Beantwortet
Autor Torsten Mack am 04. Mai 2012
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Schule

Witaj

Sehr geehrte Frau Dr. Münch,

soeben bekam ich die Nachricht, dass das von Ihnen geleitete MBJS den bilingualen Unterricht faktisch abschaffen möchte. Allein die Anweisung, in den ersten beiden Schuljahren keinen bilingualen Unterricht mehr anzubieten, bedeutetet das Abreißen der Immersion. Alle Anstrengungen der Träger von Kindereinrichtungen mit Witaj-Gruppen, die mit viel Engagement sich der frühkindlichen Bildung widmen, werden daurch irreparabel zerstört. Wie passt das Handeln des MBJS zu der von Ihnen dem Brandenburgischen Landtag gegebenen Zusicherung, dass das Witaj-Projekt weiter verstetigt werden soll? Auf welcher Grundlage kommt das MBJS zu solchen Anweisungen, wo es doch selbst mehrfach die Evaluierung des Witaj-Projektes abgelehnt hat? Wieso werden die Vertreter des sorbischen/wendischen Volkes nicht informiert und damit ignoriert? Wie vereinbart sich das Handeln des MBJS mit der Brandenburgischen Landesverfassung?

Mit freundlichen Grüßen
Torsten Mack
Rat für sorbische/wendische Angelegenheiten

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Antwort
Von Dr. Martina Münch am 24. Juli 2012
Dr. Martina Münch

Sehr geehrter Herr Mack,

der Witaj-Unterricht ist von zentraler Bedeutung für die Sicherung der sorbisch/wendischen Kultur – hierin sind wir uns sicherlich einig. Deswegen war von einer Abschaffung des bilingualen Unterrichts auch nie die Rede.

Ich habe es bereits im Mai auf der Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten im Landtag Brandenburg betont und wiederhole es gerne auch hier noch einmal: Das Witaj-Projekt ist nicht gefährdet und jeder Schüler, der im Schuljahr 2012/13 an einem unserer sechs Witaj-Standorte daran teilnehmen will, wird dazu eine Möglichkeit erhalten – auch in den ersten beiden Schuljahren. Dafür haben die Schulen die entsprechende Personal-ausstattung bekommen.

Lassen Sie mich kurz erläutern, wie das Verfahren zur Personalausstattung der Schulen läuft: Die Zuweisung der Lehrerwochenstunden – auch zur Ausstattung des Witaj-Projekts – ist ein Prozess, der von Januar bis zu den Sommerferien dauert, und verschiedene Faktoren, wie die konkrete Entwicklung von Schülerzahlen und des Personalbedarfs vor Ort berück-sichtigt. Die endgültige Zuweisung der Lehrerwochenstunden erfolgt in der Regel erst am Ende dieses Prozesses.

Es tut mir leid, dass unsere schulorganistorischen Planungen im Vorfeld bei Ihnen sowie den betroffenen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern erhebliche Sorgen und Ängste ausgelöst haben. Hier hat es Kommunikations-pannen gegeben, die wir intern ausgewertet haben.

Es bleibt aber dabei, dass wir den bilingualen Unterricht weiterentwickeln und absichern wollen. Dazu gehört unter anderem, dass wir über alternative Angebote nachdenken müssen, wenn die Zahl der Schülerinnen und Schüler für eine altershomogene Lerngruppe deutlich zu gering ist. Wir müssen die vorhandenen, begrenzten Personalressourcen im Land verantwortlich und effizient einsetzen.

Um die qualitative Weiterentwicklung und Stärkung des bilingualen Sorbisch/Wendisch-Unterrichts voranzutreiben, brauchen wir eine klare Grundlage. Deswegen werden wir in den kommenden Wochen eine externe Evaluation starten – auch das hatte ich bereits im Mai angekündigt. Es freut mich, dass die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Sorbisch/Wendische Bildungs-angelegenheiten“ einen Konsens zu Eckpunkten für eine externe Evaluation des Witaj-Projekts gefunden haben. Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) wird jetzt die Ausschreibung der externen Evaluation auf Basis der gemeinsam erarbeiteten Eckpunkte vorbereiten.

Sobald die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, werden wir gemeinsam mit den Schulen und den sorbisch/wendischen Gremien diskutieren, wie wir den bilingualen Unterricht qualitativ weiterentwickeln können.

Ich kann Ihnen versichern, dass mir das Witaj-Projekt ebenso wie Ihnen am Herzen liegt – nicht zuletzt deshalb, weil auch einige meiner Kinder am bilingualen Unterricht des Niedersorbischen Gymnasiums teilnehmen.

Ich hoffe, dass ich mit diesen Klarstellungen die Sorgen ausräumen kann und dass wir gemeinsam an der Weiterentwicklung des bilingualen Sorbisch/Wendisch-Unterrichts arbeiten können.

Mit freundlichen Grüßen