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Beantwortet
Autor Patrizia Krafft am 18. September 2009
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Familie

kaum jobs für alleinerziehende mütter mit kind/ern

Sehr geehrte Frau von der Leyen,
ich finde es gut das sie schon viel für unsere Kinder erreicht haben nur leider besteht weiterhin das Problem für uns alleinerziehende Mütter kaum einen Job zu finden.
Ich bin gelernte exam. Krankenschwester mit einem 5 J. Sohn der seit diesem Jahr auch noch den Integrations§ bekommen hat.
Nach den 2 J. Elternzeit nahm ich meine Arbeit wieder auf, die ersten Tage klappten Prima, bis sich die Patienten beschwerten dass ich zu spät komme. Die damalige Vereinbarung mit diesem Arbeitgeber war 6 Uhr Kindergarten und dann schnell zur Hauskrankenpflege fahren um meine Arbeitsutensilien zu holen. Zum Schluß mußte ich samt 2 jährigen Sohn erst um 5:40 zur Arbeit und dann ihn in die Kita bringen. Ich verlor meine Arbeit.
Bei den folgenden 4 Arbeitgebern in 3J. wurde es auch nicht besser ich bekam die Arbeitszeit von 6Uhr nicht auf die Reihe desweiteren kann mir meine Familie in der Kinderbetreuung nicht helfen.
Ich arbeitete nun schon im Frühdienst mit jedem 2ten Wochenende Dienst, da hatte ich auch noch eine einzige Tagesmutter bekommen die bereit war am Wochende für den Lohn zu arbeiten nun darf sie leider ihren job aus gesundheitlichen gründen nicht mehr ausüben. und somit begann das dilemma, wer nimmt meinen Sohn am Wochenende, da ich kaum auf Stunden bei meiner Arbeit kam, kann ich mir auch keinen Babysitter/Tagesmutter privat leisten nur um meinen job zu retten. ich kann nicht +/- für null arbeiten gehen.
Jetzt bin ich arbeitslos ging zur AgenturfürArbeit die in meiner Situation nur noch mit dem Kopf schüttelte und nicht weiß wie sie mir Job technisch unter die Arme greifen soll.

Warum gibt uns Müttern niemand eine Chance, wir sind kaum Krank aber sowas wird bei den Vorstellungsgesprächen nicht gefragt.

Ich habe versucht bei der AgenturfürArbeit eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung oder Umschulung zu bekommen, beides kann nicht stattgegeben werden, weil mein Beruf einfach zu gefragt ist, was soll ich machen, ständig wie bisher alle 6- 9 Monate eine Kündigung bekommen um mich dann in meinem zustehendem Urlaub, bei der körperlich wie stressigen Arbeit auch noch im Urlaub um einen neuen Job zu kümmern.
Ich mache viel und arbeite sehr gerne. Aber so langsam sind meine Energiereserven wie Enthusiasmus auf dem Nullpunkt gelandet.

Schön wäre es wenn man als Alleinerziehende Mutter mehr Chancen bekommen könnte, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, würde ich mir nie wieder diesen Beruf als Krankenschwester ausuchen.

Anderen wollen wir helfen. Körpelich wie psychisch kaputt machen lassen und wenn wir hilfe brauchen ist

NIEMAND

für uns da. Schade.

Ich würde alle Jobs ausprobieren gerne auch eine 2te Ausbildung.
Bloß wenn mir keiner Hilft, werde ich das nicht schaffen, ich kann nicht zur Schule gehen und anschließend noch das Geld aufbringen müssen um meine Unkosten zu decken.

Seit 3J steht mein Sohn nun schon gemeinsam mit mir zw. halb 5 und 5 auf.
Sieht so eine Zukunft für unsere Kinder aus, wenn er zu Schule kommt und ich ihn zur 6 uhr Betreuung abgeben muß ist die Lernaufnahme 3 STunden später auch nicht mehr so hoch.

Ich probierte es in meiner Situation auch schon andersrum, ich ging zum Jugendamt und bot mich als Tagesmutter an 365 Tage im Jahr rund um die Uhr damit andere mit den gleichen Berufen wissen wohin mit ihrem Kind auch damit hatte ich keine Chance. Warum? Geht es anderen Müttern nicht genauso wie mir ? Ich fand diese Idee eigentlich nicht schlecht. Aus eigener Notlage heraus einen passenden Job zu machen!!!!!!!!!!!!!!!

Warum läßt sich Familie und Arbeit in der heutigen Zeit immer noch nicht unter einen Hut bringen.

MFG
Patrizia Krafft

+101

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Antwort
von Ursula von der Leyen am 16. November 2009
Ursula von der Leyen

Sehr geehrte Frau Krafft,

ich kann Ihren Ärger gut verstehen. Gerade Alleinerziehende stehen heute oft vor der schier unmöglich erscheinenden Herausforderung, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Vor allem dann, wenn ein Beruf wie der Ihre außergewöhnliche Arbeitszeiten erfordert, die die üblichen Öffnungszeiten von Kitas und Kindergärten nicht vollständig abdecken.

Können Familie und Freunde nicht einspringen, ist man immer auf teurere private Angebote und familienfreundliche Arbeitgeber angewiesen. In vielen Nachbarländern stellt sich dieses Problem zum Teil schon seit Jahrzehnten nicht mehr, weil sie längst eine breite und flexible Infrastruktur für die Kinderbetreuung aufgebaut haben. Ich weiß, dass Ihnen das bei Ihren weitergehenden Plänen nur bedingt hilft, aber die Bundesregierung hat in den letzten Jahren nicht nur den flächendeckenden Ausbau an Betreuungsangeboten bis 2013 angeschoben, sondern auch die besondere Lage Alleinerziehender in den Fokus gerückt:

Der erweiterte Kinderzuschlag, das erhöhte und gestaffelte Kindergeld und das Elterngeld helfen gerade Alleinerziehenden, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen wollen. Natürlich ist eine passgenaue und flexible Kinderbetreuung die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Alleinerziehende die Chance haben arbeiten zu gehen – so wie in Ihrem Fall.

Klasse finde ich Ihre Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und selbst Tagesmutter zu werden. Ich kann mir angesichts Ihrer beruflichen Qualifikation gut vorstellen, dass Sie hierfür sehr geeignet wären. Daher mein Tipp: Unter www.perspektive-wiedereinstieg.de finden Sie kompetente Ansprechpartner der Bundesagentur für Arbeit in Ihrer Nähe, die genau wissen, dass Alleinerziehende andere Voraussetzungen und Bedürfnisse haben als die große Masse der Kunden. Ich bin sicher, dass sie Ihnen dabei weiterhelfen können, Ihren Berufswunsch umzusetzen.

Welche Voraussetzungen Sie als Tagesmutter erfüllen müssen, darüber gibt Ihnen die Broschüre „Kindertagespflege – eine neue berufliche Perspektive“ unter www.bmfsfj.de einen guten Überblick.

Ich würde mir für Sie, Ihren Sohn und die anderen Kinder, die von Ihrer Förderung profitieren könnten, sehr wünschen, dass sich diese Idee verwirklichen lässt.

Mit freundlichen Grüßen