Beantwortet
Autor Antje Richter am 02. Dezember 2011
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Schule

Italienische Verhältnisse?

Sehr geehrte Ministerin Münch,

Im "Deutschen Lernatlas 2011" der Bertelsmann Stiftung schneidet der Süden durchweg deutlich besser ab als der Norden. "Die schlechtesten Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg und Bayern", bilanziert die Stiftung, seien "immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern."

Gibt es zwei Geschwindigkeiten? Die Wende ist über 20 Jahre her, inzwischen sollten sich eine neue Engagementkultur entwickelt haben.

„Föderalismus kann nicht heißen, dass jeder Seins macht“, mahnte Kamp, FDP-Obmann im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

So würden bestimmte Bundesgebiete einfach abgehängt. Es gebe „zu viel ideologischen Ballast“ in der Bildungspolitik. Kamp forderte „ein neues, übergeordnetes Koordinierungs-Instrumentarium, mit Bund und anderen gesellschaftlich verantwortlichen Akteuren, um das ewige kleinkrämerische Geschacher zu überwinden.“

Ich kann dem nur Zustimmen. Warum ist Bildung immer noch Ländersache und warum können sich die Länder nicht auf einheitliche Richtlinien festlegen?

Die Studie zeigt uns doch, einige Bundesländer können es besser!

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/bilder/popup/12222...

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Antwort
Von Dr. Martina Münch am 11. April 2012
Dr. Martina Münch

Sehr geehrte Frau Richter,

Sie haben Recht – einige Länder können es besser:

  • Bayerische Schülerinnen und Schüler schneiden beispielsweise bei Leistungsstudien meist besser als ihre Mitschüler aus anderen Ländern ab.
  • Sachsen bietet mit Abstand die meisten Ganztagsplätze an.
  • Baden-Württemberg hat die geringste Quote von Schülerinnen und Schülern, die die Schule ohne Abschluss verlassen.

Und was ist mit Brandenburg? Brandenburg gehört zu den Ländern, in denen die soziale Herkunft die geringsten Auswirkungen auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen hat. Erst kürzlich hat die Bertelsmann Stiftung in einer Studie festgestellt, dass Brandenburg bundesweit zu den Vorreitern bei Inklusion zählt. Beim Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren ist Brandenburg schon seit Jahren Spitze.

Schaut man sich all‘ die verschiedenen Untersuchungen und Studien zum Thema Bildung an, zeigt sich, dass das Gesamtbild wesentlich differenzierter ist. Die meisten Länder haben Stärken und Schwächen. Das ist übrigens auch die Einschätzung des Chancenspiegels der Bertelsmann Stiftung, der die Chancengerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme untersucht hat. Auch da hat Brandenburg übrigens in einigen Bereichen Spit-zenwerte erreicht.

Die zentralen Regelungen, die Sie anmahnen, haben wir längst: In den vergangenen Jahren wurden bundesweite Bildungsstandards verabredet, Vergleichsarbeiten in den Jahrgängen 3 und 8 eingeführt und einheitliche Prüfungsanforderungen für das Abitur erarbeitet – und aktuell wird darüber diskutiert, wie ein gemeinsames Abitur gestaltet werden könnte. Das zeigt: Die Bedingungen für und die Anforderungen an Schülerinnen und Schüler gleichen sich deutschlandweit immer weiter an.

Dass aber eine komplette Zentralisierung alle bildungspolitischen Probleme lösen würde, halte ich für einen Irrglauben. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich nach dem Ende des Dritten Reiches bewusst für eine föderale Staatsform und gegen eine starke Zentralregierung entschieden – zu Recht, wie ich finde. Föderale Systeme sind flexibler und können auf spezifische Herausforderungen vor Ort präziser reagieren. Ich bin überzeugt: Wenn es für zentrale Bereiche – wie die Vergleichbarkeit von Abschlüssen – Konsens gibt, kann die Zuständigkeit der einzelnen Länder den Wettbewerb um die besten Antworten auf bildungspolitische Herausforderungen auch entscheidend befördern.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir sehr genau hinschauen, von welchen Ländern wir etwas lernen können. So haben wir uns bei der Einführung eines verbindlichen Grundwortschatzes für Grundschüler stark an Bayern orientiert. Was jedoch Zukunftsthemen wie Chancengerechtigkeit angeht, könnte Bayern sicherlich einiges von uns lernen.

Mit freundlichen Grüßen


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