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Bildung und Kultur

Sozialpädagogenstelle an der Mosaik-Schule ist von der Streichung bedroht

Sehr geehrter Herr Lewe,
Münster muß sparen - das ist unbestritten. Aber glauben Sie wirklich, daß die Streichung der halben Sozialpädagogenstelle an der Mosaik-Schule in Gievenbeck eine geeignete Sparmaßnahme ist?
Sozialpädagogische Arbeit dient der Bildung und diese kann in ihrer Bedeutung für die Stadt Münster nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Die Mosaik-Schule wird im laufenden Schuljahr von 359 Schülern besucht. Da Gievenbeck ein auch weiterhin wachsender Stadtteil ist und insbesondere junge Familien anspricht, wird sich an diesen Zahlen in den nächsten Jahren nicht viel ändern. Mit Klassengrößen von 28 bis 30 Kindern steigen die Anforderungen an die Schüler und an das Lehrerkollegium. Wie sollen Kinder aus sozial benachteiligten Familien, wie sollen verhaltensauffällige Kinder in Zukunft aufgefangen werden? Ohne eine effektive Sozialarbeit, wie sie in den letzten Jahren vorbildlich praktiziert wurde, besteht die Gefahr, dass diese Kinder in den großen Klassen "untergehen". Unsere Sozialpädagogin hat durch ihre Arbeit in den letzten Jahren gezeigt, wie durch eine Optimierung der Schuleingangsphase an der Mosaik-Schule gerade diese Kinder früh in den Schulalltag integriert werden konnten. Ihre erfolgreichen Bemühungen haben den Kindern der Schule oft einen guten Start in das Schulleben ermöglicht, auch und gerade wenn den Kindern die Bedeutung eines erfolgreichen Schulabschlusses aus dem familiären Umfeld nicht vermittelt werden kann.

Diese Arbeit darf nun nicht plötzlich abbrechen. Gievenbeck ist ein Stadtteil mit sozialen Brennpunkten, aus denen auch weiterhin Kinder die Mosaik-Schule besuchen werden. Der Vandalismus im Grünen Finger im vergangenen Jahr zeigt, wie notwendig sozialpädagogische Arbeit in Gievenbeck ist. Warum wird sie dann bei den Grundschülern abgezogen? Gerade an der Schule und hier besonders in der Primarstufe erreicht man doch die Kinder und kann wichtige Weichenstellungen für deren Zukunft vornehmen!

Selbst das Amt für Schule und Weiterbildung schreibt in der Streichvorschlagsliste "Eine zukünftig fehlende Schulsozialarbeit wird Auswirkungen auf die sozialpädagogische Intensivbegleitung einiger Kinder haben." Darf dies in Kauf genommen werden? Wie viele dürfen "einige Kinder" denn sein, damit es akzeptabel ist? Und ist es wirklich für Münster kostengünstig, diese Kinder später lebenslang durch Steuermittel unterstützen zu müssen, statt ihnen eine Chance zu geben, durch eine gute Ausbildung ein unabhängiges Leben in der Mitte unserer Gesellschaft führen zu können? Oder werden sie einfach als Kollateralschaden der Finanzkrise abgehakt?

Sozialpädagogische Arbeit ist Bildungsarbeit. Sind sich nicht alle, Bürger wie Politiker, parteiübergreifend einig, dass auch in finanziell schwierigen Zeiten gerade hier nicht gespart werden darf?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Claudia Karst
Schulpflegschaftsvorsitzende der Mosaik-Schule

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Antwort
von Markus Lewe am 23. November 2010
Markus Lewe

Sehr geehrte Frau Karst,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es stimmt: Münster muss sparen. Aus diesem Grund hat die Stadtverwaltung im Juni 2010 ein Konsolidierungspaket vorgelegt, das die drohende Haushaltssicherung abwenden soll.

Die darin festgehaltenen Sparbemühungen betreffen alle Münsteranerinnen und Münsteraner – ansonsten kann es nicht funktionieren. Auch der Gesamtbereich Bildung konnte in diesem Rahmen nicht unberücksichtigt bleiben. Da die Stadt schon seit vielen Jahren spart und wir uns bereits in der fünften Konsolidierungsrunde befinden, sind die Spielräume bei unseren Sparvorschlägen sehr eng geworden, zumal natürlich nur solche Aufgaben auf dem Prüfstand stehen können, zu deren Erledigung die Stadt Münster nicht gesetzlich verpflichtet ist.

Wie Sie der Liste mit den denkbaren Konsolidierungsvorschlägen entnehmen konnten, ist sich die Verwaltung über die Auswirkungen einer fehlenden Sozialpädagogenstelle durchaus bewusst. Dennoch ist es so, dass die Mosaik-Schule im Vergleich zu anderen Schulen aktuell besser aufgestellt ist.

Wie Sie der Medienberichterstattung wahrscheinlich bereits entnehmen konnten, gibt es in der Zwischenzeit aber neue Entwicklungen: Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung hat sich in seiner Sitzung am 16. November 2010 gegen die Streichung der Sozialpädagogenstelle an der Mosaikschule ausgesprochen. Eine endgültige Entscheidung über den Erhalt der Stelle fällt allerdings erst am 8. Dezember – dann entscheidet der Rat abschließend über den Sparvorschlag.

Mit freundlichen Grüßen