Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor udo zimmermann am 08. Juli 2010
4604 Leser · 70 Stimmen (-0 / +70) · 0 Kommentare

Landtag

Geld aus dem Vermögen der ehemaligen DDR-Parteien und Massenorganisationen

Sehr geehrter Herr Platzeck,
ich bin der Meinung dass Potsdam die Garnisonkirche nicht braucht. Wenn der Aufbau aber durch Spenden erfolgt, ist mir das egal.
Nun las ich in der PNN vom 25.06.2010 dass die Stiftung Garnisonkirche 2 Millionen Euro aus dem Vermögen der früheren Parteien und Massenorganisationen der DDR erhält. Wenn ich richtig informiert bin, hat das Land diese Mittel vergeben. Ich denke dass dieses Geld an anderer Stelle wesentlich nötiger gewesen wäre!
Nun will die Stiftung mit 400.000 Euro eine temporäre Kapelle errichten - ist das zu fassen, dafür werden öffentliche Mittel verschleudert? Diese temporäre Kapelle ist völlig überflüssig! Es gibt im Zentrum Potsdams mehrere schöne Kirche!
Wer trägt die Verantwortung für die Vergabe der Mittel an die Stiftung Garnisonkirche?
udo zimmermann

+70

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Antwort
von Matthias Platzeck am 21. September 2010
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

vielen Dank für Ihren sehr emotionalen Eintrag auf diesem Portal. Lassen Sie uns gemeinsam auf die Entscheidungsfindung für die Mittelvergabe aus dem Vermögen der Parteien- und Massenorganisationen der DDR blicken. Im Sommer vergangenen Jahres hatte die Landesregierung den Rahmen für die Verwendung dieser Mittel beschlossen. Gefördert werden können demnach auch Maßnahmen der Erinnerungskultur in unserem Land für die Zeit von 1933 bis 1989. In den Genuss der Förderung können also Museen, Gedenkstätten und Erinnerungsorte der Zeitgeschichte mit ihren Ausbauvorhaben kommen. Es geht hierbei vor allem um kulturelle Gedächtnis- und Erinnerungsorte, die einen Schwerpunkt in der Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts haben. Aus meiner Sicht gehört auch der jetzige Standort der Garnisonkirche Potsdam zweifellos dazu.

Die Garnisonkirche ist in mehrfacher Weise ein Symbol- und Erinnerungsort, da sie besonders für die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts steht: Der bedeutendste barocke Kirchenbau Norddeutschlands ist eng mit der preußisch-deutschen Geschichte verbunden, so dass er als Symbol für Aufstieg und Untergang Preußens wahrgenommen wird. Die Kirche steht für Religiosität und weltlichen Machtanspruch, für Missbrauch und Widerstand in den Jahren 1933 bis 1945 einerseits und für Zerstörung und Neuanfang 1945 bis 1989 sowie 1990 bis heute andererseits. Ich bin davon überzeugt, dass aus den genannten Gründen gerade diese Kirche für unsere Wahrnehmung der jüngeren deutschen Geschichte – und nicht nur Potsdams - eine große Rolle spielt.

Sehr geehrter Herr Zimmermann, der Landesregierung ist nicht entgangen, dass der Wiederaufbau in der Öffentlichkeit nicht unumstritten ist. Um es einfach zu sagen: An diesem Projekt scheiden sich vielfach die Geister. Dennoch bin ich der Meinung, dass die vielen Brüche und Schwerpunkte der letzten 300 Jahre deutscher Findung und Staatswerdung sich hier kristallisieren wie an kaum einem anderen Ort. Gerade in Potsdam bildet sich eine neue Gesellschaft, die sich an diesem zwiespältigen Stück deutscher Geschichte stößt und reibt, sie aber auch als eine unserer Wurzeln begreift, die es zu reflektieren gilt. Deshalb ist beabsichtigt, am authentischen Ort deutscher und deutsch-deutscher Geschichte insbesondere auch für nachwachsende Generationen einen Ort des Lernens und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu schaffen.

Mit der Förderung in Höhe von 2 Millionen Euro sollen die Grundlagen für die Planung des Wiederaufbaus gelegt werden. Dazu gehört in einem ersten Schritt die Schaffung einer differenzierten Planungsgrundlage für den Turm der Garnisonkirche als Symbol- und Wahrzeichen. Gleichzeitig sollen die räumlichen Voraussetzungen für zeitgeschichtliche Bildungs- und Aufklärungsarbeit bis zur Fertigstellung des Turms 2017 geschaffen werden. Dazu wird auch eine Ausstellung gehören. Unbestritten ist, dass diese Räumlichkeiten, die multifunktional zu nutzen sein werden, auch als Andachtsort dienen können.

Der Begriff einer Kapelle ist hier möglicherweise irreführend, denn ein solch spezieller Bau wird nicht errichtet. Die vorgesehenen Flächen werden multifunktional sein, da es sich um eine kleine Gesamtfläche handeln wird.

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass dieses Projekt - auch aufgrund der Zweckbindung der Mittel insgesamt - nicht in Konkurrenz zu anderen Vorhaben steht oder entschieden wurde. Auch an vielen anderen Stellen im Land werden derzeit aus diesen Mitteln Projekte der Zeitgeschichte an authentischen Orten ermöglicht und gefördert, so z.B. die Dokumentationsstelle des Zuchthauses Brandenburg-Görden oder auch die Überarbeitung der Dauerausstellung für DDR-Alltagskultur im Dokumentationszentrum Eisenhüttenstadt.

Mit freundlichen Grüßen