Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Günter Schlamp am 30. Juli 2007
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Bildung

Schulbibliotheken und Schulerfolg

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

ich möchte Ihnen vorschlagen, in Ihrem Land mehr für Schulbibliotheken zu tun.
International ist der Stellenwert von Schulbibliotheken hoch, unvergleichlich höher als in Deutschland. Ihr messbarer positiver Einfluss auf Schülerleistungen ist nachgewiesen.
Andere Staaten – zuletzt Österreich und Portugal – haben flächendeckend Schulbibliotheken eingeführt.
Einen Ansprechpartner für Schulbibliotheken im Brandenburger Kultusministerium gibt es nicht. Das Ministerium verlangt nur, im Laufe der Schulzeit gelegentlich öffentliche Büchereien zu besuchen. Das ist angesichts der Ergebnisse der internationalen Schulleistungstests bemerkenswert wenig. In Hessen besuchen immerhin über 70% der Grundschüler/innen eine Schule mit Bibliothek, während der Bundesdurchschnitt bei 50% liegt. Den Brandenburger Wert kenne ich nicht. (Ich bin nach Beendigung meiner Zeit als Schulleiter in Hessen ins schöne Potsdam umgezogen.)
Es geht nicht um die Zusammenarbeit mit und den Besuch von öffentlichen Bibliotheken.
Wenn es um die Verbesserung der Lesefähigkeit, der Leseförderung, um Medien- und Informationskompetenz (Recherchieren, Präsentieren) geht, sind moderne multimediale Bibliotheken auf dem Schulgelände nötig, die ohne Zeitverlust täglich genutzt werden können, wie in USA, Kanada, Australien, England, Schweden und anderswo. Oder warum geben die alle dafür Geld aus?
Da ich eine konkrete Frage stellen soll: Was tut Ihre Regierung bisher und zukünftig zur Förderung des brandenburgischen Schulbibliothekswesens?
(Die Zuständigkeiten im Schul- und Bibliothekswesen in Deutschland sind mir bekannt. Sie hemmen die Entwicklung. Das kann Politik überwinden)

Mit freundlichen Grüßen

Günter Schlamp

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Antwort
von Matthias Platzeck am 24. September 2007
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Schlamp,

ich freue mich über Ihr Engagement für mehr Leseförderung im Land Brandenburg, Ihrer neuen Heimat. Die Stärkung der Lesekompetenz ist auch für mich ein Schlüssel für den individuellen Bildungserfolg. Wer Texte und seine Inhalte nicht richtig erfassen kann, wird große Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben und er wird nur begrenzt in der Lage sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen sowie am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Deshalb ist Leseförderung Teil des vorsorgenden Sozialstaats. Die Initiativen, die für Leseförderung im Land Brandenburg in den vergangenen Jahren gestartet wurden, sind vielfältig, aber offensichtlich zu wenig öffentlich bekannt.

Für die Sprach- und Leseentwicklung von Kindern- und Jugendlichen spielen Bibliotheken eine wichtige Rolle. Deshalb fördert das Land die Infrastruktur sowie den Verbund der öffentlichen Bibliotheken,141 sind davon hauptamtlich und 83 ehrenamtlich geleitet, in sogenannter Gemeinschaftsaufgabe mit den Kommunen, die für deren Unterhaltung zuständig sind. Die Kommunen als Schulträger sind auch für die Einrichtung von Schulbibliotheken zuständig. Angesichts der Finanzkraft von Land und Kommunen hat eine Erweiterung des Bibliotheksnetzes jedoch seine Grenzen. Man mag das bedauern, gleichwohl hat das Bildungsministerium viel für die Entwicklung von Leseinteressen getan.

Schulbibliotheken konnten zum Beispiel im Rahmen der Umsetzung des Ganztagsschulprogramms gefördert werden. 13 Prozent der in den Jahren 2004- 2006 bewilligten Zuwendungen im Rahmen der Selbsthilfeprojekte wurden zur Verbesserung der Medienausstattung der Schulen, für Schulbibliotheken und -mediotheken sowie Internet-Cafés oder Medieninseln genutzt. Als erstes Bundesland hat das Land Brandenburg im Jahre 2002 auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V., Landesverband Brandenburg, abgeschlossen. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass Schulen mit Bibliotheken gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Inzwischen haben rund 130 Bibliotheken im Land mit 740 Schulen und 240 Kitas spezielle Kooperationsvereinbarungen. Die Bibliotheken bieten Klassen- und Gruppenführungen, Unterricht in der Bibliothek, Autorenlesungen, Leseaktionen, Elternberatungen, Einführungen in den Umgang mit neuen Medien und Lehrerfortbildungen. Sechs mobile Bibliotheksbusse mit 500 Haltepunkten unterstützen die Schulen und Kindergärten in ländlichen Regionen.

Und lassen Sie mich hinzufügen: Lesen nimmt als Schlüsselkompetenz einen hervorgehobenen Platz ein und ist eine festverankerte Querschnittsaufgabe im Unterricht an unseren Schulen. Leseförderung macht sich deshalb nicht allein am Vorhandensein einer Schulbibliothek fest. In den Grundschulen zum Beispiel findet Lesen nicht nur im Deutschunterricht statt, sondern wird als fächerübergreifende Aufgabe verstanden. Für 60 Prozent der Brandenburger Schulen ist Leseförderung eine Schwerpunktaufgabe. Unterstützt wird dieser Prozess durch das Landesinstitut für Schule und Medien. Bisher wurden 16 Beraterinnen und Berater für die Leseförderung qualifiziert. Sie sind seit drei Jahren als regionale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den Schulen tätig. Das Brandenburgischen Literaturbüro plant über 50 Lesungen jährlich in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Theatern, Verlagen, Buchhandlungen, Galerien und Museen speziell für Schulen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Schreibprojekte und Wettbewerbe.

Trotz dieser Bilanz bin ich für Ihre Anregungen dankbar.

Mit freundlichem Gruß