Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Archiviert
Autor Bernd E. am 28. Februar 2008
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Bildung

Erfahrungen, die wir von Finnland übernehmen sollten

Sehr geehrter Herr Matthias Platzeck,

da ich weiß, dass Ihnen - selbst Vater - das Wohl unserer Kinder sehr am Herzen liegt und Sie sich auch in Finnland über die dortigen Erfahrungen sachkundig gemacht haben, möchte ich Ihnen folgende Frage stellen:

Was spricht eigentlich dagegen, auch bei uns den Einsatz folgender zusätzlicher, teilweise ehrenamtlicher Schulkräfte, über Klassen- und Fachlehrer hinaus, zu erproben, wie sie mit offensichtlich gutem Erfolg im finnländischen Schuldienst tätig sind:

- Kuratoren mit sozialpädagogischer Ausbildung, die zur Entlastung
der Klassenlehrer bei allen Problemen sozialer Art (Schulschwänzen , Cliquenbildung u.ä.) eingreifen und die u.a. die Verbindung zu den Eltern suchen;

- psychologisch geschulte Erwachsene unter Schweigepflicht, zu denen die Schüler mit allen individuellen Problemen offen reden und bei denen sie die nötige Aufmerksamkeit und Zuwendung finden können (keine Lernhilfe), die -oftmals aus Zeit- oder anderen Gründen - weder Lehrer noch Eltern aufzubringen in der Lage sind; damit könnte einem individualpsychisch möglichen Leistungsabfall u.U. wirksam begegnet werden;

- gut ausgebildete Speziallehrer, die für gezielte Einzel- bzw. Kleingruppen-Leistungshilfen nach Empfehlung durch den Klassenlehrer zur Verfügung stehen; in monatlichen Spezialkonferenzen wird ein auf die einzelnen Erfordernisse abgestimmter persönlicher Lernplan zur Behebung der Lernlücken aufgestellt und im Folgenden die Ergebnisse eingeschätzt; das würde auch der uns drohenden Zwei-Klassen-Schülernachilfe den Boden entziehen;

Mir ist bekannt, dass die finanziellen Möglichkeiten dafür eine hohe Hürde darstellen, aber sollten wir nicht zum Wohle unserer Kinder, der Zukunft unseres Landes, dafür nicht andere, m.W. nicht so nötige Ausgaben umschichten können?
Die Menschen mit der nötigen Qualifikation, die hier einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können, warten doch nur darauf.

Für unserem Enkel, der jetzt die 8. Klasse einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe besucht, der erfreulicherweise zu den leistungsstärksten seiner Klasse gehört und der in seiner Freizeit als Mannschaftskapitän einer Nachwuchsmannschaft beim SV Babelsberg 03 noch zusätzlich viel Zeit bindet, wird das sicher nicht mehr Unterstützung bei der Problembewältigung sein können.
Aber ich habe noch eine bald dreijährige Enkelin....

Sehr geehrter Herr Matthias Platzeck,
bitte lassen Sie die oben beschriebenen Umsetzungsmöglichkeiten guter finnischer Erfahrungen nochmals bei uns ernsthaft prüfen.
Warum soll das hier nicht möglich werden können?

Freundlichen Gruß

Bernd Engel

PS: Ich habe Ihnen 1990, zusammen mit dem leider verstorbenen Henner Kolitzus, Vorschläge für die Raumverteilung des Umweltministeriums im Gebäude des DWD unterbreiten dürfen...
Diese Zeiten waren arbeitsreich aber ungeheuer spannend. Seitdem haben wir viel erreicht, aber am Ziel ist man wohl nie......

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