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Beantwortet
Autor S. Michael am 08. September 2010
2521 Leser · 19 Stimmen (-7 / +12)

Mobilität und Verkehr

Verkehrsaufkommen in Wohngebieten

Sehr geehrter Herr Lewe,

ich würde Sie gerne zum innerstädtischen Verkehrsaufkommen befragen. Ich wohne seit meinem Studium 1991 in Münsters Süden und konnte beobachten das sich die ohnehin schon damals drastische Situation des überhöhten Autoverkehrs in Wohngebieten und die daraus resultierende Parkplatzproblematik im Laufe der Jahre immer weiter verschlimmert hat.
Ich selber fahre kein Auto da die Wege in Münster per Fahrrad gut zu bewältigen sind, mein Weg zur Arbeitsstelle 5 Minuten Fahrzeit in Anspruch nimmt und ich die Umwelt schonen möchte. Mit dieser Einstellung scheine ich aber in der Minderheit zu sein denn die völlig verstopften Straßen in meinem Viertel (Südviertel) und das allabendliche Herumfahren der Autos auf Parkplatzsuche sprechen eine deutlich andere Sprache. So stelle ich mir jedenfalls nicht die "lebenswerteste Stadt der Welt" vor.
Wie sieht die Stadt dieses Problem? Gibt es Lösungsansätze diesem Chaos Herr zu werden und wie kann ein Umdenken in der Bevölkerung provoziert werden?

MfG,

S.Michael

+5

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Antwort
von Markus Lewe am 24. September 2010
Markus Lewe

Guten Tag S. Michael,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut mich zu lesen, dass Sie Ihrem Stadtviertel schon so lange treu sind. Wie Sie deshalb aus eigener Erfahrung wissen, ist das Südviertel dicht bebaut, die Straßen sind eng. Da im Durchschnitt jeder zweite Münsteraner ein eigenes Auto besitzt und dieses auch möglichst nah vor der Haustür abstellen möchte, ist die Parksituation entsprechend angespannt. Der sogenannte Parkdruck wird durch die zunehmende Motorisierung sowie den allgemeinen Trend zum Zweitwagen noch weiter erhöht. Auch im Südviertel hat der Pkw-Bestand zugenommen – da kann ich Ihren Eindruck nur bestätigen. Dieses Phänomen können wir in anderen Quartieren mit historisch gewachsenen Strukturen wie z.B. dem Kreuzviertel ebenfalls feststellen.

Im Südviertel wurde im Wohnviertel zwischen Donders-Ring/Kronprinzenstraße bis zum Kanonengraben Bewohnerparken eingerichtet, um das Parken von „fremden“ Autos zu verhindern. Die von Ihnen beobachteten Autos auf der Parkplatzsuche in den Abendstunden werden also hauptsächlich von den Anwohnern des Südviertels gefahren.
Selbstverständlich ist auch die Stadt Münster daran interessiert, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine Vielzahl von Maßnahmen, Programmen und Konzepten erarbeitet und umgesetzt. Dazu zählen u.a.:

• Parkraumkonzept Innenstadt
(Parkleitsystem, Bewohnerparken, Bewirtschaftung aller öffentlichen Stellplätze)
• Förderprogramm Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
(Busbeschleunigungsprogramm, Beeinflussung der Ampelanlagen)
• Nahverkehrsplan
(Neuordnung und Verbesserung des Abend- und Nachtnetzes, dynamische Fahrgastinformation)
• Radverkehrskonzept
(Verkehrssicherheitsaktionen an Schulen und Universitäten, verbesserte Angebote im Bereich Fahrradparken)
• Mobilitätsberatung und -angebote
(Beratung bei Mobilé, Angebote wie Job- und Semesterticket, Schülerticket in Planung)
• Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Verkehrssicherheit
(Einführung flächendeckender Tempo-30-Zonen in allen Wohngebieten, Querungshilfen im Bereich von Schulen und Bushaltestellen, Einrichtung einer Arbeitsgruppe für aktuelle Verkehrsfragen)

Zusammen genommen leisten diese Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zu einem stadt- und umweltverträglichen Verkehrsverhalten der Bürgerinnen und Bürger. Zur Vermeidung des Parksuchverkehrs gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit, Quartiersgaragen oder –parkplätze einzurichten. Das setzt allerdings die entsprechenden Flächen und nicht zuletzt auch die nötigen Finanzmittel voraus. In gewachsenen, eng bebauten Wohnquartieren wie dem Südviertel ist der Platz für diese Maßnahmen jedoch äußerst begrenzt.

In Ihrer Frage sprechen Sie außerdem das Umdenken in der Bevölkerung an. Große Veränderungen brauchen Zeit, aber kleine Erfolge gibt es bereits: Das Verkehrsverhalten der Münsteranerinnen und Münsteraner wird seit 1982 regelmäßig untersucht. Dabei konnten wir feststellen, dass sich das Verhalten in der Bevölkerung im Laufe der Zeit deutlich geändert hat. Der Anteil der Autonutzung ist um fast 3 Prozent gesunken (von ca. 39 Prozent auf 36 Prozent), der Anteil der Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel wie den eigenen Füßen, dem Rad oder dem Öffentlichen Nahverkehr ist dagegen entsprechend gestiegen und beträgt inzwischen bereits 64 Prozent.

Verbunden mit den oben genannten Maßnahmen trägt diese Entwicklung dazu bei, dass wir weiterhin in einer lebenswerten Stadt wohnen und arbeiten können.

Mit freundlichen Grüßen