Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien erfahren haben, werde ich am 28. August vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Deshalb wird es mir künftig nicht mehr möglich sein, Ihre Fragen an dieser Stelle zu beantworten. Der Bürgerdialog über das Onlineportal direktzu.de hat in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Anliegen und Problemen von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern, thematisiert. Ich habe mich über die anhaltende Resonanz sehr gefreut. Sie dokumentierte Ihr Interesse am Lebensumfeld, aber auch an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Portal war für mich wichtiger Anzeiger, welche Sorgen, Probleme oder Anliegen die Menschen im Land bewegen. Es bot die Möglichkeit, politische Bewertungen aus der brandenburgischen Bevölkerung ungefiltert und direkt zu erfahren. Und ebenso offen und geradeheraus habe ich mich stets um Antwort bemüht. Für mich war darüber hinaus entscheidend, dass das Voting-Verfahren den öffentlichen Diskurs bei uns im Land befördert. Fragesteller und auch ich wussten dadurch: Das interessiert Viele!

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Vertrauen und die vielen interessanten Fragen und Einschätzungen.

Herzlichst

Ihr

Matthias Platzeck

Beantwortet
Autor Norbert Ullmann am 14. Mai 2013
5482 Leser · 54 Stimmen (-0 / +54) · 0 Kommentare

Vorhaben, Vorschläge und Ideen

Weiterbetrieb Flughafen Tegel

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Platzeck,

in der Diskussion um den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel möchte ich folgende Punkte anführen:

1. Das Planfeststellungsverfahren legte aufgrund der Enttäuschung von MP Stolpe wegen der Nichtberücksichtigung von Sperenberg als Flughafen- Standort fest, dass die beiden Berliner
Flughäfen, Tempelhof und Tegel, geschlossen werden, um die Wirtschaftlichkeit eines neuen Flughafens am Standort Schönefeld sicherzustellen.

Die damaligen Vorgaben des MP Stolpe bestimmten die Wirtschaftlichkeit des BER bei einem Passagieraufkommen von 20 Mio. Fluggästen und flossen in das Planfeststellungsverfahren ein. In den 90ern war der rasante Aufschwung des Flugverkehrs in der Region Berlin/ Brandenburg wohl noch nicht absehbar.

Da das Passagieraufkommen derzeit bei ca. 27- 28 Mio. Fluggästen liegt, wäre die wirtschaftliche Kennzahl von 20 Mio. am Flughafen BER anwendbar.

Der Flughafen Tegel würde zurückgebaut auf seine ursprüngliche Kapazität von 6 - 7 Mio. Passagieren.

Um die Wirtschaftlichkeit von TXL und BER zu gewährleisten und welcher Flugverkehr wo stattfinden würde, könnten kreative Köpfe oder Computersimulationen herausfinden.
Germanwings mit Geschäftskunden wäre wohl 1. Anwärter für den Flugbetrieb in Tegel.

2. Der Vorteil des Weiterbetriebs Tegels wäre ja auch die Lastenverteilung an Lärmaufkommen.

Der Ministerpräsident Platzeck könnte Pluspunkte ohne Ende bei den lärmbetroffenen Wählern in Brandenburg sammeln, wenn er das Lärmaufkommen durch die Verteilung des Flugverkehrs an zwei Standorten nachhaltig vermindern helfen würde.

Auch die betroffenen Reinickendorfer oder Spandauer könnten sich mit einem Flugverkehr von 6- 7 Mio. Passagieren anfreunden.
Die Nachtflugzeiten an beiden Flughäfen könnten Nachtruhegerecht gestaltet werden.

Deshalb ist das Ansinnen des Herrn Mehdorn für eine Weiterführung des Flughafens Tegels durchaus berechtigt und sinnvoll.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Ullmann

+54

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Antwort
von Matthias Platzeck am 03. Juli 2013
Matthias Platzeck

Sehr geehrter Herr Ullmann,

binnen weniger Monate sind Sie der dritte Fragesteller, der auf meinem Portal mit einer Wortmeldung zum Thema Flughafen Tegel nach oben gevotet wurde. Haben Sie also vielen Dank für Ihren engagierten Beitrag, in dem Sie sich als Anhänger einer Gruppe von Tegel-Fans zu erkennen geben. Und weil Sie explizit auf Brandenburger Lokalpatriotismus abheben, gleich zu Beginn eine Klarstellung. Zur Wahrheit gehört auch, dass viele Menschen beiderseits der Berliner Stadtgrenzen einen ganz anderen Wunsch haben: Dass nämlich mit der Inbetriebnahme unseres neuen Flughafens Berlin Brandenburg endlich die Lärmbelastung, die von Tegel ausgeht, endet. Ich darf in Erinnerung rufen, dass die Entscheidung für einen alleinigen Zukunftsflughafen in Schönefeld mit einem deutschlandweit vorbildhaften Schallschutzstandard im Umland ja gerade auch aus der Erwägung heraus gefallen ist, mit der Schließung von Tempelhof und Tegel Hunderttausende Menschen im eng besiedelten Metropolenraum zu entlasten.

Es bleibt dabei: Für Tegel gelten klipp und klar die Berliner Schließungs- beschlüsse! Wenn der BER an den Start geht, muss Tegel innerhalb von etwa sechs Monaten vom Netz. Abweichungen von einigen Wochen oder Monaten sind – je nach Eröffnungsszenario in Schönefeld – vielleicht denkbar. Ein dauerhafter Weiterbetrieb ist es nicht. Darüber sind sich Brandenburg, Berlin und der Bund als die drei Gesellschafter einig. Sie stützen sich dabei auf eine seriöse Investitionsplanung. Diese hat mit dem umfangreichen und höchstrichterlich bestätigten Planfeststellungsverfahren für den Single-Standort Schönefeld stattgefunden. Hinzu kommt: Ein Parallelbetrieb des neuen Flughafens BER und von Tegel ist nach den mir bekannten Prognosen wirtschaftlich absolut nicht sinnvoll.

Sehr geehrter Herr Ullmann, nach meiner festen Überzeugung sollten wir all unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, den BER nun endlich an den Start zu bringen. Alle Debatten über einen Weiterbetrieb von Tegel lenken nur von dieser Grundwahrheit ab. Ich als brandenburgischer Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzender werde alle meine Kraft darauf verwenden, dass unser neuer Flughafen als Single-Airport wirtschaftlich erfolgreich und für Millionen Touristen und Geschäftsreisende aus aller Welt eine attraktive und einladende Visitenkarte für die Hauptstadtregion wird.

Anmerkung des Webmasters: Der Ministerpräsident hat sich auf diesem Portal bereits zweimal mit dem Thema Tegel auseinandergesetzt. Zum Nachlesen finden Sie anbei die entsprechenden Links.

http://www.direktzu.de/platzeck/messages/mehdorns-liebese...

http://www.direktzu.de/platzeck/messages/fehlender-laerms...

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Platzeck