Sehr geehrte Frau Kotowski,
ich kann Ihre Verärgerung und die Ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler gut verstehen: Landesweit haben rund 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die diesjährige Nichtschülerprüfung zum Erwerb des Abschlusses der Fachschule Sozialpädagogik nicht bestanden. Diese hohe Durchfallquote ist auffällig und auch für mich aufklärungsbedürftig. Deshalb wollen wir auch wissen, woran das gelegen hat. Auffällig ist, dass auch andere Länder, bei-spielsweise Berlin und Sachsen, ähnlich hohe Durchfallquoten bei den Nichtschülerprüfungen haben.
Sie sprechen zu Recht an, dass wir insbesondere im kommenden Jahr aufgrund des bundesweiten Krippenausbaus einen höheren Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern haben werden. Das Land Brandenburg ist auf diese Herausforderung im Vergleich zu anderen Bundesländern prinzipiell sehr gut aufgestellt: Mehr als 50 Prozent der Unter-Dreijährigen besuchen derzeit eine Kita – nur Sachsen-Anhalt hat eine höhere Betreuungsquote.
Der steigende Personalbedarf hat aber auch noch einen weiteren Grund: Um die frühkindliche Förderung zu stärken, hat die brandenburgische Landes-regierung im Sommer 2010 den Personalschlüssel für die Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen von 1 zu 13 auf 1 zu 12 verbessert. Bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen wurde der Personalschlüssel von 1 zu 7 auf 1 zu 6 erhöht. Dadurch wurden landesweit rund 900 zusätzliche Stellen für Erzieherinnen geschaffen, für die das Land Brandenburg jedes Jahr rund 36 Millionen Euro bereitstellt. Damit erfüllen wir ein zentrales Wahlversprechen und setzen eines der wichtigsten kinder- und bildungspolitischen Vorhaben um. Die Erzieherinnen und Erzieher haben dadurch mehr Zeit für die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes – dadurch verbessern wir die Chancen der Kinder auf einen guten Start in ihre Bildungskarriere.
Um den absehbar steigenden Personalbedarf zu decken, haben wir vor zwei Jahren bewusst den qualifizierten Seiteneinstieg in den Erzieherberuf erleichtert. Seitdem können verstärkt Menschen mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergründen in den Kindertagesstätten arbeiten – damit erleichtern wir nicht nur die Suche nach geeignetem Kita-Personal, sondern bieten Kitas auch die Möglichkeit, ihre Profile zu schärfen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In den vergangenen zwei Jahren wurden deutlich mehr als 700 qualifizierte Seiteneinsteiger und tätigkeits-begleitende Auszubildende vom Landesjugendamt für die Tätigkeit in Kitas zugelassen. Parallel dazu haben wir auch die reguläre Ausbildung massiv ausgebaut. Befanden sich im Jahr 2002 noch 721 Schülerinnen und Schüler an den Fachschulen im Ausbildungsgang Sozialpädagogik, sind dies gegenwärtig 3.367 Schülerinnen und Schüler. Allein im Jahr 2012 werden vorrausichtlich 1.200 Schülerinnen und Schüler die Fachschulen als staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher verlassen – das ist Rekord.
Ich glaube das zeigt eindrücklich, dass wir den Einstieg in den Erzieher-Beruf – auch für Quereinsteiger – erleichtern und nicht erschweren wollen. Es gibt allerdings eine Prämisse, an der wir festhalten: Wir legen weiterhin größten Wert auf die Qualifikation der in den Kitas tätigen Personen. Die Qualitäts-standards gelten für alle angehenden Erzieherinnen und Erzieher gleichermaßen – egal, ob sie sich in einer regulären Fachschulausbildung befinden, an einer Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen oder eine Nichtschülerprüfung absolvieren.
Wir wollen es Ihnen also nicht schwerer – allerdings auch nicht leichter machen. Sie haben kritisiert, dass Sie als Nichtschülerin andere, schwerere Prüfungsaufgaben als die regulären Schülerinnen und Schüler absolvieren mussten. Richtig ist, dass Sie als Nichtschülerin zum Teil andere Aufgaben als die Schülerinnen und Schüler der Fachschulen bekommen. Dafür gibt es einen Grund: Die Schüler der Fachschulen können bereits im Laufe ihrer dreijährigen Ausbildung einzelne Leistungsanforderungen nachweisen – Nichtschüler müssen diesen Nachweis im Rahmen der Nichtschülerprüfung erbringen.
Um auszuschließen, dass die Nichtschülerprüfung schwerer als die regulären Abschlussprüfungen waren, wird das zuständige Staatliche Schulamt die schriftlichen und die mündlichen Nichtschülerprüfungen nochmals unter die Lupe nehmen. Wir wollen ausschließen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein höheres Anforderungsniveau erfüllen mussten und/oder strenger bewertet wurden.
Gleichzeitig werden wir auch mit den freien Bildungsträgern der Vorbereitungskurse Kontakt aufnehmen, um zu klären, wie sie eine möglichst optimale Vorbereitung auf eine Nichtschü-lerprüfung sichern können.
Abhängig von den Ergebnissen der Überprüfungen, werden wir gegebe-nenfalls nach Einzelfalllösungen für die Betroffenen suchen – ich bitte aber um Verständnis, dass diese Überprü-fungen einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Ich verspreche Ihnen: Qualifizierte Seiteneinsteiger sind in unseren Kitas nach wie vor jederzeit willkommen.
Mit freundlichen Grüßen
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am 09. Juli 2012
1.
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