Sehr geehrte Nutzer von direktzu.de/vonderleyen. Diese Plattform ist aufgrund des Wechsels an der Spitze des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) archiviert. Sie können daher keine Beiträge veröffentlichen oder bewerten. Bereits veröffentlichte bzw. beantwortete Beiträge stehen Ihnen jedoch weiterhin zu Ihrer Information zur Verfügung. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Archiviert
Autor Anita Heise am 31. Juli 2009
1515 Leser · 6 Stimmen (-3 / +3)

Familie

Mütter und Arbeit

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

gerade habe ich im Radio gehört das es immer weniger Mütter in Deutschland gibt. Ich weiß Sie versuchen sehr viel für die Familien zu tun und schließlich haben Sie auch schon einiges erreicht, aber das System funktioniert so nicht ganz.

Ich habe zwei Kinder. Zehn und zwei Jahre alt. Derweilen bin ich 27 und noch Grafikdesignerin. Zumindest ist das mein erlernter Beruf.
Ok, ganz abgesehen davon das ich mit meinem Großen bis zum Ende der Ausbildung (2006) alleinerziehend war und während der Ausbildung für alles allein aufkommen musste, bin ich gut mit Ihm durchgekommen. Ich muß dazu sagen das ich an einer Privatschule lernen musste, weil mich keiner zu einer Ausbildung haben wollte, und selbst für das Geld aufkommen musste. Vielleicht können Sie sich ja vortsellen was das für ein Streß war. Nach der Ausbildung war ich Monate lang krank und dann wurde ich Schwanger.
Wissen Sie ich liebe Kinder und habe gedacht das, auch wenn ich den Kleinen behalte, ich nach dem Elternjahr schnell eine Arbeit in meinem Beruf finde. Als ich Anfing zu suchen war mein kleiner 6 Monate alt. Jetzt bin ich noch immer zu Hause.
Keine Hoffnung, keine Aussichten für mich.

Mein Partner hat sich extra in Bayern beworben, weil ich davon ausging das ich hier aufjedenfall eine gute Anstellung finde. Alles was ich fand waren überhöhte Kitakosten die wir, trotz des guten Lohnes meines Mannes, nicht aufbringen können. Da Krippe mit Arbeit zusammenhängt und man das eine ohne dem anderen nicht bekommt, ging es hier auch nicht gut.
Nun ziehen wir wieder zurück nach Berlin, weil dort die Kosten geringer sind und ich die Hoffnung habe mehr machen zu können, als "nur" den ganzen Tag meinen Sohn zu betreuen, bis er drei ist.

Ich denke dass das eigentliche Problem die Arbeitgeber / Unternehmen sind. Viele Frauen wissen das sie keine Arbeit mehr finden, wenn sie Kinder bekommen. Ein wenig bereue ich es das ich noch ein zweites Kind bekommen habe. Hätte ich nicht, könnte ich wenigstens arbeiten. Es ist nicht nur Kita oder Hort, klar da gibt es auch enorme Defizite, es sind die Unternehmen, welche mit Ihren extrem hohen Erwartungen Anfängern keine Chancen geben, vor allem wenn diese zwei Kinder haben, wovon eines klein ist. Nächstes Jahr verliere ich meine Anerkennung, weil ich vier Jahre nach der Ausbildung nicht gearbeitet habe. Das sind doch tolle Aussichten. Hinzu kommt das ich zunehmend Angst davor habe diversen Erwartungen nicht gerecht zu werden oder bei einer Arbeit gnadenlos zu versagen.

Wenn Sie sich darum bemühen könnten das es in jedem Bundesland einheitliche Kita und Krippenkosten gibt und das sich die Arbeitgeber mehr für Mütter einsetzen, dann glaube ich werden auch wieder mehr Frauen Hoffnung bekommen, denn ich glaube nicht das ich die Einzige bin.

Nun, was kann ich machen, um meine Familie finanziell zu unterstützen, in meinem Beruf, mich durch eine gute Arbeit ab und zu auch als Frau statt nur als Mutter zu fühlen und gleichzeitig meine Kinder gut versorgt wissen und einen Arbeitgeber zu haben der Kinder akzeptiert und Sie nicht als einen gefährlich Virus ansieht?
Denn schließlich bin ich nicht behindert, ich habe nur Kinder!

Vielleicht können Sie ja etwas bewirken, bis jetzt hat mir keiner zugehört.
Das würde mich wirklich freuen.

Vielen Dank und mit freundlichem Gruß
Heise

0

Die Abstimmung ist geschlossen, da der Beitrag bereits archiviert wurde.