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Autor Barbara Lieser am 16. Januar 2009
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Familie

Familienzeit

Sehr geehrte Frau von der Leyen,
zunächst meinen herzlichen Dank und meine höchste Anerkennung für Ihr eindeutiges Engagement für Familienarbeit.
Sie haben politisch schon eine Menge bewirkt.
Meine persönliche Situation ist so, dass ich bedaure, dass alles das nicht schon früher geschehen ist.
Ich habe vor 24 Jahren ein Studium im Examen abgebrochen wegen eines Kindes, dem dann so schnell 2 weitere folgten, dass, da mein Mann sehr intensiv berufstätig war, ich 12 Jahre zuhause war. Eine Wiederaufnahme des Studiums war dann nicht mehr sinnvoll.
Ich habe, als das jüngste Kind 7 Jahre alt war, mit Hilfe von bezahlten Kräften wieder anfangen können, einen neuen Berufsweg zu verfolgen, der nun auch in eine Festanstellung gemündet hat. Ich bin mit dem Beruf sehr zufrieden (arbeite in einem Jugendamt), bin aber ziemlich verbittert darüber, dass nach dem Scheitern der Ehe vor 4 Jahren meine ehe- und Kinderbedingten Karrierenachteile durch das neue Scheidungs- und Unterhaltsrecht überhaupt nicht mehr ausgeglichen werden.
Im Ganzen habe ich allein den Preis dafür zu zahlen, dass meine Kinder in Zeiten des Kindergartens von 8:00 bis 12:00 Uhr eine schöne Kindheit haben konnten und muss mir noch von meinem Mann sagen lassen, das sei keine richtige Arbeit gewesen.
Ich sehe täglich in meiner Arbeit, wie wichtig eine funktionierende Familie und engagierte Eltern neben guten, wirklich guten, Betreuungseinrichtungen sind.
Dass auch Väter mehr beteiligt werden sollen an der Erziehungsarbeit und die gesetzlichen Änderungen insgesamt die familiäre Situation verändern werden, ist gut.
Dennoch habe ich nach wie vor den Eindruck, auch aus meinem eigenen privaten und beruflichen Erleben, dass die Bildung und Erziehung von Kindern immer noch nicht die Wertschätzung genießt, die sie haben sollte. Als könnten gute, funktionierende und gesunde Bürger nebenbei großwerden, als sei das eine Aufgabe für Doofe, quasi im Vorbeigehen zu erledigen. Das spiegelt sich in der Vergütung von ErzieherInnen ebenso wieder wie in den Gruppenstärken der Kindergärten.
In meinem Fall in der mangelnden sozialen und materiellen Wertschätzung, die meine Erziehungszeit ( von 1984 bis 1992) mir gebracht hat.
Das neue Unterhaltsrecht hätte nur gelten sollen für Ehen, die nach dem Stichtag geschlossen wurden. Man kann nicht im Nachhinein die Vertragsbedingungen ändern und die Mütter, die sich unter anderen Bedingungen auf das Risiko Familie eingelassen haben als "eben blöd gewesen, Pech gehabt" im Stich lassen.
Werden Sie
a) weitere Anstrengungen unternehmen, um insgesamt die Wertschätzung von Erziehung weiter zu fördern
b) initiativ werden, um mir und allen anderen Müttern, die sich unter anderen Voraussetzungen auf Familie eingelassen haben, die Verarmung zu ersparen (sprich eine Übergangsregelung zu initiieren)?
Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen, weiterhin viel Kraft und Erfolg!
B. Lieser

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