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Autor M. Peres-Krepele am 07. Oktober 2009
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Gleichstellung

Dipl. Designerin

Sehr geehrte Ministerin Frau Dr. von der Leyen,

Bei Ihrem Besuch im Studio von 'TV Mittelrhein' in Koblenz vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit, Sie aus nächster Nähe zu erleben. Da ich Sie hinsichtlich Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Arbeit als Ministerin und als mutmachende Frau & Mutter sehr schätze, war ich sehr froh zu dem ausgewählten Kreis der Besucher zu zählen.

Meine Frage bezieht sich auf das Thema 'Gleichstellung'. Ich bin 48 Jahre alt und habe vier Kinder (23, 22, 12 und 9 Jahre alt, die zweite Tochter ist von Geburt an schwerbehindert, die Jüngste durch ADHS ein 'Problemkind'). Mein erster Mann starb als meine erste Tochter 7 Jahre alt war.

Als Diplom-Designerin (FH), unterrichte ich seit einigen Jahren als Lehrbeauftragte an der FH Koblenz (Bauwesen) und am Institut für Kunstwissenschaft (IKW) der Universität Koblenz. Dort hatte ich in den letzten drei Jahren eine Vertretungsstelle für Design-Theorie und Werkspraxis Design. Außerdem bin ich als Designerin selbstständig und habe z.B. mit meinem Produkt 'Kletterschnecke' 2005 den 'Designpreis Rheinland-Pfalz' erhalten. Das Produkt, ein Klettergerät aus Edelstahl mit skulpturhaften Qualitäten, wurde auch für den 'Preis der Bundesrepublik' nominiert.

Das hört sich alles nicht schlecht an, nicht wahr? Aber zum Familieneinkommen trägt das leider nicht viel bei... Lehraufträge werden mit 21 Euro bezahlt, meine Vertretungsstelle als 'Wissenschaftliche Mitarbeiterin' mit 9 Euro die Stunde! Natürlich Semesterverträge ohne jegliche Absicherung. Um meine Qualifikationen wesentlich zu verbessern, absolvierte ich noch ein Qualifikationsstudium (Zulassung zur Promotion). Durch die Promotion hätte ich -zusammen mit Lehrerfahrungen und Erfolgen im Design - optimale Voraussetzungen zur Bewerbung von ausgeschriebenen Professuren (FH). Nach Bewilligung meines Themas 'Design im Unterricht' möchte ich mich nun um ein Promotionsstipendium bemühen.

Gibt es speziell für Frauen in meiner Situation Stipendien?

Durch meine Vita, die durch persönliche Schicksalsschläge geprägt ist, fehlen mir z.B. Nachweise über 'gesellschaftspolitisches Engagement' (bei den politischen Stiftungen) und ein paar Jahre mehr als bei anderen gehen natürlich auch ins Land... Bis meine behinderte Tochter vor zwei Jahren in eine nahegelegene Wohngruppe zog, war an eine Vollzeitbeschäftigung nicht zu realisieren. Zumal ich vermehrt in unserem 'Mehrgenerationenhaus' gefragt bin: meine Eltern (Mutter 82, zunehmend dement, Vater 84, an Parkinson erkrankt) und meine 94-jährige Tante benötigen immer mehr Hilfestellungen. Ein Beweggrund mehr für meine Doktorarbeit, die ich vorwiegend zu Hause schreiben kann. Aber es wäre für mich unendlich wichtig, endlich einmal ohne zusätzliche finanzielle Sorgen mein Projekt durchführen zu können.

Ohne einen grossen Familienzusammenhalt, meine Kreativität als treibende Kraft und mein lebenslanger, kämpferischer Einsatz für Ziele, hätte ich es nicht so weit gebracht.

Sind denn nicht meine vergangenen 20 Jahre mit eigener Großfamilie und dem Leben im - von Ihnen Frau Ministerin so protegierten - Mehrgenerationenhaus 'gesellschaftspolitisches Engagement' genug? Abgesehen davon, dass dann schlichtweg die Zeit fehlt, neben Schulveranstaltungen und Sportverein, noch eine X-te Aktivität unterzubringen.

Sie haben mir Mut gemacht. Danke dafür! Ich denke, es ist manchmal wichtig, die einzelnen Menschen aus dem 'Volk' zu sehen. Auch Danke dafür, dass Sie meinen leidenschaftlichen Appell gelesen haben.

Mit herzlichem Dank im voraus für Ihre Reaktion, ich freue mich über die neue Koalition.

Marie-Luise Peres-Krepele
Dipl. Designerin

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