Der Betrieb der Plattform wurde eingestellt. Es können daher leider keine weiteren Beiträge zur Abstimmung freigegeben werden. Die Abstimmung für Beiträge ist geschlossen. Bereits veröffentlichte bzw. beantwortete Beiträge stehen jedoch auch weiterhin zur Information zur Verfügung.

Beantwortet
Autor Gisela Ortmeyer am 06. August 2010
3461 Leser · 27 Stimmen (-2 / +25)

Armut

Entwicklungsländer

Sehr geehrter Herr Niebel,

ich finde es sehr gut, dass Deutschland die Entwicklungsländer unterstützt weil ich denke, dass unser Reichtum auch eine Verpflichtung für uns ist. Wenn ich aber lese, dass manche Länder nun schon seit 50 Jahren von uns gefördert werden und es den Menschen dort noch immer sehr schlecht geht, frage ich mich, ob wir vielleicht etwas falsch machen. Was ist Ihre Position dazu?

Viele Grüße,

Gisela Ortmeyer

+23

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Dirk Niebel am 16. September 2010
Dirk Niebel

Sehr geehrte Frau Ortmeyer,

als wir im Oktober 2009 unsere Regierungskoalition gebildet haben, haben wir uns für die deutsche Entwicklungspolitik sechs wichtige Ziele gesetzt. (Details dazu finden Sie auf unserer Internetseite unter www.bmz.de/ziele.) Ihre Frage betrifft exakt eines dieser Ziele. Es lautet: Die Wirksamkeit unserer Entwicklungspolitik steigern. Sie sehen also, welch hohen Stellenwert Ihr Anliegen auch für uns hat.

Die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Probleme der Entwicklungsländer zu lösen, ist eine enorme Herausforderung. Es ist klar, dass Verbesserungen viel Zeit benötigen und wir alle einen langen Atem haben müssen. Bedenken Sie aber bitte, dass auch wir viele Jahrzehnte benötigt haben, um unseren heutigen Entwicklungsstand zu erreichen. Klar ist auch: Wir können Länder nicht von außen entwickeln. Jedes Land muss ein großes Maß Eigenverantwortung für seine Entwicklung übernehmen. Hilfe von außen kann lediglich unterstützen.

Vor diesem Hintergrund denke ich nicht, dass wir etwas grundsätzlich falsch machen. Ich meine auch nicht, dass wir einen Anlass haben, pessimistisch zu sein, denn im Verbund mit der internationalen Gebergemeinschaft haben wir schon viel geschafft: Manche Entwicklungsländer sind inzwischen völlig unabhängig von Hilfe, sehr viele andere konnten die Armut deutlich verringern. Und auch in den Bereichen Grundbildung und Versorgung mit sauberem Trinkwasser hat sich die Situation der Menschen in den armen Ländern weltweit deutlich verbessert.

Trotzdem – das wissen wir alle – gibt es noch große Probleme. Ein Beispiel dafür ist die noch immer viel zu hohe Mütter- und Kindersterblichkeit in armen Ländern; ein anderes Beispiel ist der Klimawandel, der besonders die Entwicklungsländer belasten wird.

Insgesamt sind wir auf dem richtigen Weg und sollten ihn weitergehen. Ich stimme aber mit Ihnen überein, dass unsere Arbeit noch wirksamer werden muss.

Wie können wir das schaffen?

Wir ergreifen vielfältige Maßnahmen; sie alle aufzulisten, würde den Rahmen dieses Briefes sprengen. Einige Beispiele möchte ich Ihnen aber gerne kurz nennen:
Durch die Vielfalt der staatlichen Entwicklungsorganisationen in Deutschland, konnte sich die Wirkkraft unsere Leistungen bisher nicht optimal entfalten. Wir schließen darum einige der wichtigsten staatlichen Entwicklungsorganisationen (DED, GTZ und InWEnt) zur „Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) zusammen. Dadurch wird unsere Entwicklungszusammenarbeit übersichtlicher und effizienter. Das kommt den Menschen in unseren Partnerländern direkt zugute und ist auch im Interesse der deutschen Steuerzahler, die erwarten, dass ihr Geld effektiv verwendet wird. Mit dieser Strukturreform haben wir sofort nach Antritt der neuen Regierung begonnen und wir werden sie noch in diesem Jahr abschließen.

Ein weiterer unserer Ansatzpunkte zur Verbesserung der Wirksamkeit ist die Kooperation mit der Wirtschaft. Kein Land kann sich nachhaltig entwickeln, wenn sich nicht auch seine Wirtschaft entwickelt. Die Privatwirtschaft ist deshalb ein unverzichtbarer Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Wir werden das Engagement und die Kreativität von Unternehmen künftig noch intensiver nutzen. Auch dadurch wird sich die Wirksamkeit unserer Maßnahmen erhöhen.

Und zuletzt: Entwicklungszusammenarbeit ist nicht allein Sache der Politik, der Entwicklungsorganisationen oder der Wirtschaft. Im Gegenteil: Armut, Krieg, Infektionskrankheiten und Klimawandel betreffen uns alle. Wir sollten darum auch alle einen entsprechenden Teil der Verantwortung übernehmen.

Vielleicht fragen Sie sich: "Aber was kann einer alleine tun?" Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Einkauf fair gehandelter Produkte bis hin zur Arbeit in zivilgesellschaftlichen Organisationen. Informationen dazu finden sie auf der Internetseite meines Ministeriums unter www.bmz.de/engagement.

Ich bin überzeugt: Wenn wir alle uns stärker für die Ziele der Entwicklungspolitik einsetzen, dann kann sich etwas ändern und dann muss es nicht noch einmal 50 Jahre dauern, bis auf der Welt endlich niemand mehr hungern muss.