Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Stefan Urbanek am 07. März 2012
5081 Leser · 76 Stimmen (-0 / +76) · 0 Kommentare

Wirtschaft

Raketen-Pinnow ist wirklich tot

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
mit großer Verwunderung habe ich in der Wochenendausgabe der MOZ vom 3/4. März Ihre Aussage zum Gewerbegebiet Pinnow zur Kenntnis genommen die ein Redakteur auch noch zur Überschrift gewählt hatte - "Raketen-Pinnow ist wirklich tot". Als ehemaliger leitender Mitarbeiter der dort ansässigen Firma NAMMO Buck GmbH möchte ich daher Ihre Aussagen und einige andere Passagen des Artikels korrigieren.
- Da Sie mit dem Pkw angereist sind, hätten Sie die vielen Hinweisschilder bezüglich Deutschlands größten Raketenmuseums und der (Raketen-) Entsorgungsfirma NAMMO BUCK sehen müssen.
- Ihr Vorgänger Herr Stolpe, welcher sehr oft das Gewerbegebiet besuchte, hat immer die gelungen Konversion am Standort hervorgehoben. Denn nur durch die Raketenentsorgung nach der Wende konnte sich der Standort entwickeln.
- Wem meinten Sie mit der Pleite des größten Arbeitgebers - eines Abrüstungsbetriebes? Die Insolvenz der Buck-Werke 1998 war ein tiefer Einschnitt, die Abrüstungssparte der BUCK-Werke am Standort Pinnow hatte lediglich 100 Mitarbeiter von insgesamt 600. Nach dieser Pleite war es wiederum diese Abrüstungssparte die eine Überlebenschance hatte und damit der Garant für die weitere Existenz des Standortes war.
- Die NAMMO BUCK war und ist der stabilste Faktor des Gewerbegebietes Pinnow. Bis 2005 war die NAMMO BUCK auch der Verwalter des Gewerbegebietes und hat u.a. mit erheblichen Mitteln den Bahnanschluss erhalten, weil man um die Wichtigkeit für den Standort wusste.
- Falsch ist auch die Aussage, dass 2007 nur 80 Mitarbeiter am Standort beschäftigt waren. Nach der BUCK -Pleite wurden unter der Verwaltung der NAMMO-BUCK ca. 10 neue Firmen angesiedelt die 2007 ca. 160 Mitarbeiter hatten. Da die Möglichkeiten der NAMMO BUCK zur weiteren Entwicklung des Standortes begrenzt waren, wurde die Gemeinde Pinnow als neuer Träger geworben. Durch die Möglichkeiten einer Kommune mit 90% Förderung einen solchen Standort zu entwickeln, ergaben sich völlig neue Perspektiven für weitere Ansiedlungen.
- Die NAMMO BUCK war für die Gemeinde der Garantiegeber zur Erlangung der Fördermittel. Nur durch die langfristige Mietgarantie konnte die Entwicklung des Gewerbegebietes durchgeführt werden.
- Noch heute entsorgt die NAMMO BUCK Raketen, besonders solche mit den geächteten Streubomben im Gefechtskopf. Mit Ihrer Aussage haben Sie somit diese wichtige internationale Aufgabe ignoriert und die Existenz dieses wichtigen Unternehmens und seiner Mitarbeiter in Frage gestellt.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
auf Grund der Ihnen nun vorliegenden Tatsachen halte ich eine angemessenen öffentliche Richtigstellung Ihrer Aussage für dringend erforderlich.

Die korrekte Aussage könnte z.B. lauten "Raketen-Pinnow ist nicht tot - es wächst Dank der Raketen jedes Jahr etwas mehr"

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Urbanek

+76

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Matthias Platzeck am 14. Mai 2012
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Urbanek,

mit großem Interesse habe ich Ihre Zeilen gelesen. Aus Ihren Worten spricht ein erfahrener und verdienter Unternehmensmanager, der sehr viel zur Entwicklung des Industriestandortes Pinnow beigetragen hat. Für Ihr Engagement auch auf diesem Weg herzlichen Dank. Umso bedauerlicher ist es, dass Sie meine in der Märkischen Oderzeitung zitierten Äußerungen zum Standort offenbar missverstanden oder zumindest in den ´falschen Hals´ bekommen haben. Auf keinen Fall, sehr geehrter Herr Urbanek, habe ich mit meinen Bemerkungen die anhaltend wichtige Aufgabe des Munitionsentsorgers im Norden unseres Landes schmälern oder gar für beendet erklären wollen.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Unternehmen NAMMO Buck GmbH als Teil des skandinavischen Konzerns Nammo AS zu den Schwergewichten unter den Abrüstungsfirmen Deutschlands gehört. Die rund 90 Beschäftigten in der Uckermark leisten eine ungemein wichtige und nicht immer ganz ungefährliche Arbeit. Bei der Zerlegung und Entsorgung von Streubomben, Granaten, Raketen und ausrangierten Panzern ist Können und Wissen gefragt. Wie ich höre, sichern die vorhandenen Aufträge die Grundauslastung am Standort in der Uckermark in den nächsten 5 Jahren. Das ist ein wichtiges positives Signal für die ganze Region! Die Landesregierung hat die Neuausrichtung des Unternehmens nach der Insolvenz des Vorgängers Buck Inpar mit Fördermitteln kräftig unterstützt. Sie ist sich der Bedeutung der Industrie für den Nordosten unseres Landes bewusst.

Genau darauf, sehr geehrter Herr Urbanek, zielten auch meine Bemerkungen in meiner Rede bei der Locon AG in Pinnow, dem Unternehmen, das sich der Wartung von Schienenfahrzeugen verschrieben hat. Es ging mir darum, die positive Entwicklung des Industrie-Standortes insgesamt hervorzuheben. Ich habe darauf hingewiesen, dass in Pinnow nicht nur ein Unternehmen zur Vernichtung von Waffen und Munition ansässig ist und den Ort prägt, sondern sich in den letzten Jahren viele weitere Betriebe angesiedelt und qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen haben. Das war die Botschaft meiner Ansprache. Und in diesem Sinne wünsche ich natürlich auch der NAMMO Buck GmbH für die Zukunft weiter alles Gute und vielleicht ergibt sich eine Gelegenheit, dass ich mich davon vor Ort überzeugen kann.

Mit freundlichem Gruß

Matthias Platzeck