Sehr geehrter Herr Schmidt,
ich freue mich über Ihr Interesse an unserem Projekt „Schule für alle“. Mir geht es dabei insbesondere darum, dass künftig jedes Kind das Recht hat, eine Schule in der Nähe seines Wohnortes zu besuchen und dort die bestmögliche Förderung zu erfahren – egal welche Voraussetzungen es mitbringt, ob es lernschwach oder körperlich behindert ist, besonders begabt oder ein bisschen langsamer.
Diesen Anspruch wollen wir in Brandenburg ab dem kommenden Schuljahr 2012/13 schrittweise und behutsam mit dem Start des Pilotprojekts „Inklusive Grundschule“ umsetzen, an dem sich 74 öffentliche Grundschulen beteiligen. Im Rahmen dieses Prozesses werden die Schulen Erfahrungen sammeln, die für die weitere Entwicklung von Inklusion wichtig ist. Dazu gehört unter anderem auch die Rolle der Schulsozialarbeit im Inklusionsprozess.
Eins ist bereits jetzt klar: Um unsere Schulen zu inklusiven Bildungssystemen zu entwickeln, brauchen wir alle an Schule beteiligten Partner, auch die Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter. Sie sind diejenigen, die die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf oft besonders gut kennen und ihnen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten helfen können. Sie sind zugleich diejenigen, die das familiäre Umfeld dieser Kinder im Blick haben und aufgrund Ihrer Ausbildung Ideen zur Unterstützung haben, auf die eine Lehrkraft vielleicht nicht ohne weiteres kommt.
Die Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter spielen bereits jetzt eine wichtige Rolle an den Schulen, an denen sie tätig sind. In einer Inklusions-schule wird diese Rolle noch wichtiger werden. Für den konkreten Einsatz von Schulsozialarbeitern in einer inklusiven Schule machen wir allerdings bewusst keine Vorgaben.
Zum einen unterscheidet sich der konkrete Einsatzbedarf von Schule zu Schule. Zum anderen wird die Schulsozialarbeit über freie Träger und Kommunen organisiert. Veränderungen der Schulsozialarbeit infolge von inklusiven Schulkonzepten müssen von den Beteiligten konkret für jede Schule geplant und verhandelt werden. Hier spielen insbesondere die Kommunen mit ihrer Verantwortung für die Jugendhilfe eine wichtige Rolle. Auch die Arbeits- und Einkommensbedingungen, nach denen Sie fragen, werden von den Trägern bzw. Kommunen, nicht vom Land bestimmt.
Wir tauschen uns auf Landesebene am Runden Tisch „Inklusive Bildung“ regelmäßig mit allen an Inklusion Beteiligten, darunter auch den kommunalen Spitzenverbänden und den Spitzenverbänden der freien Träger, über die Weiterentwicklung von inklusiven Bildungsangeboten aus. Ich kann Sie nur ermutigen, diesen Austausch auch vor Ort mit Ihrer Schule und Ihrem Arbeitgeber zu suchen, um die „Schule für alle“ gemeinsam zu entwickeln.
Ich bin überzeugt: Wenn wir wollen, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in unserer Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung empfunden werden, müssen wir die Grundlagen dafür bereits in den Schulen legen.
Mit freundlichen Grüßen
Kommentare (0)Öffnen
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.