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Autor Michael Masatsch am 20. Mai 2009
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Sonstiges

Fortschreitende Entmündigung der Bürger / Verbots-Welle

Sehr geehrte Frau von der Leyen.
Mein Name ist Michael Masatsch. Ich bin 33 Jahre alt und alleinstehender Angestellter. Ich schreibe aus einer tiefen Unzufriedenheit bzw. Frustration bezüglich unserer Regierung heraus: Im Zuge des Jugendschutzes scheinen Sie sich auf schnelle, publikumswirksame Maßnahmen zu konzentrieren und dabei in Kauf zu nehmen, die Rechte aller durch allgemeine Verbote einzuschränken.
Ich bin mir sicher, dass Sie die ergriffenen Schritte wie Verbot von Paintball, Verbot von Alkoholverkauf nach 22 Uhr an Tankstellen, Vergrößerung der Alterskennzeichnung auf Videospielen/ Filmen oder die Einschränkung des Internet als die „Ultima Ratio“ verteidigen werden. Sie können aber bestimmt nicht abstreiten, dass hier eine fortschreitende Entmündigung der Bürger oder bestimmter Randgruppen (Paintballspieler, Videospieler) statt findet. Es muss doch in Deutschland möglich sein, den zugrundeliegenden Problemen Herr zu werden, ohne mit dem Holzhammer um sich zu hauen. In unseren Nachbarländern (Niederlande, Schweiz, Österreich) geht es doch auch. Dort scheint man sich als Erwachsener voll entfalten zu können auch ohne dass deren Jugend der Verrohung anheim fällt.
Ich betreibe als Ausgleich zu mein Bürotätigkeit Taekwondo. Auch wenn ich dies aus Gründen der Fitness, Körperbeherrschung und (Selbst-) Disziplin mache, läuft diese Sportart doch allgemein unter der Bezeichnung „Kampfsport“. Wann darf ich damit rechnen, dass auch das Verboten wird? Oder wann weiten Sie den Vorgang des Access-Blocking auf andere Bereiche abseits der (zurecht geachteten) Kinderpornografie aus? Denn wenn Sie ihre Politik konsequent weiterverfolgen und die jetzt verhängten Verbote nicht fruchten, müssen Sie ja zwangsläufig neue Sündenböcke finden. Bitte verzeihen sie meinen Zynismus.
Von einer differenzierten Betrachtung bzw. von hohem Sachverstand konnte ich in letzter Zeit nichts erkennen. Dies mag vielleicht hart und ungerecht klingen, ich begründe diesen Vorwurf jedoch damit, dass ihren „Experten“ zum Beispiel völlig entgangen ist, dass es sich bei Paintball oder Counterstrike doch hauptsächlich um taktische Mannschafts-Spiele handelt und nicht um menschenverachtendes Gemetzel. Oder dass man ihre Praxis des Access-Blocking mit wenigen Handgriffen in Sekundenschnelle aushebeln kann. Oder dass die neue Alterskennzeichnung aus Film-Sammler-Sicht ein Schlag ins Gesicht ist.
Bei solchen Maßnahmen habe ich immer das Bild der Eltern vor Augen, die ihr ungezogenes Kind einfach noch lauter anschreien, anstatt sich mit ihm auseinander zu setzten und sich um seine Probleme zu kümmern.
Eine direkte Frage kann ich hier leider nicht formulieren. Ich wäre aber froh, wenn Sie offen und ehrlich zu den obigen Punkten Stellung nehmen würden. Und bitte regen Sie innerhalb ihrer Partei und bei ihren Koalitionspartnern ein Überdenken dieser Art von rückschrittlichen Bevormundung an.
Abschließend möchte ich ihnen versichern, dass mit dieser Art von oberflächlicher Politik zwar viele, alte, konservative Stammwähler gehalten werden, jedoch bestimmt umso mehr, junge, weltoffene Wähler wie ich verloren bzw. nicht gewonnen werden.

Hochachtungsvoll,
Michael Masatsch

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