Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Thomas Hecht am 08. April 2008
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Bildung

Lehrernotstand

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Ich schreibe Ihnen als besorgter Vater zweier Töchter an einer Brandenburger Grundschule (der Grundschule "Hans Fallada" in Neuenhagen), der ernsthafte Zweifel an einer qualifizierten Ausbildung hat. Es geht dabei nicht gegen die Lehrer und den Rektor der Schule, das will ich gleich voranstellen. Sondern darum, daß schon seit längerer Zeit mehrere Lehrer krankheitsbedingt fehlen und so ein qualifizierter Unterricht nicht mehr möglich ist. Wir sind auch nur eine eher kleine Schule, waren bis vor zwei Jahren nur einzügig, haben jetzt aber zwei 2.Klassen und zwei 1.Klassen. Nun ist es auch sehr schön, nur eine kleine Schule zu sein, zumindest haben wir uns bewusst für diese Schule entschieben. Inzwischen ist aber die Situation derart eskaliert, daß die beiden 2.Klassen mit insgesamt 50 Schülern in einem Raum unterrichtet werden müssen. Und das nun schon seit etwa einer Woche, ein Ende ist noch nicht abzusehen, bestimmt aber noch bis in die nächste Woche hinein. Als Elternsprecher werden von anderen Eltern nun immer Klagen an mich herangetragen, daß dieses ein wirklich absolut haltloser Zustand ist. Auch die Kinder selbst finden es "nervig". Es sei viel zu laut und natürlich zu eng. Man stelle sich das vor, 50 Kinder in einem Raum, der eigentlich schon für 25 zu klein ist. Natürlich wird es dabei laut, und mir kann keiner erzählen, daß dabei überhaupt noch irgendein Unterricht möglich sein sollte, und schon gar kein guter! Die Kinder kommen im Lehrplan einfach nicht weiter!
Wir haben auch schon beim Schulamt nachgefragt. Wir wollten wissen, wie es mit Aushilfs- und/oder Vertretungslehrern ist. Dort zuckte man mit den Schultern und verwies ans Ministerium. Angeblich mal wieder eine Frage des Geldes.
Deshalb nun meine Frage an Sie: Wie lange wird noch auf Kosten der Kinder gespart? Warum wird nicht mehr (oder auch endlich mal ausreichend) Geld in Bildung investiert? Ich stelle diese vielleicht etwas polemische Frage auch deshalb genau so, weil es auch die Antwort ist, die man von Schule und Schulamt immer wieder bekommt. Ich finde es traurig, daß die Schulen einfach keinen Puffer haben, um Fehlzeiten von Lehrer aufzufangen, ohne daß es gleich an die Qualität des Unterrichts geht! Wenn mal ein Lehrer fehlt, wird als erstes der Förder- und der Teilungsunterricht gestrichen. Gerade der Teilungsunterricht bringt viel, da mit kleinen Gruppen gearbeitet wird und man so mehr auf den einzelnen eingehen kann.
Es muss aber auch möglich sein, Situationen wie diese nicht zuzulassen. Die Lehrer fahren immer voll an der Belastungsgrenze! An unserer Schule wird inzwischen von den Lehrern auch mehr gearbeitet, die Frage ist nur: Wie lange halten sie das durch? Wann wird der nächste krank?
Zusammenfassend also die Frage:
Wann werden mehr Lehrer eingestellt und wie könnte man den flexiblen Einsatz von Aushilfslehrern organisieren?

Vielen Dank im Voraus für eine Antwort und auch vielleicht schon für eine sachgerechte Bearbeitung des Problems,
hochachtungsvoll
Thomas Hecht

+335

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Antwort
von Matthias Platzeck am 09. Juli 2008
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Hecht,

ich gebe Ihnen ohne Umschweife Recht, wenn Sie sich wegen des von Ihnen beschriebenen Unterrichtsausfalls an der Grundschule „Hans Fallada“ Sorgen machen. Und ich finde es gut, dass Sie sich engagieren, um die Situation, in die die beiden 2. Klassen unverschuldet geraten waren, zu beenden.

Unterrichtsausfall ist ein Problem, dem sich die Landespolitik mit großer Ernsthaftigkeit stellt. Deshalb wird eine Vertretungsreserve von drei Prozent stetig vorgehalten. Die Schulen arbeiten mit disponiblen Vertretungsreserven und haben zum Teil auch schon Vertretungskonzepte entwickelt, die ab dem kommenden Schuljahr vorgeschrieben sind. Nach Angaben unserer Fachleute aus dem Bildungsministerium hat sich der durchschnittliche Unterrichtsausfall von 2,3 Prozent in Brandenburg in den vergangenen Jahren kaum verändert.

Doch wir sind Realisten: Durch die Häufung von Krankheitsfällen oder aus anderen Gründen kann es immer wieder zu einzelnen Problemen kommen. Um die kümmern sich die Verantwortlichen dann auch mit Nachdruck. Sicher ist auch, dass die Situation, wie Sie sie beschrieben haben, dass 50 Kinder in einem Klassenraum unterrichtet wurden, eine absolute Ausnahme bleiben muss. Aber es war eine Situation entstanden, auf die nicht so schnell reagiert werden konnte, wie es aus Kinder- und Elternsicht wünschenswert gewesen wäre.

Für die Leser des Portals erinnere ich: Gleichzeitig drei Lehrkräfte waren krankheitsbedingt für länger ausgefallen. Das an der Grundschule „Hans Fallada“ in Neuenhagen erarbeitete Vertretungskonzept konnte das nicht abfedern und andere Maßnahmen mussten erst organisatorisch vorbereitet werden. Das Staatliche Schulamt Frankfurt (O.) hat reagiert und Mehrarbeit angeordnet oder über arbeitsvertragliche Veränderungen Vertretungsunterricht organisiert. Für die Schule wurden dauerhaft 5 Lehrerwochenstunden als zusätzliche Vertretungsreserve zur Verfügung gestellt, um den Deutschunterricht kontinuierlich absichern zu können.

Nach meinen Informationen hat das Staatliche Schulamt mit der Schulleitung der Hans-Fallada-Grundschule das Planungsgespräch zur Vorbereitung des Schuljahres 2008/2009 bereits geführt. Hierbei wurden alle absehbaren Ausfallvarianten von Lehrkräften besprochen und in ein verlässliches Planungskonzept einbezogen. Die zuständige Schulrätin hat regelmäßige Konsultationen zum Lehrkräfteeinsatz, zur Unterrichtsorganisation, sowie zur Verwendung der Poolstunden mit der Schulleitung verabredet. Kurzum: Es wurde nach besten Kräften dafür Sorge getragen, dass guter Unterricht an der Hans-Fallada-Grundschule im kommenden Schuljahr abgesichert ist.

Ich will aber ehrlicherweise hinzufügen: Dieses Versprechen bezieht sich ausdrücklich auf die Pflichtstunden. Es kann immer passieren, dass Teilungsunterricht, sofern eine Lehrkraft krankheitsbedingt ausfällt, nicht stattfinden kann. Trotzdem kann dann aber der Fachunterricht erteilt werden, aber eben nur von einer Lehrkraft und im ganzen Klassenverband und nicht geteilt in kleineren Gruppen. Das Wünschenswerte ist nicht immer das Mögliche – so sehr sich auch alle mühen.

Natürlich stößt ein Land wie Brandenburg hier auch an die Grenzen seiner finanziellen Ressourcen. Trotzdem ist und bleibt der Bildungsetat noch immer der größte Posten im Landeshaushalt. Aus gutem Grund, denn Bildung ist die Zukunftsinvestition. Darüber sind sich auch die im Parlament vertretenen demokratischen Parteien einig.

Mit freundlichem Gruß

Matthias Platzeck