Beantwortet
Autor Antje Kotowski am 28. Juni 2012
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Berufliche Bildung

Nichtschülerprüfung OSZ Teltow-Fläming

Sehr geehrte Frau Münch,

Ich wende mich mit diesem Schreiben an Sie, da ich und 17 weitere Teilnehmer, angehende staatlich anerkannter Erzieher/-innen, auf die Nichtschülerprüfung vorbereitet wurden und alle Teilnehmer dieser Qualifizierungsmaßnahme, nicht bestanden haben. Dieses Ergebnis zweifel ich an und bitte um Ihre Unterstützung zu Klärung des Sachverhaltes.

An einem privaten, schulischen Träger, habe ich einen 1jährigen-vollzeit Vorbereitungskurs auf die Nichtschülerprüfung (NSP) zur staatlich anerkannten Erzieherin absolviert. Die 1jährige Ausbildung hat mich sehr viel Kraft und Nerven gekostet. Vorab habe ich 6 Monate darum gekämpft, einen Bildungsgutschein von der Agentur für Arbeit (AA) zu bekommen. Psychologische Tests, durch die AA ergaben, dass ich für den Beruf der Erzieherin geeignet bin. Ich selber wünsche mir sehr, in diesem Beruf zu arbeiten.

Laut Festlegungen des Staatlichen Schulamtes Perleberg erfolgte die Prüfungsabnahme am Oberstufenzentrum (OSZ) Teltow-Fläming.
Wut, Verzweiflung und existenzielle Ängste traten nach den schriftlichen Prüfungen am Oberstufenzentrum auf, als die Noten via Post zugesandt wurden. 100% sind durchgefallen, das ist unglaublich. 1/3 von uns, mich eingeschlossen, hatten Arbeitsverträge, die an eine staatliche Anerkennung des Erzieherberufes geknüpft waren, diese sind natürlich geplatzt.

Dieser 1jährige Vollzeitvorbereitungskurs wurde durch Steuergelder finanziert.

Die 100%ige Durchfallquote und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf meinen weiteren beruflichen Werdegang veranlassen mich dazu, dass Prüfungsverfahren in Frage zu stellen und eine erneute Durchführung der Prüfung zu erwirken.

Zum Einen ist zu bemängeln, dass seitens der aufgabenstellenden Lehrkräfte zwei unterschiedliche Klausuren für die OSZ-eigenen Schüler und uns gestellt wurden.

Der Abschluss zum staatlich anerkannten Erzieher ist nach der Nichtschülerprüfung gleichwertig mit dem Abschluss nach einer dreijährigen Berufsausbildung. Eine gesonderte Prüfung für die NSP-Teilnehmer mit gleichem Ausbilungsziel erachte ich als ungerechtfertigt und sehe diese Verfahrensweise zu meiner Benachteiligung an, zu meiner Schädigung. Während der Prüfung wurde deutlich, dass die Schüler des OSZ bereits mit den Prüfungsinhalten vertraut waren. Die Prüfungsverantwortlichen, die gleichzeitig als Lehrkräfte der OSZ Schüler tätig sind, haben sich in jeglicher Hinsicht unverantwortlich und inakzeptabel verhalten.

Des Weiteren drängt sich mir die Frage auf, inwiefern das prüfungsdurchführende OSZ Teltow-Fläming mit der logistischen und inhaltlichen Prüfungsdurchführung vertraut war/ist. Laut Aussagen des bbw haben im Prüfungsjahr 2011 90% der Absolventen des Hauses ihre Prüfungen an anderen Oberstufenzentren bestanden.

Beim Unterrichten der Fachinhalte hat sich der Bildungsträger entsprechend der Fachschulverordnung Sozialwesen sehr eng an die Unterrichtsvorgaben des Landes Brandenburg gehalten. Bedauerlicher Weise wurden sämtliche Anfragen des Trägers, wie z.B. nach am OSZ verwendeter Fachliteratur, rechtzeitiger Bekanntgabe der Prüfungstermine oder Schwerpunktsetzungen nicht, ausweichend oder spätest möglich beantwortet.
Einzelne Äußerungen der prüfungsaufsichtsführenden Lehrkräfte während der Konsultationstermine deuten ebenfalls in diese Richtung. Unsere Begrüßungen wurden nicht beantwortet, Verabschiedungen „auf Wiedersehen bis zu den mündlichen Prüfungen“ mit „na, mal sehen…“ beantwortet.

In Zeiten, da pädagogische Fachkräfte dringend gebraucht werden, hat das OSZ nach meinem Eindruck bereits in den schriftlichen Prüfungen auf „Durchfallen“ geprüft.

Ich konnte in Erfahrung bringen, dass Teilnehmer der Nichtschülerprüfung, die nicht bestanden haben, ihre Prüfungen im August diesen Jahres wiederholen können. Wann wird uns diese Möglichkeit gegeben?

Ich hoffe auf eine baldige Antwort!

Antje Kotowski

+103

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Antwort
Von Dr. Martina Münch am 25. Juli 2012
Dr. Martina Münch

Sehr geehrte Frau Kotowski,

ich kann Ihre Verärgerung und die Ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler gut verstehen: Landesweit haben rund 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die diesjährige Nichtschülerprüfung zum Erwerb des Abschlusses der Fachschule Sozialpädagogik nicht bestanden. Diese hohe Durchfallquote ist auffällig und auch für mich aufklärungsbedürftig. Deshalb wollen wir auch wissen, woran das gelegen hat. Auffällig ist, dass auch andere Länder, bei-spielsweise Berlin und Sachsen, ähnlich hohe Durchfallquoten bei den Nichtschülerprüfungen haben.

Sie sprechen zu Recht an, dass wir insbesondere im kommenden Jahr aufgrund des bundesweiten Krippenausbaus einen höheren Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern haben werden. Das Land Brandenburg ist auf diese Herausforderung im Vergleich zu anderen Bundesländern prinzipiell sehr gut aufgestellt: Mehr als 50 Prozent der Unter-Dreijährigen besuchen derzeit eine Kita – nur Sachsen-Anhalt hat eine höhere Betreuungsquote.

Der steigende Personalbedarf hat aber auch noch einen weiteren Grund: Um die frühkindliche Förderung zu stärken, hat die brandenburgische Landes-regierung im Sommer 2010 den Personalschlüssel für die Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen von 1 zu 13 auf 1 zu 12 verbessert. Bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen wurde der Personalschlüssel von 1 zu 7 auf 1 zu 6 erhöht. Dadurch wurden landesweit rund 900 zusätzliche Stellen für Erzieherinnen geschaffen, für die das Land Brandenburg jedes Jahr rund 36 Millionen Euro bereitstellt. Damit erfüllen wir ein zentrales Wahlversprechen und setzen eines der wichtigsten kinder- und bildungspolitischen Vorhaben um. Die Erzieherinnen und Erzieher haben dadurch mehr Zeit für die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes – dadurch verbessern wir die Chancen der Kinder auf einen guten Start in ihre Bildungskarriere.

Um den absehbar steigenden Personalbedarf zu decken, haben wir vor zwei Jahren bewusst den qualifizierten Seiteneinstieg in den Erzieherberuf erleichtert. Seitdem können verstärkt Menschen mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergründen in den Kindertagesstätten arbeiten – damit erleichtern wir nicht nur die Suche nach geeignetem Kita-Personal, sondern bieten Kitas auch die Möglichkeit, ihre Profile zu schärfen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In den vergangenen zwei Jahren wurden deutlich mehr als 700 qualifizierte Seiteneinsteiger und tätigkeits-begleitende Auszubildende vom Landesjugendamt für die Tätigkeit in Kitas zugelassen. Parallel dazu haben wir auch die reguläre Ausbildung massiv ausgebaut. Befanden sich im Jahr 2002 noch 721 Schülerinnen und Schüler an den Fachschulen im Ausbildungsgang Sozialpädagogik, sind dies gegenwärtig 3.367 Schülerinnen und Schüler. Allein im Jahr 2012 werden vorrausichtlich 1.200 Schülerinnen und Schüler die Fachschulen als staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher verlassen – das ist Rekord.

Ich glaube das zeigt eindrücklich, dass wir den Einstieg in den Erzieher-Beruf – auch für Quereinsteiger – erleichtern und nicht erschweren wollen. Es gibt allerdings eine Prämisse, an der wir festhalten: Wir legen weiterhin größten Wert auf die Qualifikation der in den Kitas tätigen Personen. Die Qualitäts-standards gelten für alle angehenden Erzieherinnen und Erzieher gleichermaßen – egal, ob sie sich in einer regulären Fachschulausbildung befinden, an einer Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen oder eine Nichtschülerprüfung absolvieren.

Wir wollen es Ihnen also nicht schwerer – allerdings auch nicht leichter machen. Sie haben kritisiert, dass Sie als Nichtschülerin andere, schwerere Prüfungsaufgaben als die regulären Schülerinnen und Schüler absolvieren mussten. Richtig ist, dass Sie als Nichtschülerin zum Teil andere Aufgaben als die Schülerinnen und Schüler der Fachschulen bekommen. Dafür gibt es einen Grund: Die Schüler der Fachschulen können bereits im Laufe ihrer dreijährigen Ausbildung einzelne Leistungsanforderungen nachweisen – Nichtschüler müssen diesen Nachweis im Rahmen der Nichtschülerprüfung erbringen.

Um auszuschließen, dass die Nichtschülerprüfung schwerer als die regulären Abschlussprüfungen waren, wird das zuständige Staatliche Schulamt die schriftlichen und die mündlichen Nichtschülerprüfungen nochmals unter die Lupe nehmen. Wir wollen ausschließen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein höheres Anforderungsniveau erfüllen mussten und/oder strenger bewertet wurden.

Gleichzeitig werden wir auch mit den freien Bildungsträgern der Vorbereitungskurse Kontakt aufnehmen, um zu klären, wie sie eine möglichst optimale Vorbereitung auf eine Nichtschü-lerprüfung sichern können.

Abhängig von den Ergebnissen der Überprüfungen, werden wir gegebe-nenfalls nach Einzelfalllösungen für die Betroffenen suchen – ich bitte aber um Verständnis, dass diese Überprü-fungen einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Ich verspreche Ihnen: Qualifizierte Seiteneinsteiger sind in unseren Kitas nach wie vor jederzeit willkommen.

Mit freundlichen Grüßen


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