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Beantwortet
Autor Daniel Hopfner am 11. Januar 2010
4952 Leser · 78 Stimmen (-11 / +67)

Unterricht und Kultus, Wissenschaft, Forschung und Kunst

Die gymnasiale Oberstufe

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die gymnasiale Oberstufe bietet eine wichtige Grundlage für
das bevorstehende Studium. Ich sehe jedoch keine Möglichkeit,
Bayern voranzubringen, wenn ich mir derzeitige Situation an
den Gymnasien anschaue.
Als Schüler der 11. Jahrgangstufe erlebe ich hautnah mit, wie
lautstark gegen das G8 protestiert wird. Viele beschweren sich über mangelnden Einrichtigungen, auch in der Schule ungestört arbeiten zu können, oder die immense Belastung durch viele Klausuren.
Da bereits bei der Einführung des 8-jährigen Gymnasiums meiner
Meinung nach viele Fehler gemacht wurden, möchte ich an Sie
appellieren, in den kommenden Jahren den Fokus auf die Bildung zu setzen, ausreichend Studienplätze zur Verfügung zu stellen und den Lehrplan zu reduzieren.

Viele Grüße aus Ingolstadt
Daniel Hopfner

+56

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Antwort
von Horst Seehofer am 23. Februar 2010
Horst Seehofer

Sehr geehrter Herr Hopfner,

beste Bildungschancen für jeden unabhängig von seiner geographischen oder sozialen Herkunft sind mir ein Herzensanliegen. Die Bildungspolitik wird deshalb in den kommenden Jahren der Schwerpunkt der Arbeit meiner Staatsregierung sein. Wir werden bei der Bildung weiterhin stark investieren, auch wenn wir in anderen Bereichen den Gürtel enger schnallen müssen: Zu diesem Versprechen stehe ich!

Beim Gymnasium ist unser Ziel, die Qualität des bayerischen Abiturs zu sichern und unsere Absolventen bestmöglich auf die gestiegenen Anforderungen in Studium und Beruf vorzubereiten. Die gymnasiale Oberstufe wurde deutschlandweit neu gestaltet, u.a. durch Stärkung der für die allgemeine Studierfähigkeit zentralen Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache und durch ein Mehr im Bereich der Studien- und Berufsorientierung. Bayerisches Markenzeichen sind die beiden neuen Seminare – schon durch sie können Sie sich einen Vorsprung gegenüber Abiturienten aus anderen Bundesländern verschaffen.

Derzeit erleben Sie die tägliche Herausforderung, die mit der Umsetzung von Veränderungen stets verbunden ist. Daher sind uns Ihre Hinweise darauf, wo es bei diesem Prozess knirscht, sehr wichtig. Diese haben bereits bewirkt, dass die Lehrpläne im Rahmen des Vertretbaren gekürzt wurden und sich auf abiturrelevanten Kernstoff konzentrieren. Auch bei Fragen des Stundenplans oder beim Niveau der Leistungserhebungen wurde bereits gehandelt. Im Februar hat das Kultusministerium den Lehrkräften zusätzliche Orientierungshilfen zur Verfügung gestellt, damit in allen Fächern das Grundkursniveau einheitlicher Maßstab ist. So wollen wir unnötigen Leistungsdruck vermeiden, gleichzeitig aber auch sicherstellen, dass hinter den Notenpunkten im Abiturzeugnis auch künftig die Qualifikationen stehen, die von Unis und Arbeitgebern erwartet werden. Dort, wo Anforderungen unreflektiert gesenkt werden und zu Qualitätsverlusten führen, verlieren die Zeugnisse an Wert. Wir wollen aber kein Abitur nach dem Abitur, nichts anderes wären nämlich generelle Hochschuleingangsprüfungen.

Ich stimme Ihnen zu: Für das Lernen sind auch die äußeren Rahmenbedingungen wichtig. Da noch bis 2011 zwei Abiturienten-Jahrgänge parallel geführt werden, entstehen leider immer wieder Raumnöte, die vor Ort angepackt werden müssen. Die Bayerische Staatsregierung hat Vorkehrungen für Ihren Studienbeginn 2011 getroffen: Wir schaffen 38.000 zusätzliche Studienplätze sowie 3.000 neue Stellen für Professoren und Mitarbeiter. Außerdem steht zusätzlicher „Lernraum“ (rund 130.000 qm) zur Verfügung, da an den Hochschulen weitere Baumaßnahmen ermöglicht und zusätzliche Finanzmittel für Anmietungen bereitgestellt wurden.

Nun kommt es darauf an, dass die Schulleitungen und Lehrer Sie und Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler unterstützen, aber auch fordern. Die Staatsregierung wird den Umgestaltungsprozess weiter sehr aufmerksam begleiten und handeln, wo es notwendig ist. Dieser Weg verlangt allen Beteiligten viel ab. Ich baue dabei aber auf Sie: Bringen Sie sich weiter ein, denn davon profitieren Sie und die späteren Jahrgänge!

Mit den besten Wünschen und freundlichen Grüßen