Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Fides Mahrla am 23. Juli 2007
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Wirtschaft

Landtagsbau für Brandenburg-Berlin auf dem Alten Markt in Potsdam

Landtagsbau für Brandenburg-Berlin auf dem Alten Markt in Potsdam

Sehr geehrter Herr Platzeck, die Diskussion um das wichtigste
Bauvorhaben unserer jungen Demokratie im Land Brandenburg erregt die Gemüter. Engagierte Bürger artikulieren ihre Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen an den Bauherrn. Diese werden nicht aus der Luft gegriffen,sondern entstehen in der Auseinandersetzung mit der Geschichte. Das ist eine große Chance. Wir operieren am offenen Herzen der Stadt und wollen alle, dass es wieder schlägt und den Puls der Zeit vorgibt. Im Potsdamer Stadtschloss ist derartig viel europäische Geschichte geschrieben worden, wie in keinem anderen Gebäude Brandenburgs: z.B. Toleranzedikt von Potsdam, Abschaffung der Folter, Allgemeine Schulpflicht, Bildungsoffensive, Bauernbefreiung, Stein-Hardenbergsche Reformen, Vorformen des Rechtsstaates, Allgemeines Landrecht, unbestechlicher Beamtenethos, Emanzipation der Juden und die Friedenskongresse von 1709 bis 1913. An diesem Ort werden zukünftig wieder die Geschicke des Landes bestimmt werden. Wir sind auf einem guten Weg, die Wunden von Krieg und Abriss-Nachkriegszeit zu heilen. Der Landtag hat das am 20.Mai 2005 einhellig beschlossen. Wir Bürger organisieren jetzt die Finanzierung der Wiederherstellung der historischen Elemente. Sie persönlich haben bereits eine Spendenaktie erworben. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

Meine Frage: Warum müssen wir uns Sorgen machen, dass wir einen modernen Neubau bekommen und nicht die wie im Landtagsbeschluss formulierte Anlehnung an die Um- und Aufrisse des historischen Schlossgebäudes?
Warum nutzen wir nicht alle Potentiale, um gemeinsam das Herz Potsdams qualitätsvoll zu gestalten? Der unstrittige, kunsthistorische Wert der Knobelsdorffschen Fassade - viele Originalteile sind vorhanden - ist ein Schatz, den wir nutzen müssen. Alles andere ist nicht vermittelbar - nicht an diesem Ort.
Wir wollen dafür auch Verantwortung tragen, nicht nur beim Spendensammeln, sondern auch bei der Entscheidung. Je ein Vertreter von Mitteschön und Schlossverein soll Stimmrecht in der Auswahljury bekommen.

Fides Mahrla
Potsdamer Unternehmerin und Initiatorin von Mitteschön

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Antwort
von Matthias Platzeck am 20. August 2007
Matthias Platzeck

Sehr geehrte Frau Mahrla,

die Wiederherstellung der Potsdamer Mitte war immer mein Ziel. Sowohl als Oberbürgermeister als auch als Ministerpräsident habe ich mich dafür eingesetzt.

Finanzminister Rainer Speer hat zur Beurteilung der Entwurfskonzepte für den Landtagsneubau in enger Abstimmung mit dem Landtagspräsidenten und dem Präsidium des Landtages ein hochkarätiges Bewertungsgremium sowie beratende Sachverständige berufen. Mit diesem Personenkreis steht uns ein ausgezeichnet besetztes Gremium zur Verfügung, das international erfahrene und der städtebaulichen Situation von Potsdam gegenüber aufgeschlossene Architekten sowie demokratisch legitimierte Vertreter der Interessen von Stadt und Land zusammenführt. So gehört auch der Beirat Potsdamer Mitte mit einem Vertreter dem Beraterstab an. Sie können sicher sein, dass dieser Beraterstab die zahlreichen Anregungen, aber auch berechtigten Bedenken der Potsdamer kennt und sehr ernst nimmt.

Was wir in der gegenwärtigen Zeit aber auch brauchen, ist weiterhin tätiges Engagement. Mit jeder eingeworbenen Spende erweitert sich der Spielraum für möglichst originalgetreue Flügelbauten.

Das Land betreibt derzeit ein Vergabeverfahren, um ein geeignetes Konsortium für den Bau, Finanzierung und Betrieb des neuen Parlamentsgebäudes zu finden. Bis Ende September haben die ausgewählten sechs Anbieter Zeit, ihre Vorschläge einzureichen. Diese werden anschließend in einem wettbewerblichen Dialog von oben genanntem Bewertungsgremium geprüft. Maßstab sind dabei neben den wirtschaftlichen Aspekten der außergewöhnliche stadtgestalterische und architektonische Anspruch an das neue Gebäude.

Ich gehe davon aus, dass das Verfahren zum Landtagsneubau mit großer Professionalität durchgeführt wird und würde mich sehr freuen, wenn das neue Landtagsgebäude dem städtebaulichen Anspruch und den Erwartungen der Potsdamer an ein würdevolles und funktionsfähiges Parlamentsgebäude entspricht.