Aufgrund des Ministerpräsidentenwechsels in Sachsen-Anhalt werden keine weiteren Beiträge zur Abstimmung freigegeben werden. Die Beantwortung ist geschlossen. Bestehende Anfragen und Antworten sind weiterhin sichtbar.

Ministerpräsident Prof. Dr. Böhmer dankt allen Nutzern der “direktzu Böhmer”-Plattform für Ihr Interesse und Ihre Aktivität.

Beantwortet
Autor Mechthild Kramme am 02. September 2010
4201 Leser · 29 Stimmen (-6 / +23) · 0 Kommentare

Landesentwicklung und Verkehr

Fachkräftemangel gefährdet Sachsen-Anhalts Wirtschaft

Lieber Herr Prof. Dr. Böhmer,

zunächst möchte ich Ihnen für die Möglichkeiten danken, mich direkt an Sie wenden zu können und dabei auch noch andere Bürger auf Missstände aufmerksam zu machen.

Mit Interesse habe ich die Äußerungen der FDP Sachsen-Anhalt zum Fachkräftemangel verfolgt. Herr Wolpert zufolge fehlen unserem Land um 2020 zwischen 50.000 bis sogar 150.000 Fachkräfte. Dies wird enorme Schäden für die im Land ansässigen Unternehmen zur Folge haben.

Von Ihrer Regierung habe ich bisher Ähnliches nicht gehört. Die FDP plant die Zuwanderung geeigneter Fachkräfte zu fördern.

Wie sehen Ihre Konzepte zur Lösung dieses Problems aus, Herr Böhmer?

Mit freundlichen Grüßen,

Mechthild Kramme

+17

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Prof. Dr. Wolfgang Böhmer am 05. Oktober 2010
Prof. Dr. Wolfgang Böhmer

Sehr geehrte Frau Kramme,

danke für Ihre Frage, die ich gern beantworte:
Laut einer Studie des Wirtschaftsministeriums von Sachsen-Anhalt wird die Zahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bis zum Jahr 2016 um ca. 155.000 auf 1,07 Millionen sinken (-13 %). Dabei werden trotz der noch immer hohen Arbeitslosigkeit bereits jetzt erste Fachkräfteengpässe sichtbar. Nach einer aktuellen Umfrage (IAB-Betriebspanel) konnten im ersten Halbjahr 2009 fast 20 Prozent aller durch die heimische Wirtschaft angebotenen Arbeitsplätze nicht durch adäquate Fachkräfte besetzt werden.

Der Fachkräftemangel ist demnach nicht nur ein Problem der Zukunft, sondern auch der Gegenwart. Im Juni 2010 haben deshalb Vertreter von Politik, Kammern, Arbeitsagentur, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaft, Landkreistag sowie Städte- und Gemeindebund in Magdeburg einen „Fachkräftesicherungspakt“ unterzeichnet. Dieser ersetzt das „Vorgängermodell“, den erfolgreichen Pakt für Ausbildung, und bündelt Instrumente und Kompetenzen zur Fachkräftesicherung für die heimische Wirtschaft.

Als Orientierung und Richtschnur haben die Unterzeichner des Fachkräftesicherungspaktes drei Oberziele formuliert, die am Ende der langfristig angelegten Zusammenarbeit erreicht sein sollen.

Erstens: Das Bildungssystem ist leistungsfähig und wird auf die Bedarfe von Fachkräftenachfrage und -angebot abgestimmt.

Zweitens: Das bestehende Erwerbspersonenpotential im Land Sachsen-Anhalt ist erfasst und wird genutzt.

Und drittens: Die Wirtschaft hat sich auf den demografischen Wandel eingestellt.

Aus diesen drei Oberzielen wurden vielfältige Handlungsfelder abgeleitet sowie mögliche Akteure für die Umsetzung benannt.

Der Fachkräftesicherungspakt macht deutlich, dass Landesregierung, Kommunen, Arbeitsverwaltung und Tarifpartner den Ernst der Lage erkannt und rechtzeitig reagiert haben.

Ich bin überzeugt, dass der Pakt dazu beitragen wird, in Sachsen-Anhalt einen zukünftig ausgeglichenen Arbeitsmarkt von Fachkräfteangebot und -nachfrage zu erreichen – ebenso wie die gezielte Förderung der Zuwanderung von Fachkräften, die Herr Wolpert ins Spiel gebracht hat. Aber Zuwanderung allein würde die Probleme nicht lösen, ich setze deshalb vor allem auf Ausbildung und Qualifizierung unserer sachsen-anhaltischen Landeskinder.

Mit freundlichen Grüßen