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Beantwortet
Autor Silvia Simon am 17. März 2009
5558 Leser · 192 Stimmen (-31 / +161)

Kinder und Jugend

Prävention AMOKLAUF AN SCHULEN


Sehr geehrte Frau von der Leyen.

Der Amoklauf in Winnenden hat mich sehr sehr erschüttert .
Das Thema bewegt und ist präsent.
Die Suche nach Ursachen ist umfassend.

Als Mensch, Frau, Mutter und Psychologin sehe ich interessiert die Berichterstattung und Diskussionsrunden im Fernsehen mit der Frage im Hintergrund:
"... wie, um Gottes Willen, ist dies zu verhindern..:?".

Meine Gedanken, aus denen sich Fragen ergeben:

1. Frage: Gewalt-Videospiele

In den Medien wird dieses Thema derzeit immer wieder aufgegriffen und zu meiner Freude nicht verharmost. Ein Spieleverbot wäre unrealistisch (Schwarzmarkt) und die Einhaltung der Altersbegrenzung, gegen den Willen der Eltern, ist nicht zu kontrollieren. Aber das Thema müßte mehr ins Bewußtsein rücken.
Kann dieses Thema in den Lehrplan aufgenommen werden, um Kinder (und Eltern) für "das Spielen und die Folgen" zu sensibilisieren. Können Angebote für Spielalternativen gemacht werden? .

2. Frage - Thema: Soziale Kompetenz

Bei der Berschreibung des Tätersprofiles tauchen immer wieder Wörter auf wie "Sonderling", "Außenseiter", "frustriert", "außen angepaßt und nett", "sensibel", etc. Die Entwicklungspsychologie stellt zum Thema "Entwicklungsaufgaben und deren Bewältigung in Pubertät und Jugendalter" ausreichend Theorien zur Verfügung. Persönlichkeitsprofile von Amokläufern zeigen, dass sie diese Zeit nicht adäquat erleben/erfahren durften.Dies kann an der Persönlichkeit, dem Elternhaus oder dem sozialen Umfeld etc. liegen.
Ich denke genau hier kann Präventíon beginnen!
Es ist meine feste Überzeugung, dass durch Soziales Kompetenztraining (o.ä.) in den Schulen (Lehrplan, wöchentlich) festgesetzt) eine Vielzahl von - auch späteren - sozialen/ gesellschaftlichen Problemen verhindert werden können. Es geht um die gezielte Integration von "Außenseitern" , "Sonderlingen" , auch von "Migranten", etc. Wo eine einfühlsam durchgeführte pädagogisch-psychologische "Gruppenarbeit" durchgeführt wird, kann (wenn dies in einer wohlwollenden Atmosphäre geschieht) eine positive Veränderung ermöglichen. Ich denke auch an Anti-Aggressions-Kurse, etc. Denn leider zeigt die aktuelle Entwicklung (schon in Kindergärten beobachtbar), dass viele Eltern mit der Erziehung der Kinder überfordert sind (zeitlich, Wissen) und dies gerne deligierten.

Meine Bitte ist:
Mehr Personal an die Schulen und Kindergärten.
Denn dort entsteht unsere Gesellschaft von morgen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich von Ihnen eine Rückantwort zu meinen beiden Fragen bekomme.

Herzlichste Grüße von S.

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Antwort
von Ursula von der Leyen am 08. Mai 2009
Ursula von der Leyen

Sehr geehrte Frau Simon,

Sie haben recht: Das Thema Computerspiele ist nicht einfach. Die neuen Medien, dazu zähle ich auch das Internet und das Handy, sind aus dem Leben unserer Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Gerade deshalb können wir als Erwachsene nicht die Augen davor verschließen, wie unsere Kinder diese Medien nutzen. Hier sind auch die Lehrer gefordert.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es an vielen Schulen bereits engagierte Lehrerinnen und Lehrer gibt, die sich im Unterricht mit den Risiken und Chancen zum Beispiel des Internets auseinandersetzen. Das ist wichtig, denn Kinder werden durch den Alltag geprägt und der Alltag ist zum Großteil Schule. Allerdings ist es nicht alleine Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer oder der Erzieher in der Kita, Kindern und Jugendlichen soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Hier sind in erster Linie die Eltern gefragt. Deswegen setze ich mich dafür ein, dass Schulen und Eltern Erziehungspartnerschaften bilden. So können sie beide dabei helfen, die Probleme von Kindern und Jugendlichen zu lösen.

Mit freundlichen Grüßen,