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Beantwortet
Autor Marco Hartmann am 04. April 2011
3641 Leser · 22 Stimmen (-2 / +20)

Sonstiges

Werbeflut / Ressourcenverschwendung / Umweltschutz

Sehr geehrter Herr Lewe,

ich würde Ihnen gern ein Anliegen vortragen, was mich und vielleicht auch andere Mitbürger in den letzten Wochen/Monaten/Jahren bewegt hat.

- Woche für Woche erreichen mich die Werbezeitschriften, wie kaufen & sparen, oder Hallo Münster, trotz Aufkleber am Briefkasten, dass ich solche Werbung nicht wünsche.

- Man mag mich kleinlich nennen, aber über allen Unmut dieser unerwünschten Werbung habe ich heute einmal eine Statistik zu diesem Umwelt- und Belästigungsproblem erstellt.
Die Mittwochsausgaben ausser Acht gelassen, habe ich alleine am heutigen Sonntag, den 03. April 2011,
257 Papierseiten in meinem Briefkasten gezählt. Unerwünscht.
Auch muss ich diese unerwünschte Werbung entsorgen.

Bei einer Auflage von bei der k&s von 123.056 Stück und bei der Hallo Münster von 121.827 Stück, allein am Sonntag, sind dies ungefähr 15.784.507 Papierseiten (!) die in Münster jeden Sonntag gedruckt und verteilt werden - egal ob gewollt oder nicht.
Leider kann ich die Menge der Rohstoffe nicht benennen, aber soviel ist klar: Es ist eine ungeheure Menge, meiner Meinung nach auch unnötig, insbesondere im heutigen 21. Jahrhundert, wo es Apps und Webangebote für alles gibt.
Wer sich informieren möchte, der wird sich informieren, und dem sollte die Information nicht aufgedrängt werden.

- Ich würde mich freuen, wenn Münster hier eine Vorreiterstellung im Umweltschutz einnehmen könnte und dieser Ressourcenverschwendung Einhalt geboten werden könnte.

Mir ist bewusst dass es kein Verbot solcher Werbung geben kann, aber angesichts von Rohstoffpreisen, Entsorgungskosten und Umweltkriterien muss hier, und nicht nur in Münster, ein Umdenken geschehen.
Eventuell ist es möglich alle Beteiligten an einen runden Tisch zu bewegen und eine Alternative, ein neues Umweltbewusstsein, zu finden.

Sollte die Stadt Münster in der Zukunft wieder einmal eine Umweltauszeichnung bekommen wollen, so wäre auch dieses Thema ein zu berücksichtigender Punkt.

Sehr geehrter Herr Lewe, wie sehen Sie diese Problematik?
Wo sehen Sie Potential zum Umdenken?

Ich freue mich über Ihre Antwort und verbleibe mit

freundlichen Grüßen,
Marco Hartmann
http://muenstertagebuch.wordpress.com/2011/04/03/was-fur-...

+18

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Antwort
von Markus Lewe am 20. April 2011
Markus Lewe

Sehr geehrter Herr Hartmann,

der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ist das Gebot der Stunde. In diesem Zusammenhang müssen wir auch unser Verhalten als Verbraucher und Mediennutzer hinterfragen. Ihr Beitrag bietet dazu einen guten Anlass – vielen Dank dafür!

Münster gehört bundesweit zu den Städten mit der größten Medienvielfalt. Zum Beispiel können unsere Bürgerinnen und Bürger hier noch unter mehreren lokalen Tageszeitungen wählen. Ausschließlich durch Anzeigen finanzierte Verbraucherzeitungen haben bei uns traditionell ebenfalls einen hohen redaktionellen Anspruch. Nicht ohne Grund weisen Verbraucherzeitungen auch darauf hin, dass sie für viele Menschen ein gewichtiges und häufig sogar das einzige im Haushalt vorhandene lokale Printmedium sind. Sie sind Bestandteil der Medienvielfalt und leisten einen häufig unterschätzten Beitrag zur Meinungsbildung.

Beide von Ihnen genannten Verbraucherzeitungen berichten, dass bei ihnen jeweils mehr Hinweise und Reklamationen aufgrund Nichtzustellung als aufgrund nicht gewünschter Zustellung eingehen. Wer keine Verbraucherzeitung im Briefkasten wünscht, kann das den Zeitungen telefonisch mitteilen. Beide führen für ihre Verteiler Listen mit Adressen, die von der Zustellung ausgenommen sind. Alternativ genügt es auch, den unter anderem in Schreibwarengeschäften erhältlichen Aufkleber „Bitte keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen“ am Briefkasten anzubringen. Beide Verbraucherzeitungen bestätigen, dass sie dieser Bitte Folge leisten.

Wenn Sie darüber hinaus keine adressierten Werbebriefe in Ihrem Briefkasten vorfinden möchten, können Sie sich in die Robinsonliste des Deutschen Dialogmarketing-Verbandes (DDV) eintragen. Nach Angaben des DDV enthält diese Liste mehr als 760 000 Einträge von Verbrauchern. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Online-Eintragung finden Sie unter www.ichhabediewahl.de.

Grundsätzlich möchte ich festhalten: Informations- und Meinungsfreiheit und die Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung sind Grundsubstanz unseres demokratischen Gemeinwesens. Als Verbraucher sind wir immer wieder gefordert, davon verantwortungsvoll Gebrauch zu machen. Dazu gehört für jeden und jede die Entscheidung, welche Medien genutzt werden und welche nicht.

Egal wie diese Entscheidung in Sachen Tageszeitung, Anzeigenblätter, Magazine, Illustrierte und Briefwerbung im Einzelfalls aussehen mag: Wichtig ist, dass die Printmedien nach Gebrauch nicht im Restmüll landen, sondern in der blauen Papiertonne. Dann sorgen die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) im Anschluss dafür, dass die jährlich anfallenden über 20.000 Tonnen Altpapier in Papierfabriken zu 100 Prozent wiederverwertet wird – ein gewichtiger Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, wie ich finde.

Mit freundlichen Grüßen