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Beantwortet
Autor Lukas Hülsermann am 20. Dezember 2010
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Mobilität und Verkehr

Winterdienst in Münster

Hallo Herr Lewe,

wie Ihnen wahrscheinlich nicht entgangen ist, herrscht derzeit das Chaos auf Münsters Straßen, Geh- u. Radwegen.
Der Winterdienst des AWM ist mit der Situation offensichtlich überfordert, was seine Gründe wohl in infrastrukturellen und personal-technischen Unzulänglichkeiten hat.
Sprich: Es ist nicht genug Salz und nicht genug Manpower vorhanden.

Mir ist nicht gänzlich klar warum die Situation nicht vernünftig bewältigt werden kann, ich könnte mir aber vorstellen, dass im Sektor Winterdienst einfach nicht genug investiert wird (Lagerstätten für Streumittel, vorausschauende Beschaffung, Personal), bzw. zu sehr eingespart wurde.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Vorgehensweise angesichts der Kosten, die durch die jetzige Situation entstehen (gebrochene Knochen, Sachschäden, wirtschaftliche Schäden i. d. Privatwirtschaft, gesellschaftliche Schäden wie z.B. Schulausfall, etc.), rechnet.

Hinzu kommt, dass keine pragmatischen Lösungswege eingeschlagen werden, um das Problem zu lösen. In Österreich ist es z.B. üblich, in extremen Winter-Situationen Privatleuten ein Entgelt für die Beteiligung an Räum- u. Streuarbeiten anzubieten.
Ich kann mir vorstellen, dass das daran liegt, dass sich die verantwortlichen Stellen wie z.B. die AWM, nicht eingestehen wollen oder können, dass sie nicht Herr der Lage sind.

Ein anderer Ansatz meiner Kritik ist eher moralisch und von subjektivem Empfinden geprägt, meiner Meinung nach aber trotzdem wichtig im Hinblick auf den Umgang mit dem Bürger und den Erhalt der generellen Glaubwürdigkeit der Politik.
Ich bin der Meinung, dass wenn man gut 50% seiner monetären Schaffenskraft in die Gesellschaft (auch die kommunale) einfließen lässt, man dafür auch eine Leistung erwarten kann.
Im Hinblick auf das Thema Winterdienst bewerte ich die erbrachte Leistung, im Verhältnis zum Preis, als nicht adäquat.
Im "richtigen Leben" würde ich - platt gesagt - mein Geld zurückhaben wollen.
Verschärfend hinzu kommt dann natürlich, dass dem Bürger jüngst ein ausgedehnterer Zeitraum, in dem er den Gehweg vor seinem Haus zu räumen hat, auferlegt wird.
Die Hammerstr. z.B. bietet derzeit ein Bild mit, von Privatleuten amtlich geräumten Gehwegen, die eine spiegelglatte Straße säumen.
Hunderttausende Euros werden für Picasso-Platz oder Renovierung des Kopfsteinpflasters ausgegeben, aber im Winter ist nicht genug Streumittel lagernd.
Das ist so einfach nicht in Ordnung.

Mir ist klar, dass die infrastrukturellen u. sonstigen Probleme, die ursächlich für die momentane Situation sind, nicht auf einem Blatt Papier skizziert und gelöst werden können.
Anderseits versuchen wir hier aber auch nicht zum Mars zu fliegen.

Meine eigentliche Frage ist also, was für planerische oder personelle Konsequenzen gezogen werden, um die gegenwärtige Situation, die ein absurdes Missverhältnis von Anspruch und Realität widerspiegelt, in Zukunft zu vermeiden.

Gruß,
Lukas Hülsermann

+31

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Antwort
von Markus Lewe am 31. Januar 2011
Markus Lewe

Sehr geehrter Herr Hülsermann,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Wie Sie waren auch viele andere Münsteranerinnen und Münsteraner mit dem Winterdienst auf Münsters Hauptverkehrsstraßen nicht zufrieden. Das kann ich in Teilen auch nachvollziehen. Dass es zu Verletzungen, Sachschäden oder Ausfällen gekommen ist, ist sehr bedauerlich.

Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass im Bereich Winterdienst ausreichend investiert worden ist. Einsparungen hat es nicht gegeben. Vielmehr ist in der Wintersaison 2010/2011 (Zeitraum vom 15. Oktober bis 15. April) aufgrund der extremen Witterung wesentlich mehr Geld in den Dienst geflossen. Während in einem normalen Winter Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro anfallen, rechnen die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Jahr mit Ausgaben in Höhe von 3,4 Millionen Euro.

Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) leisten den Winterdienst auf der Grundlage der städtischen Satzung und in Abstimmung mit der Verwaltungsführung und den politischen Gremien. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Beseitigung von Gefahrenstellen an Kreuzungen oder Brücken werden zusätzlich und auf freiwilliger Basis weit mehr Straßen und Radwege geräumt und gestreut.

Im Rahmen des Winterdienstes haben sich die AWM durchaus Hilfe von externer Seite geholt: Beauftragte Unternehmen waren zum Beispiel an den großen Räumaktionen in den Tagen vor Weihnachten beteiligt. Eine tolle Aktion war auch der Einsatz von 35 Landwirten, die auf Initiative vom Landwirtschaftlichen Kreisverband dem Schnee auf den Nebenstraßen in unseren Stadtteilen zu Leibe gerückt sind.

Bei allen Bemühungen ist es aber nicht zu verhindern, dass es bei derartigen Witterungsverhältnissen zu Beeinträchtigungen kommt. So werden Nebenstraßen von den AWM nicht geräumt oder gestreut und der Winterdienst auf Gehwegen ist – wie Sie schon richtig anmerkten - in der Regel auf die Anlieger übertragen worden.

Auch bei der Durchführung des Winterdienstes gibt es Einschränkungen: Wie Sie sicherlich gehört haben, gab es auch in diesem Winter Schwierigkeiten bei den Salzlieferungen. Und selbst wenn genügend Salz vorhanden ist, ist dessen Wirkung bei sehr niedrigen Temperaturen begrenzt. Dann nimmt die Tauwirkung ab und es können nur noch abstumpfende Mittel wie Split zum Einsatz kommen.

Sie stellen die Frage nach den Konsequenzen, die wir aus der Situation um Weihnachten ziehen: Wenn wir in Zukunft davon ausgehen müssen, dass solche bislang außerordentlichen Wetterverhältnisse regelmäßig auftreten, werden wir frühzeitig prüfen, wie die Stadt Münster darauf reagieren kann. Dazu haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die entsprechenden Maßnahmen koordiniert. Zu dieser Gruppe gehören neben der Leitung und Winterdienstleitung der AWM u.a. auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Feuerwehr, der Polizei, der Verkehrsbetriebe, des Tiefbauamtes und des Ordnungsamtes. Die Feuerwehr wird für die Einführung des Stabs in Zukunft federführend verantwortlich sein.

Darüber hinaus wurde bereits eine zusätzliche Halle zur Lagerung von Streusalz angemietet. Eine Bestellung in Höhe von 3.000 Tonnen Salz ist ebenfalls erfolgt – wir warten derzeit aber noch auf die Lieferung.

Mit freundlichen Grüßen