Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Ghassan Abid am 14. September 2012
2966 Leser · 60 Stimmen (-0 / +60) · 0 Kommentare

Landesregierung

Migranten im Öffentlichen Dienst

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzeck,

zuallererst ein Lob zum Projekt "direktzu.de"! Ich erachte diese Möglichkeit des web-basierten Dialogs zwischen Politik und Bürger als wertvolles demokratisches Element. Machen Sie bitte weiter so!

Zum Sachverhalt:
Als Deutscher mit Migrationshintergrund studierte ich im Land Brandenburg den Studiengang Diplom-Politikwissenschaften. Mit überdurchschnittlichen Noten habe ich diesen abgeschlossen. Ferner war ich beruflich im Ausland, absolvierte zahlreiche Praktika und spreche mehrere Sprachen. Umso trauriger musste ich zur Kenntnis nehmen, dass mehrere Bewerbungen bei Brandenburger Behörden - ich schätze insgesamt 250 Stück - stets erfolglos verliefen. Stattdessen durfte ich für den Bund und das Land Berlin arbeiten.

Zu den Fragen:
1) Kann es sein, dass die Chancen eines Deutschen mit Migrationshintergrund hinsichtlich der Auswahl von neuen Dienstkräften im Land Brandenburg deutlich schlechter gestellt sind als die von Deutschen ohne Migrationshintergrund?

2) Welche Ursachen könnte dieses Phänomen der ungleichen Behandlung - so meine (unbestätigte) These - haben?

3) Und inwieweit könnte die Einführung einer entsprechenden Regelung für die Landesregierung interessant sein, um den Anteil seiner Beschäftigten mit interkulturellen Kompetenzen zu erhöhen?

Vielen Dank im Voraus!

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Pol. Ghassan Abid

+60

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Antwort
von Matthias Platzeck am 16. November 2012
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Abid,

haben Sie zuerst vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte zum Portal direktzu.de/platzeck. Für mich ist das Portal nicht nur ein demokratisches Element, die darin gestellten Fragen zeigen mir auch die aktuellen Probleme der Brandenburgerinnen und Brandenburger und durch das Voting-Verfahren auch deren Repräsentanz im öffentlichen Meinungsbild.

Zu Ihrer Vermutung, Menschen mit Migrationshintergrund würden in der Brandenburger Verwaltung schlechtere Einstellungschancen haben: Gerade bei Feuerwehr und Polizei gab es gezielt solche Einstellungen – mit durchweg positiven Erfahrungen. Die Erhöhung des Anteils von Beschäftigten mit Migra- tionshintergrund im Öffentlichen Dienst bleibt erklärtes Ziel von Bund und Ländern im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Integration. Und für Branden- burg - wie in anderen Bundesländern auch - gilt: Bei Stellenausschreibungen erfolgt die Auswahl der Personen nach Eignung, Befähigung, fachlicher Leistung und unabhängig von der Herkunft.

Sie können also sicher sein: Wie wir miteinander leben und wie wir miteinander arbeiten, zählt der Landesregierung Brandenburg zu den wichtigsten Themen überhaupt. Die Landesregierung setzt sich deshalb für ein gleichberechtigtes und auf gegenseitigem Respekt beruhendes Zusammen- leben von Brandenburger Bürgerinnen und Bürgern und den hier lebenden Menschen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität und Religion ein. Und angesichts des demografischen Wandels und des damit verbundenen absehbaren Fach- und Nachwuchskräftemangel können wir es uns überhaupt nicht leisten, auf geeignete Bewerberinnen und Bewerber für den Öffentlichen Dienst zu verzichten.

Gestatten Sie mir noch zwei persönliche Anmerkungen: Sie, sehr geehrter Herr Abid, sind Diplom-Politologe. Im Vergleich zu anderen Bildungs- abschlüssen werden für Ihre Qualifikation adäquate Tätigkeitsfelder nur in begrenztem Maße in der Brandenburger Landesverwaltung benötigt und damit ausgeschrieben. Hinzu kommt: Neben dem Bedarf sind aber auch die Einsparverpflichtungen der Landesregierung im Rahmen der Personalbedarfs- planung 2019 einzuhalten, wonach externe Einstellungen derzeit nur in begrenztem Umfang möglich sind.

Ich wünsche Ihnen für Ihren beruflichen Werdegang alles Gute und viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen